Sonntag, 12. August 2012

Skandale die irgendwie keine sind

Ein Skandal bezeichnet ein Aufsehen erregendes Ärgernis und die damit zusammenhängenden Ereignisse oder Verhaltensweisen. Besonders gut sind Skandale, bei denen der (vermeintlich) Schuldige feststeht.
Im Moment regen sich ja angeführt von PETA alle furchtbar darüber auf, dass Wiesenhof vielleicht der neue Sponsor von Werder Bremen wird. Ich verstehe die Aufregegung ehrlich gesagt nicht so ganz; im Sport gibt es doch alle möglichen verwerflichen Sponsoren und die Vereine suchen sich die nicht nach ethischen Erwägungen aus, sondern nehmen den der am meisten bezahlt. Werder hatte davor KIK als Sponsor, und die bisherigen Fußball-WMs wurden u.a. von Coca Cola und McDonalds gesponsort - ist McDonalds denn einen Deut besser als Wiesenhof? Oder die Partnerschaft des DFB mit Ferrero, in deren Rahmen Nutella in Werbespots mit Star-Fußballern als Sportmahlzeit beworben wird.

Wiesenhof ist der neue Schandfleck, auf den man mit gerümpfter Nase zeigen kann. Dabei ist das ganz normale Massentierhaltung - ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn man sich die Betriebe, in denen die Milch für Nutella oder das Fleisch für McDonalds produziert wird, anschaut; da auch nicht viel andere Verhältnisse vorfindet.
Ich finds zwar gut, wenn man ethische Gesichtspunkte nicht außer Acht lässt; aber ich finde es eine scheinheilige Hexenjagd, Wiesenhof anzuprangern; ansonsten aber weiterzumachen wie bisher.
V.a. hat der Wiesenhofskandal ja nichts bewirkt - der eigentliche Skandal ist, dass die Leute fröhlich weiter das billige Wiesenhoffleisch kaufen - wäre es anders, wäre das Unternehmen längst pleite. Der NDR hat es schön zusammengefasst:
Wiesenhof-Sprecher Schröter bestätigte im Gespräch mit NDR.de, dass das Image der Marke Wiesenhof, die zur PHW-Gruppe gehört, in den vergangenen Jahren sehr gelitten hat. Mit Werder Bremen als Partner will der Konzern das nun offenbar ändern. Nur funktioniert der angestrebte Image-Wandel bisher lediglich in die andere Richtung. Aber es steht nicht zu befürchten, dass Werder in der kommenden Saison vor leeren Rängen spielen wird, und ob der Trikot-Verkauf mit dem "Wiesenhof-Huhn" auf der Brust einbricht, muss sich noch erweisen. Denn auch Wiesenhof selbst hat, wie Schröter betonte, zwar ein Negativ-Image, aber die Umsatzzahlen seien gleichgeblieben - ein Zeichen hoher Kundenakzeptanz, schließt daraus das Unternehmen.
Was der Deal auch wenig überraschend zeigt, ist, dass die Millionen eines Hauptsponsors im Geschäft Fußball mehr zählen, als ein paar Tausend Fans, die den Geldgeber aus moralischen Gründen ablehnen.



Auch der „Organspendeskandal“ ist in meinen Augen keiner. Das heißt doch; ich finde es einen Skandal, dass es immer noch so wenige Organspender gibt und deswegen Menschen sterben müssen. Aber in welcher Reihenfolge die Organe verteilt werden… Klar ist es sinnvoller, Organe nach Dringlichkeit zu vergeben. Aber JEDER der auf der Liste steht, braucht ein neues Organ; es ist nicht so, dass sich jmd ne neue Leber einpflanzen lässt, damit er mehr saufen kann. Und ich kann auch nen Arzt verstehen, der einen schwer kranken Menschen vor sich hat; und es nicht über sich bringt; denjenigen weiter leiden zu lassen, indem er ihn auf „bräuchte zwar eine neue Niere, er kann aber auch noch 2 Jahre täglich zur Dialyse gehen ohne dass er stirbt“ setzt. Kann sein, dass da auch finanzielle Interessen reinspielen, glaube ich aber weniger.
Ich finde es ekelhaft, wie da Neid und Missgunst zur Schau gestellt wird "Nein, also wenn mein Organ möglicherweise bloß an einen Kranken und nicht an einen Sterbenskranken gegeben wird, dann soll es lieber gar keiner kriegen".
Wenn jeder einen Organspendeausweis hätte, dann gäbe es genug Organe und das Problem würde sich gar nicht stellen.
Das geht in der ganzen Diskussion leider unter.

