Dienstag, 20. März 2012

ich auch

Ja, ich auch noch! Ich hatte eigentlich schon als ich meinen Blog begonnen habe, beschlossen, meine Essstörung nicht zu thematisieren. Nicht weil ich Angst hatte oder mich geschämt habe, schließlich schreibe ich anonym, sondern weil ich nicht wollte, dass irgendjemand denkt, Veganismus wäre eine Essstörung. Es gibt schon genug Vorurteile, und ein Veganer wird ja immer als Repräsentant für die ganze Veganerschaft gesehen; hat Allesesser X mal einen komischen Veganer kennengelernt, sind das gleich alles Spinner, hat er mal nen Tofu natur gekostet und eklig gefunden, sind gleich alle Sojaprodukte widerlich.

Ich habe mich jetzt doch entschlossen, offen zu meiner Essstörung zu stehen. Was heißt offen; ich bin ja trotzdem noch anonym. In meinem Leben wissen meine Familie und die meisten meiner Freunde davon. Ich schreibe hier ja nicht sooo viel persönliches, von daher habe ich nicht direkt das Gefühl, etwas vorgelogen zu haben, aber irgendwo habe ich doch etwas verschwiegen.
Nachdem sich aber so viele andere Bloggerinnen dazu bekannt haben, und es hauptsächlich positive Resonanz dazu gab, will ich jetzt auch damit raus. Ich fand es tröstlich, dass ich mit dem Problem nicht allein bin, gerade wenn ich die vielen leckeren Essensfotos der anderen sehe, fühle ich mich oft minderwertig, weil ich immer daran denke, dass ich es nie schaffen würde, einen ganzen Kuchen zu backen und ihn nicht gleich alleine aufzuessen. Das ist auch einer der Gründe, wieso es bei mir keine Rezepte und wenig Essens-Fotos gibt. Es ist selten vorzeigbar, da ich bei allem, was richtig lecker ist, Angst habe, zu viel zu essen.

Was heißt es bei mir konkret?
Ich bin bulimisch-magersüchtig, offiziell nennt sich das Krankheitsbild "atypische bulimia nervosa". Mein Ex-Therapeut meinte ca. 70% Bulimie, 30% Magersucht, das heißt ich bin sowas wie ne Magersüchtige, die s nicht so gut hinkriegt. Ein gestörtes Essverhalten hatte ich schon als Jugendliche, habe mich immer zu dick gefühlt, und versucht abzunehmen. Geklappt hat das erst als ich Anfang 20 war. Eine Beziehung ging zuende, ich musste aus der gemeinsamen Wohnung wieder zu meiner Mutter ziehen; gleichzeitig lief es im Studium schlecht und mir sind alle Kontakte aus der Schulzeit weggebrochen; mit der Familie hatte ich mich verkracht, und meine Mutter war entweder nie da oder wir haben uns gestritten.
Tja, und was macht Mausflaus, wenn sie Probleme hat? Sie denkt sich "Wenn ich erst dünn bin, wird alles besser" und macht ne Diät. Ich habe angefangen, Kalorien zu zählen, was auch gut geklappt hat. So habe ich mich innerhalb von ca. einem halben Jahr von 57kg auf 47kg runtergezählt. Zu Anfang war es toll, man bekommt Komplimente, kann sich selbst gut fühlen weil man merkt wie die Pfunde purzeln und man fitter wird. Es fiel mir aber immer schwerer, Disziplin zu halten, und so begann ich mit der Kotzerei. Ich hatte das als Jugendliche schon ein paar Mal ausprobiert, aber wieder aufgegeben. Dieses mal blieb ich dabei und rutschte immer weiter ab. Ich habe zum Glück relativ schnell gemerkt, dass ich da nicht mehr selbst rauskommen konnte. Also bin ich erst zu einer Selbsthilfegruppe, dann kümmerte mich um eine Therapie. Nach 2 Jahren ambulanter Psychotherapie und einem Monat stationär ging es mir schon deutlich besser. Von sowas ist man leider nie "geheilt", aber mittlerweile bin ich übern Berg. Ich halte mein Gewicht, kann auf andere Leute zugehen, lache, ziehe mein Studium weiter durch und habe mein Leben einigermaßen im Griff.
Von "normal" bin ich zwar noch weit weg, aber so wie es jetzt ist, komme ich klar. Ich erbreche nur noch sehr selten (im letzten Jahr vielleicht 5mal), vom Kalorienzählen bin ich allerdings immer noch nicht weg. Ich habe einfach zu sehr Angst, zuzunehmen. Ich kann mit meinem Gewicht, so wie es jetzt ist, gut leben, aber es soll auf keinen Fall mehr werden. Ich sehe relativ dünn aus, was auch ein Grund ist, wieso ich den Veganismus nicht so offen nach außen trage; ich möchte nicht das Klischee vom mangelernährten, dürren Körnerfresser verbreiten.


