Samstag, 12. Juli 2014

es gibt sie noch, die Vegan-Experimente

Ein neuer Teil in meiner Serie Vegan-Experimente:

Diesmal ist eine Redakteurin vom ECHO die Mutige. In "Vegan auf Probe - Ein Selbstversuch" beschreibt sie ihre mutigen 4 Wochen.
Das erste Frühstück besteht aus Kaffee mit Sojamilch, die "aufdringlich nach Vanille schmeckt" (ja, das ist so bei VANILLEsojamilch, wenn man das nicht will, sollte man nichts mit dem Aufdruck "VANILLE" kaufen!!!) und einem Brötchen mit Margarine und Marmelade, denn mehr gibt der Kühlschrank nicht her (Das Experiment kam wohl völlig überraschend, sodass vorher absolut keine Zeit zum Einkaufen war?!).
Mittags gibt es einen Salat in der Kantine. Weil der schon fertig mit Croutons, Käsestreifen und sonstigem Unfug gespickt ist, muss sie alles einzeln rausklauben. Übrig bleiben strohig schmeckendes Grünzeug und zwei Kirschtomaten. 
Das ist ungefähr so sinnvoll, wie eine Salamipizza zu bestellen und dann den Käse und die Salami rutnerzukratzen und nur den Boden zu essen. Auch da hätte man vielleicht mal vorher gucken können, was die Kantine denn so hergibt; dürfte ja nicht der erste Besuch dort sein.
Nun kommt aber der löbliche Einkauf, und zwar im Bioladen. Überraschung: Dort ist es teuer! Wer hätte das gedacht.
Am dritten Tag ist der Hunger angeblich weg. Ständig ans Essen denken zu müssen, macht sowas von satt. Echt? Ich werd davon immer nur noch hungriger.  So traurig geht es weiter; die Vegane-Fertig-Food-Auswahl ist nicht lecker genug; im Fußballstadion gibts keine Pommes, und auf der Grillfete haben die anderen nur Fleisch vorrätig. Es sei denn, die Party wird von Veganern ausgerichtet: Da stopfe ich mich voll und habe plötzlich wieder Appetit, gibt es doch Köstlichkeiten wie vegane Gulaschsuppen, Linsensalate mit Datteln, Bananen-Muffins und Karotten-Nuss-Kuchen.
Könnte daran liegen, dass Veganer auch vegan essen. Btw wenn die anderen es hinkriegen, sowas zuzubereiten, könnte man das doch vielleicht auch selbst machen und ....mitbringen in Kantine und zu Essenseinladungen? Oder denke ich da jetzt zu weit?
dann folgen noch einige nicht weiter nennenswerte Infos zu Ethik, Gesundheit, Stolpersteinen und Produkten. Witzigerweise schreibt sie zum Thema "Lecker essen"
Na klar, das geht auch vegan. Wenn ich zu Hause bin und viel Zeit habe, mir Kichererbsen-Buletten mit Zucchini-Dip zu machen oder Gurkenremoulade zum Spargel. Die vegane Leberwurst aus pürierten Kidneybohnen als Brotaufstrich scheckt super, die grüne Soße mit Tofu-Rührei macht süchtig. Von all den Currys, Linsen- und Gemüsesuppen ganz zu schweigen. Die Liste an veganen Rezepten ist lang und lecker. 
 Na immerhin. Man muss halt was selbst machen. Doch dann wird gleich wieder gejammert
Mir fehlt das Gelbe vom Ei, Naturjoghurt, der nach Naturjoghurt schmeckt, Milch, die nach Milch schmeckt, und käsiger Käse. Mir fehlt auch ein Stück Leichtigkeit.
Tja, wenn an Eigelb als Leibspeise hat, wird man mit veganer Ernährung wohl nicht glücklich. Das Fazit fällt dann auch entsprechend mau aus:
Sich am Montag überlegen zu müssen, wie man die nächsten Tage vegan über die Runden kommt, ist nervig, zeitraubend und mit einem Vollzeitjob nur schwer zu vereinbaren. Ich habe auch keine Lust auf die vielen Diskussionen mit Allesessern, die unweigerlich kommen, wenn man sich als Veganer outet.
Super, wie die Autorin von sich selbst auf die Allgemeinheit folgert. Weil es in ihrer Kantine nix gibt, haben, können Berufstätige unmöglich vegan leben. Komisch, ich kenn Leute, die sich auch so was von zu Hause mitbringen. Z.B. ihr Wiener Schnitzel vom Vortag. Weil es ihnen in der Kantine nicht schmeckt, sie Geld sparen wollen, die Reste eh wegmüssen o.ä. Oder man geht woanders hin... Und ich kenne auch viele, die abends nach der Arbeit noch selbst kochen. Oder wenn sie keine Lust haben, einfach ne Brotzeit machen.
Und einkaufen dauert vegan auch nicht viel länger, jedenfalls nicht, wenn man irgendwann seine Produktpalette kennt.
Aber gegen die Diskussionen mit den Allesessern hab ich auch kein Heilmittel.Wobei man mit "Ich hab da so n ätzendes Experiment aufgedrückt bekommen, und soll da drüber nen Bericht schreiben" doch eigentlich gar nicht weiter in Argumentationsnot gerät.

Kommentare:

  1. Und das mit den Spuren von Ei, Milch usw. bei Lebensmitteln hat sie auch nicht verstanden. Ich glaube scheitern war ihr Ziel :)

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  2. Ich liebe deine Art zu schreiben, liebe Mausflaus :D Du "rezensierst" solche Berichte immer so herrlich erfrischend.
    LG Federchen

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  3. Endlich mal wieder einer erkannt, wie sehr wir Veganer leiden! Kaum auszuhalten ist das. Da geht man schon auf dem Zahnfleisch, nicht nur finanziell, und dann ist der Kühlschrank trotzdem leer bis auf den undefinierbar schmeckenden Sojajoghurt. Japp. Da sieht man mal, wie sehr wir uns aufopfern.

