Freitag, 20. April 2012

vegan-Experiment: was soll man dazu noch sagen?

Ich glaube, Thomas vom Campus-Magazin hat mit seinem vegan-Experiment von allen jämmerlichen vegan-Experimenten das jämmerlichste hingelegt. Allein schon wenn ich die Einleitung lese:
Ich war bewusst völlig unvorbereitet, als ich am Montag mein kleines Experiment beginne und mit hängendem Magen den Kühlschrank öffne. Breit lächeln mich Aufschnitt, französischer Weichkäse und Lachs an. Marmelade und Honig streiten um meine Aufmerksamkeit, während verheißungsvoll das Müsli aus der Tupperware linst. Ich werde nichts davon essen können. Nicht eine dieser Köstlichkeiten ist vegan – außer dem Müsli, nur bräuchte ich dazu Sojamilch. Ich nehme mir ernüchtert einen Apfel und eine Scheibe Brot mit pflanzlicher Margarine.
Ich hab jetzt schon keinen Bock mehr und schenke mir Traubensaft ein. Obwohl das Projekt erst eine Stunde alt ist, wäre ich hier fast in die Falle getappt. Traubensaft ist in der Regel nicht vegan.
Dann folgt das übliche Gejammer: Zutatenlisten lesen ist anstrengend, Chips sind wider erwarten nicht vegan, und überhaupt ist fast überall Tier drin. Da ist das Fazit dann auch nicht so überraschend
Veganismus ist (zumindest unvorbereitet) hart.

Kommentare:

  1. Vielleicht meldet sich dann wieder einer hier, der meint das Experiment sei ein Scherz gewesen um die "unmöglichen Reaktionen" der Veganer darzustellen.

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  2. Wenn man völlig unvorbereitet und leidenschaftslos mit einem Kühlschrank voller Tierprodukte in ein Vegan-Experiment startet, wundert mich gar nichts. Und er gegen Ende seines Experiments tatsächlich etwas Energie in das Entdecken neuer pflanzlicher Produkte steckt, ist ja anscheinend alles auch gar nicht mehr sooo schlimm. Aber Gottseidank ist es ja bald wieder vorbei. Ich stell mir allerdings die Frage, warum er das Ganze dann überhaupt machen musste - in seinem Artikel wird kein Grund genannt. Wohl nichts anderes zum Schreiben gehabt, dann einfach mal auf den "Trend" Vegan-Experiment aufgesprungen?

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    1. Wird wohl so sein. Vielleicht einfach keine andere Idee für einen Artikel gehabt. Ich kann ja mal ein Omnivoren-Experiment machen. Aber: oh Schreck, nur Hafermilch, Sojafleisch und Gemüse in meinem Kühlschrank. Mann, ganz schön kompliziert, das Omni-Leben!

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    2. YMMD! :D
      Ich muss immer noch lachen :D

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  3. Der Artikel ist doch völlig in Ordnung. Und sogar positiv. Weiß gar nicht, was ihr habt.

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    1. es ist halt dieses "ich probier was aus, hab aber keine ahnung und auch keine lust mich zu informieren". wie homeveganer schon schrieb, es ist ungefähr so wie wenn ne couchpotatoe marathon laufen will, aber merkt, dass man gar keine sportschuhe hat, und dann in sandalen nach 2km sagt "joggen ist totaaaal anstrengend, man kriegt blasen und es macht auch überhaupt keinen spaß".
      und so positiv find ich den bericht eigentlich nicht. es bleibt das übliche "vegan ist anstrengend". schade finde ich auch, dass er kein bisschen über die beweggründe vom veganismus schreibt.

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    2. Ja, und nein., Wir bemängeln ja nur, dass er der Sache nicht von Anfang an eine echte Chance gegeben hat. Sich nicht informiert hat. So wirkt es eben wie ein armseliger Pseudo-Versuch.

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  4. Also, bald wundert mich echt gar nichts mehr.
    Der Typ hat keinen blassen Schimmer und denkt, er wüsste, wie Veganer_innen leben, wenn er mal zwei Wochen mehr oder weniger vegan isst. Oh ja, der hat sogar so viel Ahnung davon, dass er nach dem "Experiment" erst mal ein Steak essen muss.

