Sonntag, 27. Oktober 2013

Haustierhaltung reglementieren?

Diese Tiere will der Senat in Hamburg verbieten

Am Dienstag will der Senat eine neue Verbotsliste beschließen, nach der viele Tiere nur noch mit spezieller Genehmigung gehalten werden dürfen. Tierschutzverein rechnet mit Ansturm auf Tierheime.

Hamburg. Skorpione, Hyänen und zwei Meter lange Krokodile sind als Haustiere auch heute schon vergleichsweise unbeliebt – künftig dürfen sie ohne entsprechende Genehmigung in Hamburg aber überhaupt nicht mehr gehalten werden. Nach Abendblatt-Informationen plant der Senat, am morgigen Dienstag eine neue Gefahrtier-Liste zu verabschieden, auf der fast 100 ungewöhnliche und nicht ganz ungefährliche tierische Mitbewohner aufgeführt sind.

Würgeschlangen, giftige Spinnen, Warane, Wolfshunde und Großbären landen ebenso auf der neuen Gefahrtier-Liste wie Wölfe, Pumas und Orang-Utans.

"Manche Tiere sind so gefährlich, dass man sie nicht einfach so zu Hause herumlaufen lassen sollte", begründet der SPD-Gesundheitsexperte Martin Schäfer die geplanten neuen Regeln. "In den falschen Händen werden solche Tiere schnell zur Gefährdung der Allgemeinheit."

Wer ein Gefahrtier halten will oder bereits eines besitzt, muss sich eine Genehmigung von der Behörde holen. Dafür sind unter anderem ausreichende fachliche Kenntnisse und der nötige Platz für eine sichere und artgerechte Haltung des Tieres nachzuweisen.
Tierschutzverein rechnet mit Ansturm auf Tierheime

Personen, die beispielsweise straffällig geworden sind oder an psychischen Krankheiten leiden, sollen in der Regel keine Genehmigung bekommen.

Der Hamburger Tierschutzverein rechnet für den Fall, dass die Regelung am Dienstag tatsächlich beschlossen wird, mit einem Ansturm auf Tierheime.

"Wir haben zwar keine uneingeschränkten Kapazitäten, appellieren aber an alle Tierhalter, ihr Tier auf keinen Fall auszusetzen, sondern bei uns abzugeben, so dass weder Leid für das Tier noch eine Gefahr für andere entsteht", sagt Claudia Stück vom Hamburger Tierschutzverein.

Derzeit leben etwa 99 Exoten im Tierheim an der Süderstraße. Nicht alle davon seien giftig, doch bräuchten viele natürlich spezielle Temperaturen und eine besondere Luftfeuchtigkeit, so Stück. "Da sind unsere Kapazitäten natürlich begrenzt."

Sollten durch die neue Regelung tatsächlich deutlich mehr Tiere abgegeben werden, müsse man mit der Stadt in Verhandlung treten, um gegebenenfalls neue Räumlichkeiten zu schaffen.
Quelle: abendblatt vom 21.Oktober 2013


Wieso gibts das nicht überall und mit allen Tierarten?

Antwort: Weil die Menschen es als ihr Recht ansehen, mit Tieren umzugehen wie sie lustig sind und sich in ihrer Freiheit eingeschränkt sehen, wenn nicht mehr Hinz und Kunz Meerlis und Miezis im Wohnzimmer halten darf.

Ich fände es gut, wenn nur Haustiere halten dürfte, wer genügend Platz, Zeit und Kenntnisse hat. Es ist bei Tierheimen Standard, dass Hausbesuche gemacht werden, wenn ein Tier vermittelt werden soll, und gefragt wird, wie man Zeit für das Tier hat, wer sich im Urlaub drum kümmert usw.
Natürlich ist das in der Realität (noch) nicht durchsetzbar. Wer sollte das alles kontrollieren? Und viele Tiere müssten den Tierhaltern eigentlich weggenommen werden, die Tierheime würden überquellen, was ja auch nicht Sinn der Sache ist. 

Kommentare:

  1. Oder weil es keinen was angeht wie ich meine Zeit verbringe! Kinder kriegen darf jeder wie er will. Wenn die sich liebevoll entfalten könnten, würden sie später auch richtig mit Tieren umgehen. Aber nein denken wir uns lieber noch paar hundert Verbote aus. Löst ja auch so viel Probleme - NOT.

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    1. Ich wär auch dafür, dass bei jedem "Kinderhalter" mal jmd vom Jugendamt vorbeigeht und guckt, wie vor Ort die Bedingungen sind. In anderen Ländern, z.B. Schweden, gibts das bereits. Einfach um frühzeitig festzustellen, ob es Probleme gibt, und man mit Beratung oder Hilfsangeboten unterstützen kann.
      Wie du deine Zeit verbringst, ist natürlich dir überlassen, aber ich finde sobald auch andere (in dem Fall Haustiere) betroffen sind, ist ein gewissens Maß an Einschränkung geboten.
      Ich bin kein Fan von Verboten; außerdem ist ein Verbot auch wie in dem Artikel beschrieben, nur die allerletze Maßnahme, die meisten Leute werden ja eine Genehmigung kriegen.

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  2. Leider wird nicht überall vom Tierheim vorher überprüft ob die Voraussetzungen stimmen. Wir haben unseren Kater aus dem Tierheim und Wochen später kam dann erst jemand um zu gucken ob man das Tier auch ordentlich hält (genügend Klos, ausreichend Wasser usw). Den Nachbesuch finde ich gut, keine Frage. Aber es sollte auch eine vorherige "Kontrolle" geben bevor das Tierheim einfach Leuten gegen Bezahlung Tiere mitgibt.

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    1. die Bezahlung ist ja bloß eine Schutzgebühr; und ich finde es allein schon deswegen angemessen, dass man was zahlt, weil das Tierheim die ärztlich untersucht und durchimpft.
      Eigentlich reicht ja ne "Nachkontrolle", natürlich sollte man auch vorher mal grob fragen, wie man das Tier halten kann.

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  3. Versteh mich nicht falsch, ich finde es sogar gut, dass man diese Schutzgebühr zahlt. Einmal weil man eben für ein wenig der entstandenen Kosten aufkommt (obwohl bei unserem Kater eigentlich mit der Gebühr gerade mal die Kastrationskosten für das Tierheim abgedeckt waren) und auch weil evtl dadurch manche es sich eher überlegen sich ein Tier zu holen als wenn es ihnen "hinterhergeschmissen" wird. Klar dass es schwer wird, eine "Vorkontrolle" zu machen, aber man sollte schon ein Gespräch führen um rausfinden zu können wie viel Ahnung die Person von der Haltung des Tieres hat, welches sie zu sich holt. Mir tun die Tiere halt leid, die bei Nachkontrollen in kleinen Miniwinzigkäfigen vor sich hinvegetieren ...

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  4. Ein guter Schritt in die richtige Richtung. Mir kam auch der Vergleich mit Kindern in den Kopf. Aber auch wenn ich durch meinen Job in der Jugendhilfe immer wieder Kontakt zu Eltern habe, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind, kann man das Kinderkriegen nicht verbieten. Das würde die Grundrechte der Menschen einfach verletzen, wer bestimmt denn dann, wer Kinder kriegen darf und wer nicht? Dass Krokodile nicht in den heimischen vier Wänden verloren haben, ist unumstritten und endlich gibt es dann auch eine Handhabe gegen solche Tierhalter. Zu oft werden Tiere als Prestigeobjekte benutzt.

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