    Aber mal im Ernst: Das Problem ist, dass die Autorin gar keine Ahnung hat, warum sie überhaupt vegan isst. Ausser, um einen Artikel darüber zu schreiben natürlich. Das fehlt bei solchen Experimenten immer. Warum man eigentlich vegan isst. Nicht nur, dass es echt schwer ist und man nur Marmelade im Haus hat, was ungefähr bei jedem ersten Experiment der Fall ist (wachen die morgens auf und werden spontan dazu gezwungen vegan zu essen?), sondern wie sie überhaupt auf die Idee gekommen sind ("Ich habe Atilla Hildmann im Fernsehen gesehen und den Begriff im letzten halben Jahr etwa 5mal gehört" zählt nicht, liebe Autoren) und was es alles für Beweggründe gibt.

    Sonst haben diese Artikel noch weniger wert als sowieso schon.

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    1. ich finde, das problem ist viel eher, dass sie ihren job nicht richtig macht. selbst wenn man keine ahnung von veganismus und den hintergründen hat; wenn man die aufgabe hat, einen bericht über etwas zu schreiben und es selbst auszuprobieren, gehört es dazu dass man sich ordentlich informiert und vorbereitet, damit man auch richtig testen kann. das ist irgendwie so, als wenn ich nen nassrasierer testen soll, muss ich vorher die bedienungsanleitung lesen, wie ich den benutze und kann da nicht einfach rumfuchteln und mich drüber beschweren dass die haut davon total trocken wird, weil ich den rasierschaum erst nach ner woche gekauft hat.
      ich find das einfach geschludert, und wenn man etwas schlecht macht, ist klar, dass man damit auch nicht gut zurecht kommt und dann wenig begeistert ist. und dann steht da am ende veganismus ist doof. das ist echt ärgerlich.
      aber ein bisschen unterhaltungswert hats doch ^^

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    2. Ja, das ist es ja, worauf ich mit viel zu vielen Worten hinaus wollte.

      Sie hat keine Ahnung, was sie da treibt, keinerlei Intention, das zu ändern oder ihren Lesern nahe zu bringen, gar nichts. Und das ist einfach schlechte Arbeit für jemanden, der Artikel schreibt. Und das ist es, was die meisten dieser Experimente gemein haben. Vor sich hin wurschteln und alles doof finden. Da springt einfach nichts über.

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  4. Ich liebe Deine Art solche Berichte zu kommentieren.
    Bei der Argumentation der Redakteurin frage ich mich wirklich, wie sie es zu ihrem Job geschafft hat. xD

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  5. Mal wieder genial, wie du das analysierst. :D

    Ich hab letztens auch einen Beitrag dazu in einer Zeitung gelesen, bei dem eine Reporterin auch einen veganen Versuch gestartet hatte, da kam auch so ein blöder Satz:

    "....als es dann nach dem Essen Kaffee schwarz gibt, wird der Versuch frustriert abgebrochen. Ohne Milch - Nein, danke!"

    Und das am ersten Tag! Da hab ich mir auch nur gedacht, du meine Güte. :/

    Das ist einfach das Problem weil sich die Leute (vorher) nicht genügend informieren!

    LG, Mufi Vegan! :)

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  6. Sehr schön von Dir geschrieben!
    Aber wenn man so an einen Selbstversuch rangeht, kann das ja nichts werden!
    Hauptsache negative Berichterstattung...
    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten!
    Und wenn man nicht Klappe halten kann, dann einfach mal Ahnung haben! ...grummel...

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  7. Oh wie prima - endlich wieder ein Vegan-Experiment! Das ist doch echt zum fremdschämen... Ich finde sowas irgendwie immer ganz lustig, auch wenn es eigentlich traurig ist...

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  8. Hallo,

    Ich habe dein Blog gesehen und dachte mit es wäre vielleicht eine gute Idee dir mein Projekt vorzustellen was ich gerade am laufen habe.

    Ich habe eine Crowdfunding Kampagne gestartet mit der ich den Druck von Broschüren finanzieren will.

    Es geht ums Thema "WARUM ICH KEINE TIERE ESSE".
    Vielleicht wäre es eine Idee für einen Post bei dir, um so die VEGANE Idee und natürlich mich zu unterstützen.

    Schaus dir einfach an, ich hoffe es gefällt dir:

    startnext.de/tiereessen

    Vielen Dank im voraus


    Reger Pit

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  9. Endlich mal jemand, der nicht nur Regenbogen und Schmetterlinge bloggt. Ich denke mir bei solchen "Experimenten" genau das gleiche. Wenn man sich vorher damit auseinandersetzt, ist es auch nicht weiter schwierig. Und über etwas zu schreiben über das man sich nicht informiert hat, ist Unfug und wenn sie zu faul ist, dann hat die Frau wohl auch den falschen Beruf ergriffen. Vielen Dank für deine Kommentare dazu ;)) bekommt man direkt Sympathien

    Gruß, Lisa

    teewasser.blogspot.de

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    1. *g* schön dass es dir gefällt. manchmal denke ich, ich komm bisi arg zickig rüber... immer was zu nörgeln. dabei bin ich eigentlich ganz nett :)

      dein blog ist auch hübsch; hab ihn gleich mal abonniert; hoffe du machst ihn weiter.
      lg

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