    Erinnert mich sehr an das Experiment von Jörg Pilawa, der für eine Woche ohne Handy und Internet gelebt hat. Solche Leute sind echt meine Helden! :D ... nicht.

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  5. wieso denn marmelade nicht...? ?_?

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    1. in industrie-marmeladen sind manchmal e-stoffe und aromen mit tierischen bestandteilen.

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    2. Krass, das war mir auch neu! Die Frage schoss mir nämlich auch sofort durch den Kopf.
      Wie gut, dass wir immer nur selbstgemachte Marmelade haben, daran hätte ich im Leben nicht gedacht. Wobei... wo die überall tierische Produkte reinmischen, wundert mich bald gar nichts mehr.

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    3. Wow, das habe ich noch nie gesehen. Und ich kaufe schon ab und zu einfach nur "Industriemarmelade". Außer Frucht, Pektin und Zucker ist da nie was drin. Da hat der Herr mit seinem unvorbereiteten Selbstversuch scheinbar extrem danebengegriffen.

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  6. Zitat: "Fazit: Veganismus ist (zumindest unvorbereitet) hart." Na klar, was sonst. Ohne Wissen am Auto eine Zylinderkopfdichtung wechseln ist auch hart und noch härter ist es, unvorbereitet einen Marathon zu laufen. Was soll das immer??? Irgendwann mache ich auch mal ein sinnloses Experiment ... völlig unvorbereitet natürlich :-)

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    1. ich hatte erst überlegt, ob er statt "unvorbereitet" nicht "unvoreingenommen" meinte, aber bei nem studenten der für ein magazin schreibt, wird man wohl voraussetzen können, dass er den unterschied kennt.

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  7. Tja, man kann von den Menschen einfach nichts erwarten... traurig sowas. Vor allem hat er angeblich die Veganer nach Gesprächen etwas mehr verstanden, aber belohnt sich dafür anschließend mit einem Schnitzel. Was beweist, daß er rein GARNICHTS verstanden hat...
    Liebe Grüße
    Iris

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    1. ich kanns schon verstehen, dass jmd nach 2wöchiger abstinenz wieder bock auf "was richtiges" hat. tierprodukte sind schon lecker, und gerade am anfang, wo man noch genau weiß wie alles schmeckt, sind die gelüste größer, irgendwann gewöhnt man sich dran, dass man halt nicht mehr alles essen kann/darf/will.
      zumal er sich anscheinend auch nicht mit den beweggründen des veganismus auseinandergesetzt hat, sondern nur damit, welche sandwiches bei subway vegan sind, und welcher brotaufstrich gut schmeckt.

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    2. Ich glaube, dass es auch daran liegt, dass man von vornerein sagt, dass die vegane Zeit begrenzt ist. Wenn man schon so rangeht "...naja mal schauen ob ich das kann" ganz ohne sich bewusst für eine Lebensstiländerung aufgrund von Gründen zu entscheiden, dann ist es nur "natürlich" dass man hinterher wieder lebt wie vorher. Die Motivation ist eben allein die, dass man einen Test macht, sich selbst was beweisen will oder einfach Langeweile hat, nicht! dass Tiere schützenswert sind etc.

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  8. Nicht vorbereitet sein für so eine Umstellung ist eine Sache, aber ich finde es nicht förderlich, dass du hier sooo negativ über sein Experiment schreibst.
    Es "jämmerlich" zu nennen, finde ich wirklich arg respektlos und ich frage mich auch ganz ehrlich, was das überhaupt soll?!

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    1. also wenn jemand etwas schlecht macht, werd ich doch sagen dürfen, dass er das schlecht macht. ich hab völliges verständnis für doofheit, aber wenn man sich einfach keine mühe gibt, seh ich kein grund da großzügig drüber hinwegzusehen.
      "jämmerlich" hat die bedeutung "sehr schlecht, negativ bis hin zu Mitleid erzeugend" und das triffts ziemlich gut. sich GAR NICHT vorzubereiten ist seeeehr schlecht, und wenn der typ dann mit knurrendem magen vorm kühlschrank steht, dann tut er mir schon ein bisschen leid.
      was das soll? es interessiert mich, was andere über veganismus denken und wie sie ihn erleben. deshalb lese ich vegane blogs, und auch solche experimente.