Ich hoffe, dass niemand, der das hier liest sich jetzt denkt "Ha, ich habs doch gewusst: Veganer sind alle essgestört" und erstmal ins Steak beißt. Veganismus ist keine Essstörung. Es gibt Überschneidungen; z.B. beschäftigen sich Veganer und Essgestörte mehr mit Ernährung als andere, und treffen ihre Nahrungsmittelauswahl nicht nur nach Lust und Laune, außerdem sind sie in ihrer Nahrungsmittelwahl eingeschränkt. Es kann auch sein, dass das eine das andere begünstigt, aber ich glaube nicht, dass Veganismus irgendwie zu Essstörungen führt. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Veganer häufiger als "normalos" Essstörungen haben, weil der Großteil derselben Gesellschaftsgruppe angehört: Junge, gebildete Frauen aus der Mittelschicht. Bei mir war es so, dass ich schon als Jugendliche essgestört war, mit ca. 15 wurde ich vegetarisch und mit knapp 20 vegan. Dann rutschte ich in die Essstörung ab, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das so oder so passiert wäre.
Veganismus hat mit Essstörungen also so viel zu tun wie mit Nagellack oder Haargummis.
Puh, ist das lang geworden, aber ich wollte nicht einfach nur so n "Ach übrigens, ich hab ne Essstörung" in den Raum werfen, sondern etwas dazu erklären.

Ich werde in Zukunft aber nicht viel zum Thema schreiben, da es bei mir nicht mehr so akut ist und ich euch auch nichts vorjammern will. 

Aber eins will ich noch "beichten": In der schlimmsten Zeit war ich kein bisschen vegan. Bulimie bedeutet zwanghaftes Essen und ich habe einfach alles gegessen was ich kriegen konnte. Wer so verzweifelt ist, dass er es sich antut, nach den Fressorgien den Finger in den Hals zu stecken bis Blut fließt, der schreckt nicht davor zurück, anderen, nämlich den Tieren, Leid anzutun.
Manchmal habe ich immer noch Rückfälle, mir fällt es immer noch schwer, Essen, was verfügbar ist, zu widerstehen. Ich versuche diese Situation zu vermeiden, aber wenn ich an Weihnachten von Arbeitskollegen ein Tütchen Plätzchen hingestellt bekomme, dann ist das leider schneller weg, als ich überlegen kann, wem ich es schnell schenken könnte. Aber ich arbeite dran, und es bringt nichts, sich deswegen ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich gebe mir Mühe, aber das übersteigt im Moment noch meine Kraft.

Kommentare:

  1. Wow, bei dir hätte ich das am allerwenigsten gedacht. Du wirkst immer so wahnsinnig stark - sagst offen deine Meinung und stehst für diese auch ein -, dass ich dachte, dir könne eine ES nicht passieren bzw. dass du über solcherlei Gedanken stehst. Zu den Themen, die du auf dem Blog ansprichst, hast du immer so eine definierte Meinung, von der du dich nicht abbringen lässt. Ich will damit jetzt übrigens nicht sagen, dass du schwach bist oder das Ganze sogar kritisieren, ich war ja schließlich selber betroffen (wie du vllt bei Annalein gelesen hast). Aber ich meinte ja auch schon mal in dem Zusammenhang deiner Themen/Meinung, dass Rauchen gar nicht in das Bild von dir passt ;)
    Aber ich freue mich, dass du das Gröbste überstanden hast, gerade bei so einer schrecklichen Kombination. Mach weiter so! Du hast allerdings Recht, 100% geheilt wird man nie. Ich war nie in Therapie und habe mich zwar nach Jahren wieder gerafft, aber das penible Zählen haftet mir immer noch an. Es ist zwar lästig, aber ich kommen inzwischen damit klar.

