Dienstag, 30. Oktober 2012

die Sache mit dem "Spuren"-Aufdruck

Wie kommen "Spuren" überhaupt zustande?

Gelegentlich kommt es in der Lebensmittelproduktion zum unbeabsichtigten Eintrag von
Spuren bekannter Allergene: Wird beispielweise eine Vollmilchschokolade nach einer Nussschokolade hergestellt, können Nusspartikel in die Vollmilchschokolade übergehen. Dieser
Übergang ist von den Herstellern nicht beabsichtigt, kann aber nur mit hohem Aufwand vermieden
werden. Da jeder Hersteller für die Sicherheit seiner Produkte haftet, wird der mögliche
Eintrag von Allergenen in Lebensmitteln manchmal vorsorglich gekennzeichnet.


Gibt es einen Unterschied zwischen  "kann Spuren von .... enthalten" und "enthält Spuren von..."?

Ich habe von einem Lebensmittelchemiker folgende Antwort erhalten:
Beides ist nur ein Hinweis, dass potentiell produktionsbedingt Spuren drin sein können. Bei "enthält Spuren von..." hat der Hersteller das Produkt mal im Labor untersuchen lassen und es wurden Spuren der aufgedruckten Allergene gefunden. Das muss aber nicht heißen, dass das immer noch so ist.
Bei "kann Spuren von ... enthalten" denkt der Hersteller dass es möglich wäre, dass Verunreinigungen vorkommen, weil in der Anlage mit den Allergenen gearbeitet wird, ist aber zu faul/geizig, das untersuchen zu lassen, also sichert er sich mit dem "kann..."-Aufdruck ab.


Welche "Spuren" werden überhaupt gekennzeichnet?

 Die 14 Hauptallergene:
  • Glutenhaltige Getreide (d.h. Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut) sowie daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Krebstiere und Krebstiererzeugnisse
  • Eier und Eiererzeugnisse
  • Fisch und Fischerzeugnisse
  • Erdnüsse und Erdnusserzeugnisse
  • Soja und Sojaerzeugnisse
  • Milch und Milcherzeugnisse (einschließlich Laktose)
  • Schalenfrüchte (d.h. Mandel, Haselnuss, Walnuss, Kaschunuss, Pecannuss, Paranuss, Pistazie, Macadamianuss, Queenslandnuss) sowie daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Sellerie und Sellerieerzeugnisse
  • Senf und Senferzeugnisse
  • Sesamsamen und Sesamsamenerzeugnisse
  • Schwefeldioxid und Sulfite
  • Lupine und
  • Weichtiere (Mollusken), sowie Erzeugnisse daraus.


Also für mich ist beides akzeptabel. Zum einen bliebe sonst nicht mehr viel übrig, zum anderen glaube ich nicht, dass man damit viel bewirken würde. Selbst wenn man nur noch Produkte ohne Tierprodukt-Spuren kauft, heißt das ja nicht, dass der Hersteller nicht auch Tierprodukte produzieren würde - er macht das dann halt bloß in einer anderen Betriebsstätte. Zudem ist beim Fehlen des Aufdrucks ja noch lange nicht gesagt, dass das vermeintlich spurenfreie Produkt nicht doch welche enthält; denn gekennzeichnet werden müssen nur die Allergene - und da gehört z.B. Fleisch nicht dazu.

Diese Spuren sind mir aber doch lieber :-)

Kommentare:

  1. Toll, dass du sogar einen Artikal darüber geschrieben hast :-)
    Ich dachte schon, "Enthält Spuren von..." bezieht sich vielleicht auf Produkte, die kleine Mengen an tierischen Inhaltsstoffen enthalten, die nicht deklariert werden müssen. Aber wenn das so ist, kann ich ja weiterhin Produkte kaufen, auf denen sich dieser Allergikerhinweis befindet ;)
    Unsere Ansichten zu den Spuren scheinen sehr ähnlich zu sein :)

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  2. Ich schaue oft einfach auf die Allergikerhinweise. Wenn da steht "Kann Spuren von Milch und Ei enthalten" weiß ich ja, dass sie nicht in der Zutaten sind und ich brauche nicht unnötig lange Zutatenlisten lesen :-)

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  3. Ich sehe das genauso wie Anna. Für mich sind solche Hinweise wie ein inoffizielles Veganlabel :)

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