Freitag, 16. November 2012

Neues zum Leder-Problem

Neues Futter für das vieldiskutierte Leder-Problem: In der zeit ist heute ein Artikel erschienen, der sich mit dem Thema befasst, und mit einigen Vorurteilen aufräumt, z.B. Leder wäre bloß ein Abfallprodukt und außerdem nachhaltiger als Kunstmaterlialien:
Handelt es sich bei diesem Leder um Nebenprodukte der Fleisch verarbeitenden Industrie? Lediglich zu 60 Prozent, sagt Peta. 40 Prozent der weltweiten Schlachtungen landen nicht auf dem Teller, sondern dienen einzig der Lederherstellung. Die Gleichung Leder als Abfallprodukt gilt vor allem in Indien nicht – viele Hindus essen dort kein Rindfleisch. Da sich die Lederindustrie die günstigen Lohn- und Warenkosten in Schwellenländern wie Indien zunutze macht, geht auch dort inzwischen Rentabilität vor Rinderschutz. Heilig sind die Kühe also auch in Indien längst nicht mehr, wenn der wirtschaftliche Druck und die Nachfrage aus Europa und Amerika wachsen.

Okay, da haben sie einfach nur Peta zitiert,  aber das sind ja auch im Wesentlichen die Fakten, und von den Herstellern selbst ist überhaupt nicht zu erfahren, woher die ihr Leder beziehen. Der Verband der Lederindustrie informiert noch
"Lederkleidung wird zu 99 Prozent aus dem Ausland importiert", sagt Reinhard Schneider, Geschäftsführer des VDL. Die wichtigsten Exportländer sind laut Information des VDL und des Statistischen Bundesamtes Italien, Brasilien, Polen, Österreich, Uruguay und Indien.

Den Schluss finde ich auch sehr schön:
Wenn immer mehr kleine Designer auf Nachhaltigkeit und Transparenz umstellen, wann sind dann die Großen der Branche dran? Wann kommt die Hermès Kelly-Bag nicht aus Exoten-, sondern aus veganem Leder für einen Bruchteil des bisherigen Preises in die Läden? Eine zugegeben wenig wahrscheinliche, aber sehr lebewesenfreundliche Vorstellung. 


Kommentare:

  1. Danke für den Link. Ich muss leider gestehen, dass ich einige Paar Schuhe habe, die leider aus Leder sind (sogar welche erst vor Kurzem gekauft :( . Ich bemühe mich immer alles richtig zu machen aber bei Schuhen habe ich wirklich Probleme! Es ist fast unmöglich, gute vegane Treter zu finden. Und die online Shops bieten bisher nichts hübsches an, aber verlangen Preise, die sie wohl würfeln :(

    Warum kann man so leicht Taschen und Jacken und Hosen und keine Ahnung was alles aus Lederimitat kaufen aber keine guten Schuhe? Ich war vor einer Woche in einem Geschäft und habe die Verkäuferin darum gebeten mir Schuhe zu zeigen, die ohne Leder sind (von veganen Klebstoffen will ich gar nicht anfangen!) und das einzige was sie mir anbieten konnte waren Crocs :/ oder Chucks und was bitte soll ich damit im Winter?! echt mies...

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    1. in solchen edel-schuhläden ist man da falsch. ich kenn veganer, die auf vegetarian shoes schwören - ich hab nur deswegen keine, weil ich nur noch stiefel mit reißverschluss trage, für alles andere bin ich zu faul.
      du könntest auch mal nach outdoor-schuhen/stiefeln ausschau halten, die sind wetterfest und warm, und meistens aus kunstmaterialien. jack wolfskin, tatonka o.ä. haben auch ne gute qualität.