    Liebe Grüße und noch viel Glück auf deinem Weg,
    Federchen

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    1. danke für deine lieben worte. ich war mir zwar sicher, dass ich auch negative kommentare wegstecken könnte, aber als ich dann die "neuer Kommentar"-Meldung erhalten habe, hatte ich doch etwas Herzklopfen.
      ich bin zwar auch stark, vertrete selbstsicher meine meinung, aber in einigen punkten bin ich eben auch schwach. es ist auch in ordnung wenn du das sagst, es stimmt ja. ich glaube die widersprüchlichkeit in meiner persönlichkeit spiegelt sich in der bulimie auch wider; einerseits das schlank sein wollen, zeitweise hungern, dann wieder über die stränge schlagen, sich schlecht fühlen, dagegen durch erbrechen "protestieren"...
      bei vielen anderen, die sich "geoutet" haben war ich auch überrascht, obwohl ich für das thema eigentlich sehr sensibilisiert bin. bei annalein hätte ich es zb überhaupt nicht vermutet, weil sie so toll kocht und den eindruck macht, als würde sie das kochen und essen genießen.
      auf irgendner psycho-seite habe ich mal den spruch gelesen "dein leben kann nach außen hin perfekt sein und innerlich ein scherbenhaufen", das trifft es ganz gut.
      wobei ich mittlerweile echt "stabil" bin, aber bis ich rundum gesund bin, ist es noch ein langer weg, den ich vielleicht nie zu ende gehen werde.

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  2. "Ich hoffe, dass niemand, der das hier liest sich jetzt denkt "Ha, ich habs doch gewusst: Veganer sind alle essgestört" und erstmal ins Steak beißt. Veganismus ist keine Essstörung."

    Ihr veganen Tussies seid sowas von ekelhaft, nicht nur Bambiknutscherei sondern auch noch essgestört. Beides lässt auf eine total kaputte Psyche schließen. Da kann einem als Omni nur noch schlecht werden, auf das man selber kotzen möchte...

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    1. ich bin vegan und nicht essgestört ;) aber war ja klar, dass irgendein anonymus sich auf diesen satz stürzen muss. hat man wieder was gefunden, kann man sich wieder dran aufhängen. schön einfach macht man es sich damit ;) wenn's nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen..

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    2. Schade, dass du so feige bist und nicht mal öffentlich für deine Meinung einstehst. Vielleicht solltest du dich mal mit dem Thema Essstörung beschäftigen. Dann würdest du feststellen, dass es nicht nur Veganer trifft, da diese ja eh recht selten anzutreffen sind. Ich finde es schockierend, wenn jemand weder Empathie für Menschen noch für Tiere aufweist. Das spricht für ein Leben voller Verbitterung und ohne Glück. Du tust mir leid. Sehr leid.

      Federchen

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    3. Wie armselig! Was hat Respekt vor anderen Lebewesen mit einer kaputten Psyche zu tun? ich glaube, die meisten Religionen und einige philosophischen Strömungen propagieren sowas auch...

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    4. die Posts sind zwar schon von März aber zu dem frechen Kommentar von Anonym möchte ich mich doch äußern: ich esse alles was es zu essen gibt, aber es ist unmöglich so einen undifferenzierten und unverschämten KOmmentar zu schreiben. Jeder soll essen könne wie er will und ich finde die Bloggerin hier ist eh sehr freundlich und nicht so übertrieben missionarisch unterwegs. Schön ist doch dass es den Leuten die eine blöde Krankheit haben/hatten jetzt wieder besser geht.

