Samstag, 1. September 2012

Bauernhof-Idylle auf Wurst

Ich finde vieles, was so als "Verbrauchertäuschung" hochskandalisiert wird wie Analogkäse oder nicht genug Fleisch in Babynahrung eher lächerlich, aber die aktuelle Kritik der Verbraucherzentrale Hamburg kann ich nur voll und ganz unterschreiben:

Auf den meisten Fleisch- und Wurstverpackungen ist eine Bauernhof-Idylle dargestellt. Grüne Wiesen, hübsche Fachwerkhäuschen, traditionelle Mühlen und viele Bäume sind die beliebten Motive. Die Gestaltung ist irreführend, da die Realität der Tierhaltung zumeist anders aussieht. Doch konkrete Hinweise zur Herkunft des Fleisches fehlen auf den Verpackungen oder sind nur lückenhaft vorhanden.

18 Etiketten von ausgewählten Fleisch-und Wurstprodukten hat die VZB Hamburg untersucht, Herkunftsangaben recherchiert und beides miteinander verglichen.

Das ist auch echt gut gemacht, die Forderungen der VZB sind dann allerdings nicht mehr so nach meinem Geschmack:
Massenhaftes Leiden gehört zum schlimmen Alltag unserer Nutztiere. Eine Neuausrichtung der Tierhaltung ist längst überfällig. Denn: Vielen Verbrauchern liegt das Wohl der Tiere sehr am Herzen. Sie wollen sich nicht länger mit bunten Bildern einer heilen Welt abspeisen lassen, sondern möchten wissen, ob sie tatsächlich Fleisch aus tiergerechter Erzeugung kaufen. Aber gerade hier tappt man oft im Dunkeln.
Ökologisch gehaltene Tiere stellen mit 1,1 Prozent des Fleisch- und Wurstverkaufes noch immer einen Nischenmarkt dar. Auch die idyllische Bild- und Wortwelt herkömmlicher Fleisch- und Wurstangebote verhindert, dass sich ein Marktsegment mit tierschutzfreundlicheren Erzeugnissen entwickeln kann. Denn auf den Verpackungen steht nicht, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten beziehungsweise verarbeitet werden. Man kann seinen Konsum nicht entsprechend ausrichten. Wie bei Eiern sollte auch bei Fleischprodukten die Haltungsform auf den Verpackungen gekennzeichnet werden. Beim Eiermarkt haben sich Verbraucher in den letzten Jahren eindeutig für eine tiergerechtere Haltung entscheiden.

Ok, die Forderung "es sollte gar keine Fleischwaren mehr geben" ist wohl echt zu viel. Dass der Verbraucher sich bei Eiern aber "eindeutig" entschieden hat, sehe ich nicht, denn Bio-Eier wurde hauptsächlich aufgrund des Dioxin-Skandals vermehrt gekauft, und Bodenhaltungs-Eier verkaufen sich immer noch gut, obwohl die kaum besser sind als Käfig-Eier.

Statt "Essen Sie weniger Fleisch! Es ist ungesund, belastet die Umwelt, es müssen Tiere dafür getötet werden und verschwendet Ressourcen" gibts 8 Tipps für den Einkauf, die aber eigentlich nur einer sind, nämlich Bio-Fleisch zu kaufen.

Kommentare:

  1. Ganz ehrlich, ich find das nicht schwer, von der Wurst-Verpackung auf die Lebensbedingungen der Tiere zu schließen.
    Mein Freund isst manchmal ganz gerne die eine oder andere Scheibe Wurst, sodass ich durch aus ab und zu Fleisch kaufe.
    Wurst von Marken und Eigenmarken = ganz böse Lebensbedingungen der Tiere.
    Wurst mir Biosiegel = böse Lebensbedingungen.

    Wer den glücklich grasenden Kühen auf der Verpackung traut... Ich weiß ja nicht,

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  2. Ganz ehrlich, der Bürger wird doch nur noch verar***. Abgesehen von den Wurstverpackungen.... Dieser Konsum ist so schrecklich, wenn man erst einmal anfängt darüber nachzudenken.
    Man wird doch nur noch dumm gehalten *aufreg*

    Es gibt da jetzt wohl auch so ein neues Projekt, wo das ein Foto des Tieres auf dem Wurstglas abgebildet ist, in dem sein Fleisch steckt... >.< Und im Internet kann man dann seine Lebensgeschichte nachlesen.
    Yeah... -.-

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  3. Die grünen Wiesen auf Milchpackungen und in der Milchwerbung regen mich am meisten auf, weil das viele Leute wirklich zu glauben scheinen :-/

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