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  2. zeilenreisende, das geht mir genauso. Ich bezahle gern was für einen guten veganen Schuh, aber die Schuhe, die ich bisher habe (Simple und Vegetarian Shoes als große Marken), bleiben einfach um Längen hinter der Qualität von Leder zurück. Daher habe ich, da ich dringend neue Halbschuhe brauchte (die trag ich im Sommerhalbjahr jeden Tag und möchte daher bei der Qualität keine Kompromisse eingehen) kaum gebrauchte Lederschuhe gekauft. Bei Stiefeletten usw., die ich nicht oft trage, werde ich auch weiterhin vegan kaufen, aber bei Schuhen, in denen ich jeden Tag teilweise mehrere Kilometer laufe, finde ich für mich mit schlechtem Gewissen leider nur den Kompromiss mit dem gebrauchten Leder :(

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    1. Komisch, ich hatte eigentlich die Erfahrung gemacht, dass Schuhe von Vegetarien Shoes eine mindestens genau so gute - wenn nicht bessere - Qualität haben als Lederschuhe in dem Preissegment. Aber gefallen tun mir da leider auch nur wenige, sodass ich mir jetzt einfach noch mal die gleichen Schuhe kaufe, nachdem die vorherigen nach zwei Jahren häufigen Tragens leider auch langsam kaputt gehen. Wobei ich sie wahrscheinlich Jahre lang tragen müsste, bis sie richtig kaputt sind, so wie ich das von Billigschuhen nach mehr oder weniger langer Zeit kenne.

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  3. Danke für's Verlinken - sehr interessanter Artikel :-) Auch wenn ich die Peta nicht sonderlich glaubwürdig finde, kann wohl niemand, der sich mit der Thematik auch nur ein Bisschen befasst hat, bestreiten, dass Leder beispielsweise häufig aus Indien kommt.

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  4. @mausflaus: ich habe Outdoorschuhe aber verdammt - ich möchte nicht irgendwie eingebildet oder eitel klingen - ich bin jung und ich möchte auch nicht wie ein Freak aussehen. Ich werde sowieso schon durch meine Lebensweise für einen gehalten. Ich möchte auch mal Stiefel mit hohem Absatz und irgendwie modischer... Ich weiß auch, dass Deichmann oft Fakeleder hat und dass diese Schuhe so ziemlich die einzigen sind, die von Qualität sogar Leder übertreffen (zumindest war es in meinem Fall so) aber manchmal findet man wirklich nichts...

    @CH: ich weiche dann oft auch aus und kaufe gebraucht...das beruhigt ein wenig mein Gewissen. Klar sollte man es nicht, aber was sollen wir sonst machen? Ich denke die Nachfrage nach Fakeleder Schuhen ist einfach zu gering. Wenn man sich die Lederjacken, Hosen etc. ansieht, so hängt zur Zeit jeder H&M, C&A und wie sie alle heißen voll mit Kunststoff und alle kaufen es. Auch bei Taschen ist es kein Problem! Ich habe einige Fakeleder Taschen, die robuster sind als alles anderen doch bei Schuhen ist es fast unmöglich.

    Vielleicht ist es genau wie mit den den Daunenjacken. Menschen bilden sich noch immer ein, Daunen seien das beste für den Winter, daher wird das Zeug auch so gut verkauft...

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  5. ich versteh dich, zeilenreisende. ich bin alles andere als eine "typische" veganerin. Ich zieh mich gern schick und modisch an. daher kaufe ich meistens kunstleder sachen (deichmann, s.oliver, esprit). ganz billiges zeug möchte ich meistens aber auch nicht, weil das nur eine saison hält. da würde ich im zweifelsfall dann auch eher zu (secondhand?)lederschuhen greifen!
    sorry, aber die veganen schuhe die es bis jetzt gibt, sind meistens echt hässlich und viel zu teuer... :(

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  6. Aber klar dürfte sein, dass die Erdölindustrie ganze Lebensräume vernichtet, oder?! Und ohne Erdöl kein Kunstleder. Somit auch hier: Tiersterben.
    Ich finde, dann doch einen guten Lederschuh, den ich immer wieder neu besohlen lassen könnte, flicken kann, der ewig hält; besser als der Plastikmist, den ich nach Monaten einfach wegwerfe.

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  7. Immer wieder vergessen wird auch dieser Punkt hier: http://www.cleankids.de/2012/03/27/ethiktest-lederschuhherstellung-sklavenarbeit-und-tierqualerei-an-der-tagesordnung/21642

    Bei der Lederherstellung, vor allem auch in Südamerika, herrschen nach wie vor feudale Bedingungen.

