Freitag, 15. November 2013

die Sache mit dem "rein pflanzlich"

Leider steht auf Lebensmitteln meistens nicht "vegan", selbst wenn sie's sind. Gelegentlich entdeckt man "vegetarisch" oder "rein pflanzlich". Aber noch nicht mal da kann man sich drauf verlassen, denn das heißt nur, dass die Hauptzutaten nicht tierisch sind. Sowas wie Aromen können trotzdem tierischen Ursprungs sein, und auch "Wasser" findet man häufig auf solchen Lebensmitteln, obwohl Wasser nicht aus Pflanzen gewonnen wird (sondern aus Wasserbüffeln). 
Die Verbraucherschutzseite "lebensmittelklarheit" hat kürzlich die als "rein pflanzlich" deklarierte "becel classic"-Margarine an den virtuellen Pranger gestellt, weil das enthaltene Vitamin D aus dem Wollfett von Schafen gewonnen wird.

 

Als langjähriger Veganer weiß man natürlich, dass das mit dem Vitamin D immer ne Sache ist, wo man eigentlich nachfragen müsste, wenn man sichergehen will, dass es vegan ist; aber genau das sind so Stolpersteine, über die man  sich am Anfang oft ärgert. Von daher finde ich die Veröffentlichung gut; man hätte vielleicht noch dazuschreiben sollen, dass Vitamin D sehr häufig aus tierischer Quelle stammt, und nicht nur bei der einen Margarine problematisch ist.

Wenn man sicher sein will, dass ein Produkt vegan ist, dann empfiehlt es sich, vorher zu recherchieren; die größten Datenbanken sind rezeptefuchs.de, nixwieveg.de, und der PETA-Einkaufsguide.


So, und jetzt verabschiede ich mich erst mal für 2 Wochen in den Urlaub. Im Dezember melde ich mich wieder *wink*

Sonntag, 3. November 2013

Jippie, endlich wieder ein veganer Selbstversuch!

Anlässlich des Weltvegantags am 1.11. hat eine NDR-Journalistin das Abenteuer gewagt, und bei mir für einige Facepalm-Reaktionen gesorgt.
Und das geht direkt beim Frühstück los; O Wunder, es ist ja gar nix Veganes im Kühlschrank!

Ein veganes Frühstück gibt mein Kühlschrank nicht her - Müsli mit Wasser wäre die einzige Möglichkeit. Also lade ich meinen Freund, der normalerweise morgens gern Salami, Mett und Teewurst isst, zum veganen Frühstück in einem Teehaus in Hamburg-Eppendorf ein. Wir bestellen Dinkel-Pfannkuchen, Hirse mit Vanilleschaum und ein Sandwich mit Räuchertofu. Ein gesundes Frühstück zum Runterkommen. Total lecker, besonders das Sandwich, ist unser Fazit.
Keine Aufbackbrötchen und ein Glas Marmelade da? Egal, war zumindest ganz schlau, das Frühstück den Profis zu überlassen. Mittags geht das leider nicht:

Die NDR Kantine bietet heute zwei vegetarische Gerichte an: Blumenkohl mit Semmelbröseln und Nudeln mit Wok-Gemüse. Aber ist das auch vegan? Nein. In den Bröseln ist Butter, in den Nudeln Ei. Also esse ich Salat mit Sojasauce und trockene Kartoffeln. Traurig sieht das aus. Und glücklich macht es auch nicht. Sehnsüchtig schaue ich auf den buttergetränkten Blumenkohl meiner Kollegin und habe wilde Gedanken an Sauce Hollandaise, schmelzende Butter oder überbackenen Käse.
Die typische "Ess ich halt nen Salat"-Notlösung. Man hätte höchstens noch Kartoffeln mit Wok-Gemüse kombinieren können. Ich würde nen Salat ja auch so nem in Butter ersoffenen Blumenkohl vorziehen, aber damit stehe ich wohl alleine da.

Außerdem plagt mich die Frage: Wie gesund ist vegan leben eigentlich? Das frage ich Manfred James Müller, Leiter der Ernährungswissenschaften an der Universität in Kiel. "Veganer haben ein geringes Risiko für Herzinfarkt und Darmkrebs", sagt er. Allerdings müssten sie darauf achten, dass sie genügend Vitamin B12, Jod und Calcium zu sich nehmen. Nur während der Schwangerschaft, der Stillzeit und der Kindheit sei eine vegane Ernährung kritisch. Erkenntnis: Veganer müssen nicht nur drauf achten, was sie essen, sie müssen auch wissen, was in ihrem Essen drin ist oder eben fehlt.

Bei einem einzigen Tag vegan dürfte das Gesundheitsrisiko sich in Grenzen halten. Die Aussage des Ernährungswissenschaftlers finde ich ganz okay.