Wer noch keinen Organspendeausweis hat, kann ihn sich hier kostenlos bestellen bzw. herunterladen und am PC ausfüllen.


So, das war mein Wort zum Sonntag :-) 

Kommentare:

  1. >>Wenn jeder einen Organspendeausweis hätte, dann gäbe es genug Organe und das Problem würde sich gar nicht stellen.

    Glaube ich angesichts der Zahlen trotzdem nicht: In Österreich haben wir die Widerspruchsregelung und laut Internet sind abzüglich des Widerspruchsregisters 99,75 % der Bevölkerung potentielle Organspender - und trotzdem fehlt es jedes Jahr deutlich an Organen.

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  2. Na klar ist das heuchlerisch Wiesenhof anzuprangern und trotzdem weiter so einzukaufen, da gebe ich dir recht. Ich frage mich ja auch, ob die ganzen protestierenden Fans Vegetarier sind? Erst protestieren und dann gibt's die leckere Stadionwurst :( Trotzdem finde ich das gut, dass Wiesenhof stellvertretend für die ganze Branche nicht aus den Schlagzeilen kommt :-P So erfährt wenigstens auch der Letzte, das die sich mal eben umbenennen wollen. Ich befürchte allerdings, dass auch das nach 3 Spielen wieder in Vergessenheit gerät ...

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  3. Danke, Mausflaus. :) So ist es.
    Besten Gruß
    Erbse

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  4. Bemerkenswert ist, dass es mittlerweile bei Verbrauchern angekommen ist was für einen Dreck Wiesenhof produziert und sich einen solchen Marketingschachzug leisten muss. Die Tatsache dass es Proteste dagegen gibt und kaum Befürworter (außer wiesenhof und der Werder Manager) spricht dafür daß die Fakten längst bei den Menschen angekommen sind, auch wenn die meisten noch keine Konsequenzen daraus ziehen, wie der stabile Absatz zeigt.
    Aber vielleicht erkennt auch ja der werder vorstand diese negative image und auch Kerner irgendwann daß gutfried Wurst vielleicht doch nicht so gut für ihn ist;-) und alle Berater raten ihren Promis von Fleischwerbung ab.

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  5. Hi Mausflaus,

    vielen Dank für deinen Blog und diesen Beitrag.

    Ob Wiesenhof "schlimmer"/"besser" als andere Tierfabrikbetreiber ist, weiß ich nicht.

    Definitiv ist aber Wiesenhof ein Teil des Skandals "Tierhaltung".

    Wer darauf aufmerksam machen will ist gut beraten, nicht einfach zu sagen, Tierhaltung ist schlecht, sondern sich gezielt Punkte rauszusuchen und diese in den Fokus zu stellen.

    Es gibt Werbung, bei denen sich mehrere Unternehmen zusammenschließen um für eine Branche/eine Produktart aufmerksam zu machen, ohne unmittelbar für ihr jeweils eigenes Produkt zu werben.

    Das ganze funktioniert aber auch andersherum, kritisiere einen, kritisierst du alle (das System). Oder wie Sebastian Krämer formuliert hat: "Triffst du einen, triffst du alle". (http://www.youtube.com/watch?v=6GXPtQQ3GKk)

    Organspendeskandel ist m.E. ebenfalls ein Skandal, denn es kann doch nicht sein, dass ein Arzt seine Patienten auf dem Papier kranker macht als sie tatsächlich sind, um ihnen so einen Vorteil zu verschaffen, bzw. möglicherweise ihnen das Leben auf Kosten anderer Menschen rettet, welche möglicherweise noch leben könnten.