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    2. Na klar darfst du schreiben, was du willst- es ist ja schließlich dein Blog.
      Konstruktive Kritik wäre aus meiner Sicht einfach angebrachter als das.
      Du hast mich missverstanden: ich meinte, was es solle, dass du ihn so nieder machst; nicht, warum du solche Experimente verfolgst.

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    3. Danke, Michaela. Du kannst es besser ausdrücken als ich.

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  9. Mich wundert dieses "bewusst" vor dem wort unvorbereitet. Das ist ja wohl keine große Überraschung, wenn man bewusst nicht einkaufen geht und dann bewusst nix zu mampfen hat oder?

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  10. Hab auch mal einen Kommentar unter dem Artikel hinterlassen.

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  11. Ich mach demnächst mal ein "Rohkostexperiment" und der erste Satz, den ich dazu schreibe wird sein: "Erster Tag meines Rohkostexperiments, ich stapfe morgens zum Kühlschrank und stelle fest, dass darin nur Brot, Margarine, Marmelade und Tofu liegen. Das ist alles nicht roh; auch mein Vorratsschrank enttäuscht mich: Nudeln, Reis, viel mehr findet sich da nicht. Nach kurzer Internetrecherche stelle ich fest, dass der Topf Basilikum, der auf meinem Fensterbrett vor sich hinwelkt, roh ist. Ich esse ein paar Blätter und finde jetzt schon: roh ist nervig und anstregend, Genuss geht anders."

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  12. Hallo Mausflaus,

    ich finds schön, daß du eine Diskussion zu einem unserer Artikel entfacht hast. Für Verbesserungswünsche sind wir immer offen. Aber statt

    Thomas vom Campus-Magazin

    müßte es eher

    Thomas von uniVista, dem Campusmagazin Vechta

    heißen. ;-)

    Achja, das Experiment ist in unserer Rubrik X-Treme erschienen, die nicht immer ernst zu nehmen ist ;-)

    Aber in diesem Kontext interessiert dich vielleicht auch besonders Müsli der Erleuchtung -
    Eine bewußte Wandlung vom Vegetarier zum Veganer
    wie auch alle anderen Artikel in dieser Ausgabe zum Thema Veganismus.

    Gruß,
    Alex

    * uniVista - Campusmagazin Vechta

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  13. :D Ich hab mich zwar vorher informiert, trotzdem hat in den ersten zwei Wochen einfach alles richtig schlecht geschmeckt, was ich gekocht habe. Ist jetzt zum Glück anders.
    Zum Glück ist der Artikel nicht ganz ernst gemeint und hat am Ende nochmal die Kurve gekriegt ;)

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    1. Ich finde es echt etwas einseitig, wie ihr hier alle argumentiert. Ich bin selbst vor etwa einem Jahr recht ähnlich an die Sache ran gegangen, also auch eher spontan, da ich vorher eine komplette Umsetellung immer wieder vor mir her geschoben habe. Zudem hat sich Thomas weitaus mehr Gedanken gemacht, als man so auf den ersten Blick, und nachdem, was man hier lesen kann, glauben würde.
      Es sei ausßerdem gesagt, dass der Artikel bzw. das dahinter stehende Experiment, gerade so viele Omnis zum Nachdenken angeregt hat, und das ist es doch, was uns freuen sollte. Der Artikel richtet sich nicht an uns Veganer, sondern eben an die, die es (noch) nicht sind. Und ich kann sagen, dass es gerade da gut an kam. Also verbreitet nicht den schlechten Ruf als unaustehlichen und miesgelaunten Veganer, sondern freut euch über jeden Artikel, der sich mit dem Thema beschäftigt. Das ist doch nur gut für uns!
      Liebe Grüße, Caro

