Montag, 18. März 2013

mal wieder Spiegel-Online

Nach dem vieldiskutierten und mehrheitlich für schlecht befundenen Spiegel-Artikel "Die Besser-Essis" gibt es einen neuen Kolumnen-Artikel namens "Helden der Gegenwart - Verehrte Veganer!". Kleiner Auszug:
Fleischesser sind Mörder, weil sie Tiere töten. Vegetarier sind Schweine, weil sie Kühen die Milch klauen. Nur Veganer leben ethisch vertretbar - denn sie lehnen Tierprodukte komplett ab. Weswegen sie eigentlich auf das Zugfahren oder Teetrinken verzichten müssten. Oje!
Ihr Veganer könnt euch etwas auf die Stirn schreiben, das schlichtweg der Hammer ist: Ihr seid die besseren Menschen. Und somit seid Ihr der neue Pop. Ihr seid die Coolness-Sau, die durchs Zeitgeist-Dorf getrieben wird. Denn Ihr seid einfach erhaben.

Das Coole ist: Ohne dass Ihr nur ein Wort sagt, führt Ihr uns Tiernutzern unsere Unzulänglichkeit, unsere Unvollkommenheit vor Augen. Durch eure bloße Existenz. Es reicht, dass wir eurer ansichtig werden, Menschen, deretwegen kein Tier sich fürchten muss.
(...)
Einzig die Frutarier stehen auf der Leiter der Ethik über euch, wenn sie neben der Erdbeerpflanze hocken und darauf warten, dass sie eine ihrer Früchte loslässt.  
(...)
Nee, ohne Zweifel, Ihr Veganer seid die Helden der Stunde. Immer mehr Leute schließen sich euch an. Nicht nur, weil sie sehen, welche perversen Auswüchse die Lebensmittelindustrie mittlerweile angenommen hat. Sondern auch, weil Askese Halt gibt und es ein tolles Gefühl ist, auf der Seite der Guten zu stehen. 
(...)

Lustig gemeint? Veganer-Bashing? Eine Hymne an Veganer? Total übertrieben geschrieben, aber eigentlich ist es doch so: Vegan leben ist besser als vegetarisch oder ständig Fleisch essen. Heißt nicht, dass ich auf andere herabschaue, aber ich bin ja nicht aus Egoismus vegan, sondern weil ich Tieren und Umwelt nichts antun möchte.
Und dass komplett tierleidfreies leben nicht möglich ist, ist klar, aber es ist besser eine Sache nur zu 90% zu machen, als sie zu 100% überhaupt nicht zu machen. Von daher finde ich dieses anklingende "Ihr glaubt wohl ihr seid was besseres" ziemlich daneben.

Kommentare:

  1. Was ist das denn bitte ?
    Total schlecht geschrieben und einfach mal alles lächerlich gemacht???
    So kommts zumindest bei mir rüber O_o

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  2. "Das Coole ist: Ohne dass Ihr nur ein Wort sagt, führt Ihr uns Tiernutzern unsere Unzulänglichkeit, unsere Unvollkommenheit vor Augen. Durch eure bloße Existenz."

    Das finde ich "am Besten". Zeigt mal wieder, dass Veganern oft einfach irgendwas unterstellt wird. Wenn sich Menschen durch die reine Existenz eines Veganers angegriffen fühlen und daraufhin solch einen Text schreiben, wie diese Dame, dann ist das doch eigentlich ein Schuss ins eigene Knie?

    Schade, dass hier alle so über einen Kamm geschoren werden und, dass man trotz unterschiedlicher Meinung nicht akzeptieren oder anerkennen kann was andere tun. Im Artikel wird ein Klischee nach dem anderen angesprochen und mit undfreundlichen, undurchdachten Äußerungen "geschmückt".

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  3. Ich hab lange überlegt, ob sie das einfach nur lustig meinte.
    Falls es so ist ist es leider total daneben gegangen.... Der mitklingende Vorwurf überwiegt...

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  4. Besser wofür? Für die Tiere - z.B. Nutztiere, die ohne Zucht (auch für den Fleischmarkt) schon längst ausgestorben wären, wie einige Kaltblutpferde oder Bison?