      Liebe Grüße:-)Anonym2

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    5. ich (30.September 12 2:01) bin ein anderer Anonym als die Person vom 20.März :-)

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    6. Ich kann dich so gut verstehen. Ich würde nie öffentlich machen was für ein Leiden Essen für mich bedeutet, weil ich Angst habe Menschen könnten Veganismus dann damit in Verbindung bringen.

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    7. Ich finde wenn jemand schon offen zu gibt, dass eine Essstörung hat aber dran arbeiten will, hat diese Person einfach nur Respekt verdient und vegan essen hat NICHTS mit Essstörungen zu tun. Ich zum Beispiel versuche auch gerade mich vegan zu ernähren, da ich rausgefunden habe, dass ich auf tierische hormone oft mit Bauch Krämpfen reagiere. Ich bin jetzt 14 (bald 15) und würde das wahrscheinlich nicht alleine schaffen und bin deswegen froh, dass meine Mutter auch schon länger veganerin ist und mich voll unterstützt :)))

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  3. ich schließe mich federchen an! du wirkst wahnsinnig stark und hast immer eine feste meinung. das überrascht mich daher auch. und genauso wie federchen meine ich damit nicht, dass du jetzt schwach bist. du wirktest halt immer so "unnahbar" oder "unfehlbar" (krass ausgedrückt!!!), auch wenn man deine kommentare auf anderen blogs las :) das ist keinesfalls böse gemeint!!
    ich wünsche dir auch weiterhin alles gute!!
    liebe grüße, fräulein löwenherz

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  4. Hab bisher wenig Berührung mit dem Thema aber ich würde dich gerne mal was fragen. Was ist so schlimm daran wenn man ein paar Kilo mehr wiegt? Das kann doch nur von der Angst getrieben sein das irgendetwas passiert wenn du bisschen mehr wiegst. Was den? Das du nicht mehr geliebt wirst?
    Hoffe das ist nicht zu persönlich aber ich kann es wirklich nicht nachvollziehen und es würde mich interessieren.
    Liebe Grüße

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    1. Peter, ich als Übergewichtige kann nur soviel dazu sagen bzw. wie ich es erlebe. In unserer Gesellschaft herrscht ein übertriebener Körperkult. Ein Schlankheitsideal, welches teilweise die Formen annimmt, dass sich Frau mit Größe 36/38 schon zu fett fühlen muss, weil die Plakate/Werbung etc. "Frauen" präsentiert, die 32/34 tragen. Einem wird suggeriert: schlank=schön=erfolgreich=liebenswert. Und das sind alles erstrebenswerte Eigenschaften für junge Mädchen/Frauen, die ergeizig sind. "Dicke" gelten allerdings als dumm, faul, maß und disziplinlos. Leider immer noch. Vielen ist es vielleicht nicht bewusst, aber gerade im Teenageralter, wo viele ihre Essstörungen entwickeln, ist man anfällig für Körperbilder in Werbung und Co. und man vergleicht. Dann stellt man fest, dass man nicht ins Ideal passt und versucht dagegegn anzugehen, sprich abzunehmen, macht Diäten, treibt Sport und Co. Es können sich Essstörungen entwickeln, oder eben nicht. Bei mir war es ebenfalls so, dass ich mit 16/17 eine Binge Eating Störung entwickelte (auch Alzheimer Bulimie genannt ^^) Ich war dick, wollte für die Gesellschaft abnehmen, habe gehungert, und Essanfälle bekommen, weil ich verzweifelt war und ganz tief drinnen eigentlich so akzeptiert werden wollte, wie ich war.
      Viele kommen also mit extra Kilos schwer klar, weil sie tatsächlich bewusst oder unbewusst Angst haben, damit nicht mehr akzeptiert zu werden, wobei natürlich auch noch der Faktor Wohlfühlen mit rein spielt. Aber darüber kann man ja auch streiten: Fühlt man sich wirklich selbst nicht wohl...oder weil einem die Gesellschaft einredet, man solle sich nicht wohl fühlen.
      Ich kann natürlich nicht für Mausflaus sprechen, da ich nicht weiß, warum sie diese Angst hat zuzunehmen. Denn bei 57kg "Ausgangsgewicht" ist man keinesfalls dick. Aber ich denke schon, dass Beeinflussung und gesellschaftliches Klima von Akzeptanz oder Ächtung schon mit rein spielt, warum viele eine Essstörung entwickeln. Denn würde unsere Gesellschaft auch Vielfalt hinsichtlich der Körperformen akzeptieren, würde sich auch niemand falsch oder minderwertig vorkommen, wer nicht ins Ideal/die Norm passt.