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    2. @Caro
      ich sag ja nix dagegen, dass jmd das erstmal nur testet, bei mir wars am anfang auch eher ein "ich probiers mal, und wenns einigermaßen klappt bleib ich dabei". spontan rangehen; von mir aus, aber die allermeisten sachen gehen halt nicht von anfang an gut.
      ob der artikel wirklich so viele omnis "angeregt" hat? er ist ganz unterhaltsam zu lesen, aber ich finde nicht, dass er motiviert, es selbst auszuprobieren. woher weißt du denn wie der artikel ankam, es sind ja online keine kommentare diesbezüglich. und ich glaube nicht, dass die leser jetzt ein positiveres bild vom veganismus haben -was rüberkommt ist doch, dass vegan entbehrungsreich, kompliziert und anstrengend ist.
      ich bin vielleicht ein bisschen unausstehlich, aber nicht miesgelaunt ;-) ich freu mich ja auch wenn veganismus thematisiert wird, aber ich ärger mich halt, wenn so eine gute chance vertan wird, vorurteile abzubauen und ein positives bild zu vermitteln, nur weil der autor faul und naiv war.

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    3. Caro konnte direkt die Meinungen vor Ort einsammeln. Die uniVista erscheint bei uns in der Uni ja auch als gedruckte Version ;)

      Alex

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    4. jap, sozusagen direkt an der Front ;)

      Ich kann das beurteilen, weil ich mit vielen der Leser persönlich gesprochen habe. Und glaubt mir, das kam an unserer Uni gut an, und ich habe bisher nur positive Gedanken bezüglich Veganismus zu Ohren bekommen.
      Caro

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  14. Liebe Blogleser,
    Nach der Lektüre eurer Kommentare habe ich den Eindruck, dass einige Prämissen meines Artikels nicht vollständig rüberkamen.
    Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich Veganismus im höchsten Maße respektiere und den vaganen Lebensstil absolut wertschätze.

    Die Idee des Artikels war, als Omni "übernacht" Veganismus auszuprobieren, um deutlich zu machen, wie sehr der durschnittliche nicht-Veganer sich mit Tierprodukten umgibt. "Unvorbereitet" bezog sich dabei auf die im Vorfeld besorgten Einkäufe. Das ist hier nicht mit "uninformiert" gleichzussetzten! Natürlich habe ich mich ziemlich umfassend zu dem Thema informiert und so gut ich es hinbekommen habe, versucht mich tierfrei zu ernähren. Das ich über die "künstlichen Aromen" gestolpert bin, war für mich umso mehr eine Überraschung- eben obwohl ich mich informiert habe.
    Ihr müsst bitte bedenken, dass der Artikel sich hauptsächlich an Omnis richtet und -wie erwähnt- auch eine humoristische Note haben sollte, statt einen bier-ernsten Diskurs über das Für und Wider der tierfreien Ernährung zu liefern(unterstützend gab es daher ja noch weitere Artikel in dem Magazin).

    Dann gab es noch das Thema Marmelade: wie Flauschmaus schon erwähnt hat, ist Marmelade NICHT automatisch vegan(E-Zusätze etc. oder bei selbstgemachter Marmelade sogar Gelantine).Das aber nur am Rande. Mal ganz davon ab, ist das im Rahmen der Diskussion eine ziemliche Kleinigkeit, an der nach meiner Wahrnehmung, einige nur einen weiteren Anker für ihre Kritik gesucht haben.

    Mir vorzuwerfen, ich hätte mich nicht mit den Gründen zu veganen Leben auseinander gesetzt finde ich dahingehend unangebracht, das der Aritkel im VERBUND mit anderen Artikeln zum Thema geschrieben wurde, welche diesen Gesichtspunkt ausreichend behandeln. Ich kann auf zwei Seiten nicht auch noch die vielfältigen moralischen, ethischen, gesundheitlichen und ökologischen Vorteile des Veganismus behandeln, wenn der Fokus bei dem "Experiment" bleiben soll. Da bitte ich um Verständnis.

    Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass scheinbar der gesamte Grund-Tenor des Textes bei vielen von Euch nicht richtig rüber kam. Ich Gegensatz zur Wahrnehmung vieler Kommentartoren, habe ich insbesondere im zweiten Teil des Artikels doch durchaus dargestellt, dass es sich lohnt mit dem Thema auseinander zu setzten.Ich habe nichts beschönigt, aber eben auch versucht die positiven Aspekte zu betonen und dabei obejetiv zu bleiben. Viele Gerichte und "Ersatz"-Produkte sind ja absolut empfehlenswert und lecker- eben auch für Omnis, an die sich der Artikel nun mal in der Mehrheit gerichtet hat.