    Ich empfinde es immer schwierig, eine bestimmte persönliche Grundhaltung als "besser" darzustellen. In einer idealen Welt (die es nicht gibt, ich weiß) machen sich die meisten Menschen Gedanken darum, warum sie etwas tun. Also wie sie essen, was sie tragen, welches Auto sie fahren oder was sie lesen/im TV schauen. Und immer dann, wenn man meint, sagen zu können, die Mehrheit sei ja so viel dümmer als man selbst, weil sie ja zu einem anderen Schluss gekommen ist, sollte man sich das ganze noch einmal überlegen.

    (Die eigentlich interessante Frage zu dem Artikel ist ja tatsächlich: WIESO muss Schwein in Brot und Bremsen? Mein Brot zuhause (ich wollt grad schreiben, "brems ich") back ich ohne Schwein, und das ist ganz hervorragend.)

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    1. ich glaub ob Kaltblutpferd oder Bison aussterben ist unabhängig davon wie viel Fleisch ich esse. Den das wäre dann ja eher Schwein, Huhn, Rind. Und ist Bison nicht eine Wildrasse? ich dachte das wären diese amerikanischen ur-rinder.

      ich finde es überhaupt nicht schwierig, eine bestimmte grundhaltung als "besser" darzustellen. umweltschützer, menschenrechtsaktivisten, atomkraftgegner, o.ä. leisten doch wichtige beiträge die der allgemeinheit zugute kommen. wieso sollen die nicht besser sein als jmd der rücksichtslos nur danach geht worauf er grad bock hat?

      tierprodukt MUSS nicht sein, aber manchmal hat es halt einige vorteile. und dann wirds gemacht, weil das bisschen quälerei den meisten egal ist.

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  5. Immer diese Autoren, die sich durch die bloße Existenz von Veganern angegriffen fühlen. Wahrscheinlich weil Ihnen bewusst ist, dass vegan zu leben der bessere Lebensstil ist, aber es aus irgendwelchen Gründen nicht ändern wollen. So ganz auf sich sitzen lassen möchten sie es auch nicht, dass es Menschen da draußen gibt, derren Lebensstil nachhaltiger, gesünder, leidfreier ist und somit muss man diese Menschen natürlich an den Pranger stellen. Trotzverhalten und leider Tradition.

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  6. Ich habe den Artikel tendenziell so wie Du aufgefasst und bin froh, dass Dir der hämische Unterton auch aufgefallen ist.
    Davor hatte ich z.B. gesehen, dass eine Veganerin den Artikel fröhlich auf FB gepostet hatte.
    Dabei ist ja doch recht offensichtlich, dass hier mindestens nebenbei versucht werden soll, die vegane Sache auch etwas durch den Kakao zu ziehen.
    Wenn so etwas gut gemacht wird, wäre ich sogar dafür zu haben. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, dass die TITANIC Vegansatire hinbekommt, über die ich lachen kann.
    Aber dieser SPON-Beitrag veranlasst doch eher zum Kopfschütteln.
    Dabei ist selbst im Wikipedia-Artikel zu Veganismus eine Definition zu finden, die solchen blödsinnigen Aussagen wie "Veganer dürfen ja garnicht in bremsenden Zügen fahren" vorbeugen sollte:

    „so weit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern“

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    1. es gibt schon veganer-satire über die ich lachen kann, zb http://kamelopedia.mormo.org/index.php/Veganer
      das hier fand ich auch ziemlich witzig:
      http://www.hab-hunger-muss-essen.de/index.php?id=24

      ich habe nicht den eindruck, dass der veganismus "nur so nebenbei" durch den kakao gezogen werden soll, es kommt mir wirklich wie so ein kindergartenmäßiges "ihr glaubt wohl ihr seid was besseres" vor. so als wenn einem unterstellt wird, man wär ein snob bloß weil man nicht friseuse werden will sondern germanistik studieren.
      und das mit den zugbremsen würde mich eh mal interessieren... ich halte das für so n urban myth, den irgendjmd mal rausgehauen hat und seither übernehmen es alle fröhlich ungeprüft.

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    2. Nunja, die Bremsen werden bestimmt regelmäßig eingefettet. Und dass dabei nicht darauf geachtet wird, ob Glycerin oder sonstige enthaltene Stoffe tierlichen Usprungs sind.. das kann ich mir schon gut vorstellen.
      Genauso werden die Züge aller Wahrscheinlichkeit nach mit unveganen Reinigungsmitteln gereinigt.