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    2. da liegst du ziemlich richtig. ich assoziiere dick = unattraktiv, hässlich, faul, undiszipliniert. so was mag doch keiner. früher war es bei mir genau so; ich wurde gehänselt weil ich etwas mopplig war, ich weiß noch, dass mich im sportunterricht in der 6. klasse mal jmd "fettarsch" nannte, und dass ich danach den ganzen tag geheult habe und erstmal im sportunterricht nur noch schlabberhosen trug.
      deswegen habe ich panische angst davor, auch nur 1kg zuzunehmen, es beruhigt mich, wenn leute mir sagen, dass ich dünn wäre, weil das für mich bedeutet, dass ich zumindest nicht dick bin. ich habe zwar nicht den drang weiter abzunehmen, aber ich möchte, dass es zumindest so bleibt wie jetzt. ich hoffe, dass ich das irgendwann auch lockerer sehen kann, aber so weit bin ich noch nicht.
      objektiv weiß ich natürlich, dass es falsch ist, leute nur nach ihrem äußeren zu beurteilen, und das dicke keineswegs allesamt faul, unattraktiv und dumm sind (obwohl die gesellschaft genau dies leider suggeriert), aber etwas vom verstand her zu wissen heißt noch lange nicht, dass man es auch verinnerlicht hat.

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    3. Einer meiner Lieblings-Menschen ist mein Patenkind. Sie ist eine unglaublich liebe, hilfsbereite und empathische 20 Jahre junge Frau. Sie ist die vielleicht klügste (in diesem Alter nicht grade selbstverständlich) und intelligenteste Frau, die ich kenne - leider ist sie immer noch unvegan, was nur durch ihre äußeren Lebensbedingungen (und krankhaften Verhaltensweisen?) zu erklären ist.

      Das Unvegan-Sein dieses meines geliebten Menschen macht mir übrigens fürchterlich zu schaffen!

      Diese junge Frau ist trotzdem für mich einer der wertvollsten Menschen überhaupt - und stark übergewichtig ...

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    4. @Mausflaus: Im Ethikunterricht in der 9. Klasse hielt mal jemand einen Vortrag im Rahmenthema Tod über Übergewicht. Was ich da an Vorurteilen zu hören bekam, konnte ich nicht stehen lassen. Unter anderem "Dicke kommen vorwiegend aus armen Familien, die sich keine gesunde Nahrung leisten können und sind faul und dumm!" Ich unterbrach die Schülerin, stand auf, damit man mich in meiner ganzen "Pracht" sehen konnte und sagte stolz "Gut, ich bin dick, aber nicht arm und studiere und habe Abitur mit 1 gemacht!"...alle schwiegen, waren teilweise geschockt zu sehen, dass die Vorurteile, die Dicke immer noch zu hören bekommen, im lebendigen Gegenbeweis vor ihnen stehen. Daraus wurde eine super Diskussion woher diese "Bilder" in unseren Köpfen kommen, wonach mir drei Mädchen gestanden ebenfalls eine Essstörung zu haben, weil sie auf keinen Fall dick werden möchten, da sie sonst Ausgrenzungen zu befürchten hätten.
      Mir hat es in meiner Essstörung sehr geholfen mich so zu akzeptieren wie ich bin, mein Glück nicht vom Gewicht abhängig zu machen und mir klar zu werden, dass ich nicht faul und disziplinlos bin, nur weil ich Größe 46 trage. Seitdem habe ich auch die ES im Griff, diese riesen Essanfälle habe ich maximal aller zwei Jahre und da muss schon viel emotionaler Ballast da sein.
      Auch du bist mehr als dein Gewicht Mausflaus. Du hast so viele tolle Eigenschaften, die ich (die dich nur über das Netz kennt) sehr an dir schätze: deine Ehrlichkeit z.B.
      Menschen, die dich aufgrund deines Äußeren ablehnen, haben dich und deine Person nicht verdient, wobei diese womöglich selbst schreckliche Komplexe haben. Denn wer mit sich im Reinen ist hat es nicht nötig, über andere zu lästern. Und gerade Jugendliche sind kaum mit sich im Reinen, Hormone etc. Da passiert es schnell, dass gelästert und gemobbt wird.
      Dass das gesellschaftliche Bild von Dicken absolut unfassbar diskriminierend ist, darüber brauchen wir nicht streiten, denke ich.