In der Hoffnung, dass mein Abendessen ausgewogener sein wird als das Mittagessen, mache ich einen Einkaufszettel. Ich habe Gäste eingeladen. Es soll Nudeln mit Bolognese und mit Käse-Spinat-Sauce geben. In meinem Stamm-Supermarkt stehe ich gestresst vor dem Kühlregal. Ist was Tierisches in dem Tiefkühl-Spinat? Sind die Fette im Tomatenmark pflanzlich? Gibt es veganen Käse? Ich bitte eine Verkäuferin um Hilfe. Sie geht die Zutatenlisten mit mir durch. Ganz schön anstrengend das Einkaufen, wenn man keine Ahnung hat.
Wie kann man denn bitte einen Tag eine fremde Ernährungsform praktizieren und sich am Abend schon befähigt fühlen, danach zu kochen?!? Das Vorgehen zeigt, dass sie sich null mit veganer Ernährung auseinandergesetzt hat, sondern die Vorstellung hat, dass sie einfach kocht wie immer und die Tierprodukte durch vegane Produkte ersetzt. Veganes Essen ist aber keine Ersatzernährung, sondern was eigenständiges. Und hätte man für ein Essen, was explizit vegan sein soll, nicht vielleicht was anderes, als etwas, dass schon im Namen nen Haufen Tierprodukte trägt, auswählen können?
Im veganen Supermarkt in Hamburg findet sie dann aber doch alles.

Als Testesser für mein veganes Menü habe ich ein paar Freunde eingeladen: drei Männer und drei Frauen. Ein weiterer Freund hat entschieden abgesagt: "Veganes schmeckt nicht", meint er. Was werden die sagen, die sich an mein veganes Essen trauen? Auf dem Tisch stehen: Chips, Cracker, Schokolade, Parmesan, Brot, zwei Sorten Nudeln mit Sauce, pflanzliche Chicken-Nuggets und Zwiebelmett - selbstgemacht aus Reiswaffeln.

Tja, so ist das wenn man vorher groß ankündigt, dass alles vegan ist - da wird gleich die Nase gerümpft.

Auch die Bolognese schneidet nicht schlecht ab. "Aber da fehlt was hinten raus", kritisieren die Testesser.
Ich wette, wenn die nicht gewusst hätten, dass es vegan ist, hätten sie bloß gesagt "Schmeckt irgendwie anders als sonst, aber lecker". 

Absolut fertig gemacht werden die Chips ("Schwach auf der Brust"), die Nuggets ("Schmecken nur nach Panade") und die teure Schokolade ("Wie die billige im Adventskalender"). Und mein zwiebelmettliebender Freund kann sogar was Nettes über die vegane Mettalternative sagen: "Nicht mit Mett vergleichbar. Aber sonst ein guter Brotaufstrich." Fazit der Gäste: "Es war lecker - trotzdem."
Na toll. Da wurde jetzt EINE Sorte Chips gekauft, die haben nicht geschmeckt und jetzt sind gleich alle veganen Chips doof. Das Zwiebelmett nix mit Mett zu tun hat, sondern bloß so aussieht, teile ich.
Das Fazit ist ein bisschen traurig. Zumal die Gäste jetzt für alle Zukunft eingehämmert haben, bloß nie vegane Chips oder Schokolade zu kaufen. Schmeckt ja nicht.

Und wie ist mein veganer Tag gelaufen?, frage ich mich, als ich zwischen Geschirrbergen in der Küche sitze. Mein Kopf sagt: "Das war anstrengend." Noch nie hab ich so viel über Essen und die Produkte, die ich kaufe, nachgedacht. Ich war beim Kochen und Einkaufen selten auf so viel Hilfe angewiesen wie heute. Ständig musste ich nachfragen oder recherchieren. Mein Bauch sagt: "Das war fast immer lecker." Besonders das vegane Frühstück und das selbst gekochte Essen haben geschmeckt.
Einen Tag lang irgendwas neues zu machen ist immer anstrengend...Und wenn man sich ein bisschen besser vorbereitet hätte, hätte man vlt auch nicht so viel Hilfe gebraucht. Dem Fazit hört man an, dass im Hinterkopf wohl "Was ein Glück dass der Mist endlich vorbei ist" herumgeisterte:

Fazit: eine großartige Übung, um bewusster zu leben. Aber: Morgen freue ich mich auf meinen Lieblings-Wollpulli und eine Currywurst.

Also weiterleben wie zuvor, höchstens vielleicht mal zum Frühstücken in das vegane Restaurant gehen.


Nachzulesen ist der Bericht >hier< Da gibts auch ne Fotostrecke.