    Dass Lederschuhe qualitativ besser sind, kann ich so übrigens nicht unterschreiben. Ein Freund von mir ist ein relativ hohes Tier im Textilbereich und der gibt mir bei dieser Vermutung auch recht. eder wird intuitiv mit Qualität gleichgesetzt, wie auch Wolle, Seide und Co. nach seiner Aussage sind synthetische Stoffe allerdings wesentlich praktikabler - man kann ihnen mittlerweile nahezu alle in der Natur vorkommenden Eigenschaften mitgeben - nicht umsonst ist Funktionskleidung aus allem außer Naturmaterialien, aber der Verbraucher glaubt einfach an die "Natürlichkeit" und "Qualität" von Leder, entsprechend wird das nachgefragt und auch verkauft. Laut ihm mit ein Grund auf Funktionsschuhe zumindest Lederapplikationen aufzubringen.
    Ich kann aus eigener Erfahrung nicht unterschreiben, dass Lederschuhe "besser halten" oder "atmungsaktiver" sind. Ich achte seit mittlerweile 10 Jahren explizit darauf, habe in der Zeit auch viel Sport gemacht und in der Gastro gearbeitet, also durchaus hohe Ansprüche an meine Schuhe gestellt. Da meine Mutter und ich die gleiche Schuhgröße haben, habe ich ab und an mal ihre Fehlkäufe aufgetragen und auch da kann ich im Nachhinein nicht behaupten, dass die durchschnittlich länger gehalten haben, als die anderen. Ich frag mich ehrlich, was ihr alle macht dass euch angeblich nach ein paar Wochen die Schuhe von den Füßen fallen, das ist mir nicht mal mit richtigen Billigschuhen passiert (ja, auch sowas habe ich gekauft und ja, ich weiß was da dahinter steckt, ich bin da nicht sonderlich stolz drauf...)

    Die großen Klagen über das vegane Schuhangebot verstehe ich auch nicht so recht. Vor 5 Jahren mag das noch gestimmt haben, aber mit ein bisschen Flexibilität und Recherche ist mittlerweile für jeden Stil eine entsprechende Auswahl vorhanden (ich fand die Vegetarian Shoes zB nie schön, bourgeois boheme, olsenhaus, beyond skin und co dafür tatsächlich umwerfend). Sich dabei dann auf den "wenn ich nicht ausschließen kann, dass der Kleber unvegan ist, kauf ich gleich Leder"-Standpunkt zurückzuziehen finde ich dabei ein wenig befremdlich. Insgesamt klingt diese ganze Diskussion (die ja nicht nur an dieser Stelle geführt wird) für mich ein wenig so, als würde man krampfhaft versuchen sich Leder schönzureden, weils eben viel einfacher ist darauf zurückzugreifen, anstatt sich mal in die Alternativen reinzufuchsen - und die gibts mittlerweile echt zur Genüge, zwar nicht in jedem Deichmann um die Ecke und auch nicht zu den gleichen Preisen, aber zumindest im Sale kann man da auch mal was günstiges schießen.

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    1. ich seh das eigentlich auch nicht so schwarz, ich find eigentlich immer tolle schuhe :-) und auch bei lederschuhen ist mir oft irgendwann die sohle durchgelaufen, die oberfläche wurde porös, die innensohle hat sich gelöst o.ä.
      es kommt immer auf den konkreten schuh an.

      "Sich dabei dann auf den "wenn ich nicht ausschließen kann, dass der Kleber unvegan ist, kauf ich gleich Leder"-Standpunkt zurückzuziehen finde ich dabei ein wenig befremdlich."
      eben! das ist doch so als wenn man sagt "wenn das aufstrich-etikett mit kasein geklebt wurde, kann ich auch gleich wurst kaufen".

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  8. Ich bin auch der Meinung, dass man heutzutage halt lieber mal auf nen teuren veganen Schuh spart und sich nicht den Trendwellen anschließt, hauptache oft und viel neues zu haben! Ich könnte kein LEder kaufen auch second hand nicht! Ich bin leider durch mein Studium viel mit Leder in Kontakt und sträube mich als einzige bei uns damit zu arbeiten und mache immer meine extra Vurst^^.....die anderen bei mir lieben Leder....das ist immer wieder sehr traurig und anstrengend! Vllt sollte ich in die Schuhindustrie wenn so viele Veganer händeringend nach modischen qualitativ hochwertigen Alternativen suchen!

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