    Ziel war es ein bewusstsein dafür zu schaffen wie stark sich der gemeine Omni mit Tierprodukten umgibt(/ unnötig abhängig macht), und nicht das übliche Veganer-Bashing, was einige scheinbar reflexartig rauszulesen glaubten.Ich hatte den Eindruck, dass wir dahingehend eigentlich in eine gemeinsame Kerbe schlagen-war das falsch?

    Und ganz ehrlich: Das ich nach den zwei Wochen wieder Fleisch gegessen habe, zeigt nicht, dass ich "nichts verstanden habe", sondern dass ich eine persönliche Entscheidung getroffen habe, Omni zu bleibe. Für die könnt ihr mich gerne verurteilen und kritisieren.
    Aber ich hoffe,dass ich Einiges zur Idee und Umsetzung des Artikels erklären und ergänzen konnte.

    Thomas von Univista

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    1. Hallo Thomas,

      ich habe den Artikel letztens durchgelesen, als der Link noch funktionierte. Aktuell scheint er ja nicht mehr abrufbar zu sein.
      Ich bin wirklich sofort über die Marmelade im Text gestolpert, ohne etwas böses zu wollen. Bei den anderen Produkten ist mir ja selbst klar, dass sie Tierleid enthalten. Da ich aber regelmäßig Marmelade esse war ich sofort verwirrt und habe mich daran aufgehängt. Durch den neuen Beitrag von Mausflaus (nicht Flauschmaus) von heute habe ich nun zum Glück wieder etwas dazugelernt.
      "Gelantine" gibt es übrigens nicht, es heißt immer "Gelatine". Leider habe ich das sogar schon falsch geschrieben auf einer Puddingverpackung gesehen.
      Ich finde, ein Artikel, in dem von heute auf morgen alle Nahrungsmittel daraufhin durchleuchtet werden, ob sie tierischen Ursprungs sind, ist eine prima Idee. Kann auch gut sein, dass der Artikel passend für den normalen Tierqualkonsumenten geschrieben ist, denn der würde ja auch mit Entsetzen reagieren, wenn ihm in der Früh plötzlich offenbart würde, was er jetzt nicht mehr essen darf. Dieser Tenor ist allerdings ein anderer, als der von Veganern, wenn es um diese Lebens- bzw. Sterbensmittel geht. Ich als Veganer denke nicht "Oh Gott, ich darf keine Butter mehr essen!" sondern "Oh Gott, das ist ja auch mit Tierleid verbunden! Und Eiter aufs Brot schmieren geht ja mal garnicht!".
      Für mich klang der Artikel ein bisschen zu sehr nach Verzicht, was aber auch logisch ist, wenn man von einem Kühlschrank voller Tierprodukte ausgeht. Wenn ich als Veganer das Gefühl habe, jemand stellt meine gewaltlose Ernährung als Verzicht dar, habe ich meist auch gleich das Verlangen, das anders darzustellen. Und dabei habe ich jetzt garnichts schlimmes zu dem Artikel geäußert, außer eben, dass ich mich über die Geschichte mit der Marmelade wundern musste.

