Dienstag, 7. Juni 2016

endlich: einheitliche vegane/vegetarische Kennzeichnung

Gerade mal 2 1/2 Jahre hat es vom Entschließungsantrag des Bundestrags für eine einheitliche vegan/vegetarische Kennzeichnung bis zur tatsächlichen Entscheidung gedauert:

[25.05.16] Auf ihrer Konferenz in Düsseldorf haben die Verbraucherschutzminister der Länder am 22. April 2016 einstimmig einen Vorschlag für eine rechtsverbindliche Definition der Begriffe ‘vegan’ und ‘vegetarisch’ beschlossen. Was sagt dieser aus und was bedeutet dieser Schritt?
Die Formulierung hatte eine gemeinsame Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Länder, des VEBU und der Lebensmittelwirtschaft, erarbeitet. Inhaltlich basiert diese auf vom VEBU erarbeiteten Kriterien und entspricht vollständig den Vorstellungen und Erwartungen der interessierten Verbraucherschaft. Der VEBU freut sich über dieses deutliche Signal der Länder an die Bundesregierung, sich in Brüssel für eine rasche Umsetzung einzusetzen.

Fehlende rechtliche Vorschriften

Aktuell gibt es weder auf EU-Ebene noch in Deutschland rechtsverbindliche Kriterien, die vegane und vegetarische Lebensmittel erfüllen müssen. Dies führt zu Unsicherheiten auf Seiten der Verbraucher sowie von Herstellern und Handel. Die Notwendigkeit einer verlässlichen Definition hatte der europäische Gesetzgeber schon 2011 erkannt. In der Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) wird die EU-Kommission verpflichtet, Kriterien für die freiwillige Kennzeichnung von Lebensmitteln als für Veganer oder Vegetarier geeignet zu erlassen. Dieser Auflage ist die Kommission trotz zunehmenden Drucks von Politik, Verbraucherschutzverbänden und Wirtschaft bisher nicht nachgekommen. Der Beschluss der Verbraucherschutzminister fordert den Bund explizit auf, seine Anstrengungen auf europäischer Ebene zu verstärken. Die Länder haben auf der Verbraucherschutzministerkonferenz zusätzlich beschlossen, die vorgeschlagenen Definitionen in der Lebensmittelüberwachung künftig als Maßstab zu verwenden. Alle Fraktionen des Bundestages haben ebenfalls bekundet, die Ziele des VEBU zu unterstützen und somit auf eine zeitnahe europäische Lösung hinzuwirken .

Was sagt die Definitionsempfehlung aus?

Der VEBU hatte stets gefordert, dass die willentliche Verwendung von nicht-veganen bzw. nicht-vegetarischen Substanzen im Rahmen des Produktionsprozesses auf allen Stufen ausgeschlossen sein muss. Gleichzeitig muss es zur Bereitstellung eines größtmöglichen Produktangebots für Hersteller möglich sein, nicht-vegane und vegane (analog nicht-vegetarische und vegetarische) Lebensmittel mit den gleichen Produktionsanlagen herzustellen, sofern zumutbare Vorkehrungen nach aktuellem Stand der Technik zur Verhinderung von Verunreinigungen getroffen werden. Dies führt dazu, dass das (mögliche) Vorhandensein von minimalen Spuren tierischer Substanzen in veganen oder vegetarischen Produkten gestattet ist. Der Hintergrund dafür ist, dass der Kauf von während des Produktionsprozesses (möglicherweise) mit tierischen Substanzen in Kontakt gekommenen veganen bzw. vegetarischen Lebensmitteln nicht zur vermehrten Nutzung von Tieren, zur Umweltschädigung oder Ressourcenverschwendung beiträgt und somit aus vegan-vegetarischer Sicht kein Problem darstellt. Die bestehenden Vorschriften zur Allergenkennzeichnung stellen sicher, dass Betroffene sich über diesen Aspekt eines Lebensmittels informieren können.

Die Definitionsempfehlung im Wortlaut:

(1) Vegan sind Lebensmittel, die keine Erzeugnisse tierischen Ursprungs sind und bei denen auf allen Produktions- und Verarbeitungsstufen keine
– Zutaten (einschließlich Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen und Enzyme) oder
– Verarbeitungshilfsstoffe oder
– Nicht-Lebensmittelzusatzstoffe, die auf dieselbe Weise und zu demselben Zweck wie Verarbeitungshilfsstoffe verwendet werden,
die tierischen Ursprungs sind, in verarbeiteter oder unverarbeiteter Form zugesetzt oder verwendet worden sind.

(2) Vegetarisch sind Lebensmittel, welche die Anforderungen des Absatzes 1 erfüllen, bei deren Produktion jedoch abweichend davon
1. Milch,
2. Kolostrum,
3. Farmgeflügeleier,
4. Bienenhonig,
5. Bienenwachs,
6. Propolis oder
7. Wollfett/Lanolin aus von lebenden Schafen gewonnener Wolle,
oder deren Bestandteile oder daraus gewonnene Erzeugnisse zugesetzt oder
verwendet worden sein können.

(3) Einer Auslobung als vegan oder vegetarisch stehen unbeabsichtigte Einträge von Erzeugnissen, die nicht den jeweiligen Anforderungen des Absatzes 1 oder 2 entsprechen, nicht entgegen, wenn und soweit diese auf allen Produktions- ,Verarbeitungs- und Vertriebsstufen trotz geeigneter Vorkehrungen bei Einhaltung der guten Herstellungspraxis technisch unvermeidbar sind.
(4) Die Absätze 1 bis 3 gelten entsprechend, wenn für Lebensmittel Informationen verwendet werden, die aus Verbrauchersicht gleichbedeutend mit „vegan“ oder „vegetarisch“ sind.

Quelle: vebu vom 25.5.16

Hört sich für mich gut an. Bisher war ja ärgerlich, dass einige Hersteller etwas als nicht vegan angegeben haben, weil möglicherweise "Spuren"  von Eiern o.ä. enthalten waren. Auch die Verbraucherschützer haben sich albernerweise regelmäßig mockiert, wenn etwas als vegan ausgelobt war, aber der Hinweis "kann Spuren von Eiern... enthalten" aufgedruckt war, z.B. bei der Naturata-Schoki.

Kommentare:

  1. Das ist sehr gut 👍 Jetzt bin ich nur noch gespannt, wie viel Jahre die "rasche Umsetzung" dauert ⌛⏳⌛

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  2. Na endlich ;-).

    Ich wusste gar nicht, dass sich Leute (und dann auch noch speziell Verbraucherschützer!) über "Spuren von.." aufregen - denk dir ein "Facepalm-Smiley" (https://de.wikipedia.org/wiki/Facepalm) hier rein ;-)

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