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  5. Ehrlich, ich habe das bei dir schon länger vermutet und finde es sehr mutig, dass du dich dazu öffentlich äußerst. Keiner der nicht selbst drinsteckt hat auch nur ansatzweise Ahnung davon wie es für betroffene ist, insofern hoffe ich, dass du mit den teilweise etwas unglücklichen Kommentaren gut umgehen kannst, dass du stark bist haben dir einige schon geschrieben, wie es in dem Punkt und mit dem offenen Umgang und teilweise unglücklichen Fragen aussieht, naja, das wirst du selbst am Besten wissen.

    Ich will hier keine Plattitüden breittreten, du wirst am Besten wissen, dass die nichts bringen, aber ich möchte dir versichern, dass das mein Bild von dir in keiner Weise schmälert, eher im Gegenteil, es zeugt doch von großer Charakterstärke, sich überhaupt dazu zu bekennen.

    Beste Grüße

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    1. danke dir für den lieben kommentar. ehrlich gesagt musste ich über den dummen anonymen kommentar nur grinsen; der typ schreibt hier immer nur scheiße, so dass mich dieser dummfug kein bisschen berührt. es ist zwar oft nur eine schutzbehauptung, wenn jmd sagt, ihn berühre kritik nicht, aber in dem fall ist es tatsächlich so.
      außerdem liegt der kommentator gar nicht mal komplett daneben, ich finde meine essstörung auch ekelhaft, und das mit der kaputten psyche ist auch nicht falsch. aber inzwischen hab ich genug selbstbewusstsein, um zu sagen, dass ich trotzdem ein toller mensch bin. lieber ekelhaft und kaputt als so dumm wie der anonyme kommentator ^^

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  6. Ich finde es sehr gut, dass Essstörungen thematisiert werden, denn das verschweigen ist schädlich (wobei das bei so dummen Troll-Kommentaren naheliegt) und solche Krankheiten leider weiter verbreitet als man denkt. Du bist auf einem guten Weg und es ist schön zu lesen, dass dein Körper bisher keinen Schaden genommen hat.

    @Peter: Esstörungen haben etwas mit Kontrolle zu tun und ist zwanghaft, d.h. es ist dem Betroffenen meist klar, dass er seinem Körper schadet, aber zunehmen würde bedeuten versagt zu haben und die Kontrolle verloren zu haben. Die Reduktion des Menschen auf sein Aussehen und das Schließen vom Äußeren auf das Innere katalysiert das Verhalten noch zusätzlich.

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  7. Ich sage selbst öfter mal ich habe eine "Essstörung", dabei ist das aber bei mir immer als Scherz gemeint, um bei aufkommenden Fleisch/Vegan Diskussionen etwas die Spannung rauszunehmen. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie viele sich wirklich mit solchen Problemen rumschlagen. Vielleicht sollte ich mit dem Begriff vorsichtiger umgehen?

    Leider weiß ich nicht viel über Bulimie, außer was man so nebenbei mal aufschnappt. Deshalb will/kann ich auch gar nichts zu dem Thema sagen. Nur so viel, ich mag deine bissigen Posts und Kommentare und denke, du bist auf dem richtigen Weg!