    Der Vorwurf der "finanziellen Interessen" ist lt. Wikiartikel de.wikipedia.org/wiki/Göttinger_Organspende-Skandal nicht ausgeräumt...

    Von einem Besitzer eines Organspendeausweises

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    1. "Wer darauf aufmerksam machen will ist gut beraten, nicht einfach zu sagen, Tierhaltung ist schlecht,..." Warum nicht?
      Meine Idee: Weil die Leute es nicht hören wollen und man damit keine positive Aufmerksamkeit für sich selbst (aka Spenden) generieren kann.

      "kritisiere einen, kritisierst du alle" - nein, wenn man das nicht überaus klar kommuniziert und belegt warum alle anderen auch nicht besser sind, trifft man einen. Und im Falle Wiesenhof anscheinend nichtmal den so richtig, denn sonst wär der Umsatz seit langem massiv eingebrochen. Hier wird ein Sündenbock gemacht, die Mitschuld der Verbraucher wird nicht mit in den Fokus genommen, und schon gar nicht das komplette System.

      Eine Menge Leute unterschreiben irgendeine Petition (man muss doch was tun!) und kaufen in den darauffolgenden 72 Stunden kein WIESENHOF- sondern ein LANDGUT-Hähnchen (oder sogar mal Bio!!1!), und dann legt sich der Wind wieder.

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  6. Ich finde, es ist ganz schön heftig, dass jemand der theoretisch quasi noch zwei Jahre zur Dialyse gehen kann, eher ein Organ bekommt, als der derjenige, der vielleicht nicht mehr ganz soviel Zeit hat...

    In dem besonderen Fall, war es sogar ein Rentner und ja, ich meine, dass ein älterer Mensch auf jeden Fall weniger Recht hat auf ein lebensnotwendiges Organ, als ein jüngerer Mensch. Würde einer meiner Liebsten noch weiter zur Dialyse gehen, nur weil so ein gewissenloser, alter Sack die entsprechende Kohle hat, na, dem würde ich aber was husten. Ist schließlich kein Spaziergang. Ganz zu schweigen von der fortwährenden Angst die man hat während der Wartezeit. S**ß auf Dialyse, was wenn es zu spät ist? Er aber noch leben könnte, während so ein alter skrupelloser Sack auf sein neues Organ mit einem Gläschen Rotwein auf seiner Terrasse in der Toskana (wie komme ich denn darauf?!)anstößt? Nee, da wird mir richtig übel.

    Diese Liste macht schon Sinn! Deine Gedanken bzgl. der finanziellen Interessen in allen Ehren, aber das sehe ich eher als Hauptmotiv. Die Welt ist schlecht ;-(

    Was den Organspendeausweis angeht, finde ich das System in den Niederlanden (?) besser. Dort ist jeder erstmal Organspender und kann aber widersprechen, wenn er das nicht möchte. So hat man auf jeden Fall auch die ganzen Deppen, die sich um sowas gar keine Gedanken machen und es auch nicht schaffen zu widersprechen, schon mal quasi auf den OP-Tisch. Finde ich gut, sollte man hier auch einführen.

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    1. soweit ich weiß ist alter kein kriterium, wo man auf der warteliste steht, nur eine "gesundheitsprognose", d.h. lebenshaltung und stand der krankheit. ich fände es ziemlich fies, da älteren leuten jede hoffnung auf besserung zu nehmen.

      ob da geld im spiel war, ist doch noch gar nicht raus. warts doch erstmal ab, was die ermittlungen ergeben - ich hab schon öfter erlebt, dass ärzte nicht ganz legale sachen machen, nur um ihren patienten zu helfen (zb was anders abrechnen, atteste schreiben ohne dass man richtig krank ist...).

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