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  7. Na, da haben wir ihn ja endlich: Den Beweis, dass wir bessere Menschen sind!!
    Der Artikel ist doch total kindisch, das kann man ja gar nicht ernst nehmen. Aber danke fürs posten! Immer interessant, wie sich andere Leute aufregen können! ;)

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  8. Ich habe mich beim Lesen des Artikels gefragt ob die Autorin ernsthaft denkt alle Veganer würden jetzt sagen: "Boah scheiße, ich kann mit dem was ich tue niemals vollendete Perfektion erreichen, also lasse ich es besser gleich und esse von nun an wieder Tiere!"? Ob sie tatsächlich denkt alle Veganer würden vegan leben mit dem primären Ziel "besser als alle anderen" zu sein? Unglaublich, echt. Vielleicht fehlt mir für den Artikel auch nur Humor, aber ich finds einfach nur dumm so künstlich arrogant anti-vegan zu schreiben wie die gute Frau.

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    1. v.a. hat man ja keinen einfluss darauf, man ist automatisch die "coolness-sau", egal wie bescheiden und schüchtern man ist. anscheinend ist es falsch, es richtig zu machen.

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  9. Ich find den Artikel total daneben...*kopfschüttel*
    Aber wehe ein Veganer würde in der Art und Weise über Omnis schreiben...

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  10. Also ich finde den Artikel gar nicht so schlecht. Warum? Er bringt das Thema vegan mehr ins Bewusstsein und in die Normalität. Vegan galt lange als die völlig Extreme und übertriebene Steigerung des vegetarischen. Der Artikel beschreibt, das die meisten der Gäste der veganen Restaurants omnivor sind. Dasselbe gilt für das sattgrün in Düsseldorf, wie mir die Chefin letztens noch erzählte. Das alles bringt das Thema weiter voran und rückt es aus der Ecke heraus. Ich will es mal an einem guten Beispiel darstellen. In manchen Business Meetings meiner Firma wird Lunch bestellt und da ich der einzige Veggie bin auch was vegetarisches. Weil aber die omnis beim Buffet auch die gemüsespiesse essen habe ich dafür gesorgt dass bei 10 Personen min. 4 Portionen vegetarisch bestellt werden, weil ich sonst nichts abbekomme. Was ich damit sagen will ist, dass das Potential für vegetarisches essen riesig ist, ohne das jemand Vegetarier oder Veganer werden muss. Es reicht das Bewusstsein zu wecken. Und genau dass tut der Spiegel Artikel.

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    1. mir ist schleierhaft, wie der artikel vegan "in die normalität" bringen soll. veganer werden doch gerade als extremlinge, also ultraperfekte dogmatiker beschrieben, veganismus als askese und verzicht, die normale menschen nicht hinkriegen.
      gleichzeitig wird die abneigung gegen veganer geschürt, indem transportiert wird, dass veganer auf andere herabschauen würden, weil sie nicht so perfekt sind wie sie selbst.
      in dem artikel steht nirgendwo dass die meisten gäste von veganen restaurants omnivor wären.

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  11. Ich persönlich finde den Artikel einfach nur verletzend. Vorallem den Absatz in dem es darum geht, dass unsere bloße Existenz Fleischessern ihre "Unvollkommenheit" vor Augen führe.
    Auch, wenn der Artikel nicht ganz ernst gemeint ist, er ist verletzend. Und auch wenn ich jetzt teilweise verstehe, warum viele Leute erst mal seeehr skeptisch gegenüber Veganismus sind, den Grund, weshalb man so einen Artikel schreibt, verstehe ich nicht :(
    Ich meine...nur weil es möglicherweise Veganer gibt, die sich als etwas besseres fühlen, heißt das doch noch lange nicht, dass alle so sind!
    Liebe Grüße! <3

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  12. Oje, da steh ich ja jetzt ziemlich blöd da. Hab gerade bemerkt , dass es nicht um den "besser Essis" Artikel sondern um den "Helden der Gegenwart" Artikel geht. Hab ihn gerade gelesen und finde ihn ziemlich pervers. Das ist der typisch überhebliche Stil, geschrieben für eine Leserschaft die bei jeder Zeile mit dem Kopf nickt.
    However, mein Fehler. Den "besser Essis" Artikel finde ich trotzdem gut, da er den Zugang zu veganen essen erleichtert, frei nach dem Motto "du bist nicht vegan, sei trotzdem Willkommen (z.b. Im Kopps)".
    Die Gefahr dass sich eine "ab und zu mal vegan ist chic und reicht auch" Mentalität entwickelt, sehe ich natürlich auch.

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