    PS: Morgens Salami- und Schinkenbrötchen, Mittags Chicken Nuggets und Abends vorm Kino noch einen Hamburger, das sind definitiv auch Essstörungen die behandelt werden müssen :-)

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    1. hm, so genau kann ich das auch nicht sagen. kommt immer auf die situation und darauf, wie mans rüberbringt an. generell wär ich mit scherzen über krankheiten vorsichtig; ich kann zb diese "alzheimer-bulimie"-scherze von cindy aus marzahn nicht ab ("ich fresse und vergesse hinterher zu kotzen").
      aber bei dir glaub ich, dass es nicht so platt rüberkommt und du genug fingerspitzengefühl hast, um abschätzen zu können, ob dein gegenüber den scherz versteht.

      oh mann, hier kriegt man echt die volle landung gefühlsduselei ^^ ich bin zwar bissig, aber eigentlich auch total lieb :-)

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  8. Liebe Mausflaus,

    eigentlich betrifft mich das Thema nicht, da ich weder eine "junge, gebildete Frau aus der Mittelschicht" noch essgestört (außer dass ich mich immer noch unausgewogen (vegan) ernähre und mir manchmal nachts Süßigkeiten reinstopfe ;-)) bin - trotzdem möchte ich hier dazu meinen Senf abgeben.

    Es ist schon erstaunlich, wie viele vegane BloggerInnen sich in der letzten Zeit als Essgestörte outen - natürlich drängt sich da die Frage nach Zusammenhängen auf.

    Die Essgestörten, die ich aus meinem eigenen Umfeld kenne, sind in der Konsequenz ihres Verhaltens meistens eher zu dick als zu dünn, aber alle Unveggies. Die (leider sehr wenigen) VeganerInnen, die ich persönlich kenne, sind alle eher schlank bis dünn, aber wohl nicht essgestört!

    Nicht nur deswegen bin ich auch Deiner Meinung, dass Essstörungen und vegane Ernährung in keinem Zusammenhang stehen - wobei es wohl keine Frage ist, dass man die vegane Ernährung dazu nutzen kann, besser abnehmen zu können.

    Ich halte allerdings die naheliegende (und verm. manchmal willkommene Unveggie-) Argumentation "Veganer sind aufgrund ihrer (falschen/mangelhaften) Ernährung (eher) essgestört/magersüchtig" nicht nur für falsch, sondern auch "ungünstig" hinsichtlich der Überzeugungsarbeit bei Veggie-Interessierten sowie auch bei unveganen Veggies.

    Deswegen wäre ich froh über weitere Gegenargumente.

    Viele vegane Grüße, PD

    P.S.: Vieleicht kann man etwas aus den Zusammenhängen zwischen den Websuche-Interessen bzgl. Essstörung, Magersucht, vegane Ernährung, Ernährung und Gesundheit ableiten? http://www.google.com/insights/search/#q=essst%C3%B6rung%2Cmagersucht%2Cvegane%20Ern%C3%A4hrung%2Cern%C3%A4hrung%2Cgesundheit&geo=DE&date=today%2012-m&cmpt=q

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    1. Generell von einer veganen Ernährung auf eine ES (Essstörung) zu schließen ist natürlich falsch. Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass sich beim Vegetarismus und mehr noch beim Veganismus die Menge der 'erlaubten' Lebensmittel immer weiter einschränkt. Ich glaube, dass junge Mädchen so eine Ernährung durchaus vorschieben, um ihre Lebensmittelauswahl unauffällig auf die Obst- und Gemüseschiene zu leiten. Natürlich ist nicht jede/r Veggie gleich esssgestört, das wäre eine fatale Annahme. Veganismus hat vorrangig immer noch mit Empathie und Umweltbewusstsein zu tun.
      Sport wird auch als Abnehmmittel genutzt und ES im Hochleistungssport sind weit verbreitet (Anorexia athletica), dennoch heißt es bei Menschen, die viel Sport treiben (angenommen 1,5h/d), auch nicht gleich: der/die hat eine ES! Viele Faktoren/Hinweise sammeln sich bei einem essgestörten Menschen; sich alleine auf die Ernährung zu fokussieren ist falsch und darf nicht sein.

