Sonntag, 25. Oktober 2015

nichts neues von den Selbstversuchen

Die gute Nachricht: Es gibt einen neuen Selbstversuch. Die schlechte: Es ist wie bei allen Selbstversuchen.

Redakteurin Stephanie von der Nürnberger Zeitung isst 7 Tage vegan. In Worten: Sieben. Hat sie gewagt. Der Grund:
Vegan essen ist eine Herausforderung, vor allem für einen Fleischfresser und eine Naschkatze wie mich. Deshalb habe ich ein Experiment gewagt und eine Woche lang auf Eier, Milchprodukte, Honig und Fleisch verzichtet.
Stephanie liebt also die Herausforderung. Dafür geht sie allerdings etwas zaghaft vor:
Schon im Supermarkt bekomme ich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Die ersten Zweifel melden sich, wie soll ich nur eine Woche ohne Milchprodukte überleben?

Also wem schon beim Einkaufen mulmig wird, der ist ein Riesenschisser, ziemlich doof und/oder kriegt sonst auch nicht wirklich was auf die Reihe. Die Supermarktregale sind voll. Selbst wenn man Milchprodukte liebt, wird man doch wissen, dass man trotzdem noch Marmeladenbrötchen frühstücken kann. Aber Stephanie entscheidet sich für Vollkornflakes mit Soja-Hafer-Drink. Wohl keine gute Entscheidung:
Dieser ist ungleich der rein weißen Milch, gräulich. Visuell ansprechend ist das schon mal nicht. Geschmacklich ist es eine Katastrophe, vor allem der leicht getreidereiche Geschmack im Abgang.
Igitt, Getreidegeschmack! Also das geht ja schonmal gar nicht. Getreide schmeckt doch keinem. Deswegen macht man ja immer Belag aufs Brot; damit man das doofe Getreide nicht schmeckt.
Und wieso bitte kann der Hersteller den Drink nicht bleichen? Macht man doch bei Papier aus. Es sollte eine EU-Richtlinie geben, dass nur noch schneeweiße Getränke verkauft werden dürfen. Da fällt mir ein, es gibt sogar Leute, die tun sich Sachen in die Milch, dass die hinterher nicht mehr schneeweiß ist. Z.B. Kaffee oder Kakao. Wie können die bloß dieses braune Zeug runterkippen?

Auf der Arbeit gibts nur Obst, Gemüse und Studentenfutter, in der Kantine muss sie mitansehen, wie die anderen sich lecker Schnitzel reinpfeifen, während sie Tomatenreis und Karotten mümmelt. Hört sich eigentlich auch ganz lecker an, aber nicht grad sättigend.
Abends gibts dann vor lauter Hunger Vollkornnudeln mit Tomatensoße. Man merkt schon: Da ist die Meisterköchin am Werk.
Dann stellt sie noch enttäuscht fest, dass im Miniregal mit veganen Süßigkeiten des Supermarkts, eine Tafel vegane Schokolade 3€ kostet. Hört sich nach Edeka an. Dass es auch normale Zartbitter-Schoki oder Rittersport-Marzipan überall für unter nen Euro zu kaufen gibt, hätte man rausfinden können. Aber so investigativ ist die Journalistin wohl nicht.
Sie greift zum Nougattaler, der angeblich auch nicht schlecht schmeckt.

Das war dann wohl auch das Highligt, beim nächsten Mittag gibts Klos mit Brokkoli und Tomatensauce.
Geschmacklich ein absolutes Desaster, aber für das Auge ein Hingucker. Langsam bekomme ich das Gefühl, dass diese Woche endlos lang für mich wird. Das Essen macht einfach keinen Spaß mehr, wenn ich vorher ständig überlegen muss, was ich essen darf und was nicht!
Deswegen überlegt man sich eigentlich am besten vorher, was man essen könnte. Bis man das automatisch drauf hat. Oder müsst ihr noch stundenlang überlegen, was ihr zum Frühstück macht?

Beim Bäcker scheints dann auch nix zu geben. Die Brezeln sind mit Schweineschmalz. Hm, aber was ist mit Kaiserbrötchen, Vollkornbrötchen, Roggenbrötchen? Hätte man mal nachfragen können.

So gibts denn Döner mit gegrilltem Gemüse, Salat und Kichererbsensoße. Hört sich lecker an, aber sie findets ohne Fleisch doof. Und das Hummus ist ihr zu bitter.

Schon Tag 4 gibt sie als Tiefpunkt an. Pommes mit Ketchup, weil im Supermarkt kein veganes Fertiggericht. Da wär ich auch knatschig. Komisch, dass mir sowas nicht passiert. Obs daran liegt, dass ich die erste an der vegane-Fertiggerichte-Theke bin? Oder doch eher daran, dass ich mir dann halt was leckeres Selbstgekochtes mitnehme? Und das ohne Superköchin zu sein. Aber ne Gemüselasagne kriege ich hin. Stephanie aber greift zum Salat und "unterdrückt Wut und aufsteigende Tränen". 
Anfangen zu heulen, weil das Lieblingsmampf aus ist, srsly?!? Ich dachte sowas gibts nur bei Kleinkindern.

Tag 6 scheint dann ganz gut zu laufen, weil Selbstkochen. Na bitte. Hätte man vlt schon früher mit anfangen sollen.

Am letzten Tag dann noch das obligatorische Tofu-ist-doof-Statement, damit das Bullshit-Bingo voll wird.


Man könnte fast ein bisschen Mitleid haben, wenn es nicht so typisch First World Problems wäre und man das ganze mit etwas Vorbereitung und Selbstkochen vermeiden hätte können.

Link zum Artikel: Selbstversuch: So fühlt es sich an, eine Woche vegan zu leben

Kommentare:

  1. wie immer halt...wie stelle ich am besten dar, wie schrecklich die vegane lebensweise ist...*augenroll* Wenn man schon so da ran geht, kann das nix werden...

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  2. Kompliment für den Blogpost, du sprichst mir aus der Seele und ich hab mich weggeschmissen vor Lachen :D

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  3. Ich finde es immer wieder interessant zu erfahren, dass für manche Journalisten Recherche eine scheinbar sehr nebensächliche Rolle einnimmt. Ein bisschen Vorbereitung und sie hätte sich so viel Kummer ersparen können. Aber dann wäre dein Beitrag nicht so amüsant geworden. :D

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  4. Eine "Redakteurin" schreibt so etwas? Oder war das doch eher ein Ferienprojekt vom Azubi? Immer das Gleiche .... :)

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  5. Oh mein Gott wie grauselig... vielleicht hätte sich die Nachwuchsjournalistin wenigstens ein Kochbuch für 5 € gönnen sollen - dann wäre ihr Klos mit Brokkoli und Tomatensauce erspart geblieben... oder hätte mal beim vegan wednesday recherchiert...

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  6. Na die ist auch nicht das hellste Lämpchen unter der Sonne *lach*. Die Auswahl an veganen und zusätzlich gesunden Dingen ist doch riesig. Aber man merkt schon, dass die schon mit totalem Widerwillen an ihren Versuch herangegangen ist. Wahrscheinlich wußte sie schon, dass das alles ganz "doof" wird, bevor sie überhaupt angefangen hat....

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  7. Ich liebe es, wenn du vegane Selbstversuche kommentierst :-D
    Ansonsten habe ich auch nichts bahnbrechend neues hinzuzufügen ;-)

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  8. Ich habe so gelacht!!! ... Und habe dabei glücklicherweise ganz vergessen, was für ein schlimmes Leben ich als Veganesserin eigentlich habe.
    Es grüßt die Billa

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