      Leider glaube ich, dass Du Dir mit dem letzten Absatz in Deinem Kommentar keinen Gefallen getan hast.
      Wer Fleisch isst, zeigt sehr wohl, dass er nichts verstanden hat. Das kann man völlig eindeutig und ohne Vorbehalte so sagen. Fleisch essen scheint in unserer Gesellschaft zwar eine persönliche Entscheidung zu sein, wie Du es ausdrückst, oder sogar eine persönliche Freiheit; aber das kann es nicht sein. Sich moralisch so eindeutig falsch zu verhalten ist nur genau so eine persönliche Entscheidung wie ein Leben als Taschendieb, Vergewaltiger, Mörder. Bestimmt hast Du mit so einem Kommentar gerechnet, und ich werde solchen Erwartungen gerne gerecht. Fleisch beudetet Gewalt und Mord an gefühlvollen, leidensfähigen, liebenswerten Geschöpfen die träumen, spielen, sich langweilen, Beziehungen eingehen und Dir nie etwas getan haben. Diese Tiere irgendwo anonym quälen, köpfen und zerhäckseln zu lassen bedeutet, dass man nichts verstanden hat. Wenn Du dieser Meinung nicht bist, begründe das bitte genauer, als damit, dass Du eine persönliche Entscheidung getroffen hast. Wie kann dieser Ausdruck überhaupt irgendetwas rechtfertigen? Ich kann doch auch die persönliche Entscheidung treffen, meinem Mitbewohner mit voller Wucht in den Hintern zu treten.
      Bitte triff die persönliche Entscheidung, uns hier ausführlich darzustellen, was Du an Deinem Morden toll findest. Und bitte noch einen zweiten Punkt neben "Geschmack".

      Liebe Grüße

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    2. Hallo Thomas,

      ich glaube du hast den Grundtenor so ziemlich aller Kommentatoren hier falsch verstanden.
      Für dich war es das erste Vegan-Experiment, für uns das gefühlt 1000ste. Die Idee sich "über Nacht" in den Veganismus zu stürzen ist ebenfalls nicht neu, im Gegenteil sie scheint allen vegan-Experimenten gemein zu sein und ja, es nervt mich zunehmend, dass vegan zu leben als riesenhafte Bürde dargestellt wird. Noch dazu, ohne dir zu nahe treten zu wollen, kommt es nicht besonders klug rüber, wenn man sich auf ein veganes Experiment einlässt und nichtmal für das Frühstück am nächsten Morgen sorgt.
      Das widerspricht auch absolut meinen eigenen Erfahrungen mit dem Veganismus, neben dem offensichtlichen "es ist so schwierig" gibt es nämlich durchaus auch noch die Tatsache, dass man feststellt wie viel veganes man sowieso isst. Wenn man schon zB das Thema Marmelade unbedingt anschneiden muss, könnte man darauf hinweisen, dass man leider eine unvegane erwischt hat, denn um ehrlich zu sein springt einem der Punkt schon ein wenig ins Auge.
      Ohne dich angreifen zu wollen und ohne Veganismus zu einem Verein mit Initiationsriten machen zu wollen: Es gibt ein paar Dinge, die man eben als Veganer mal getan haben sollte. Dazu gehört nicht nur mal zu googeln welche Marmelade vegan ist, sondern auch sich mit der ethischen Herleitung, mit den "Vegan-Filmen" (Earthlings, Forks over Knives,...) zu befassen. Du solltest dich mal auf einer Grillparty als Veganer ausgeben (viel Spaß...), irgendwas mit dem Reizwort "vegan" als FB-Status posten und eben nicht nur ein paar Tage keine Tierprodukte mehr essen. Was das vegane Leben interessant und kompliziert macht ist nicht die Ernährungsumstellung, da hast du nach ein paar Wochen Routine und entwickelst Strategien dich unterwegs zu versorgen, sollte es denn nötig sein.
      Auch ich empfinde den letzten Absatz als fragwürdig. Ja es ist deine Privatentscheidung Fleisch zu essen, aber wenn du anführst, dass du "verstanden hättest", dann würde ich gerne mehr über deine Gründe zur Fleischrückkehr erfahren. Entweder du findest vegan falsch, was dein gutes Recht ist oder du kannst es nachvollziehen, dann ist mir aber doch ein bisschen schleierhaft, wie man vollkommen unbelastet in ein riesiges Schnitzel beißen kann.
      Ich erwarte keinen Artikel, in dem der Veganismus gut wegkommt und auch keinen geläuterten Schreiber, der danach beim Veganismus oder Vegetarismus bleibt, aber ich finde derartige Experimente und dazugehörige Artikel einfach schwierig, weil sie sich zu wenig Zeit nehmen, weil sie "vegan" auf die Ernährung reduzieren und weil, auch wenn ein positives Fazit dabei herauskommt, doch kein realistischer Einblick gewährt wird.
      Nichts für ungut, Cara

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