      Liebe Grüße,
      Federchen

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    2. @PD
      "kein zusammenhang" würde ich jetzt nicht sagen, ich habe ja schon erwähnt, dass es da durchaus überschneidungen gibt. und wenn man sich intensiv mit ernährung auseinandersetzt, wie veganer es zwangsläufig tun, kann es eher passieren, dass man sich auch zu viel damit auseinandersetzt. das kann eine ES schon begünstigen. allerdings muss man schon "vorgeschädigt" sein, damit die krankheit (inzwischen gelten ES als anerkannte krankheit) auch ausbricht. so wie WOW und der Schützenverein noch keinen amokläufer machen, wenn man eine instabile persönlichkeit, frust und keine sozialen kontakte hat, sind das aber risikofaktoren.

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  9. @PD: Vielleicht muss man auch noch zwischen Orthorexie (also das Ausdünnen des Speiseplans wegen Nährstoffen und Co -> Mangelernährung) und einer Anorexie oder Bulimie (Essstörung) unterscheiden. Eine Essstörung ist psychisch bedingt und hat nichts mit dem veganen Speiseplan oder einer Diät zu tun. Wie in Mausflaus Beitrag ja auch zu lesen war, ist es in den "Phasen" egal, ob die Speise vegan ist oder nicht, was gegen einen (konstruierten) Zusammenhang spricht. Das vermehrte Interesse von Veganern an ihrer Nahrung und das Auslassen von NAhrungsmitteln (siehe Allergien und Co.) können m.E. nicht wirklich mit Bulimie/Magersucht, wohl aber der Orthorexie gebracht werden.

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    1. Das erstaunt mich aber - ich habe noch nie davon gehört, dass es einen Zusammenhang zwischen AUSGEWOGENER veganer Ernährung und dem "Ausdünnen des Speiseplans wegen Nährstoffen und Co -> Mangelernäherung" geben soll ...

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    2. die parallelen sind aber offensichtlich: sowohl veganer als auch essgestörte lernen, lebensmittel in "gut" und "böse" einzuteilen. wenn man erstmal drin hat, dass es tabu-nahrung gibt, und man nicht einfach essen darf, worauf man lust hat, kann das schon zum problem werden, v.a. wenn man es nicht schafft.

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  10. Wow, ich finde es wirklich mutig, dass du da nun davon schreibst. Respekt :-)
    Es ist mir zwar schon aufgefallen, dass du nicht viel Süßes isst und auf Kalorien achtest, obwohl du nicht übergewichtig zu sein schienst (hab ja nur mal deine Hand oder so auf Fotos gesehen...), aber auf die Idee, das du eine Esstörung haben könntest, bin ich nicht gekommen.

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  11. Liebe Mausflaus,

    Als du bei Toto geschrieben hast, dass du zu dem Thema bald auch noch etwas schreiben wirst, dachte ich mir schon etwas in die Richtung. Du hast auch irgendwo mal geschrieben, dass für dich am wichtigsten ist, dass die Lebensmittel vegan sind, am zweitwichtigsten wären dir die Kalorien. ach hier klingelten bei mir schon die Alarmglocken. Ich kann mich den anderen nur anschließen in dem was sie schreiben (mit Ausnahme von Anonym natürlich, es ist unglaublich, wie eklig und taktlos ein Mensch sein kann...): du hast auf mich immer einen sehr starken Eindruck gemacht. ich selbst hätte schon heulend vor PC gesessen, wenn ich so böse Kommentare bekomme, wie du manchmal! Du hast, und tust es immernoch, eine totale Autorität ausgestrahlt, hast eine klar definierte Meinung und lässt dich nicht von allem möglichen Esoterikkrams und ähnlichem beeinflussen. Das bewundere ich total an dir!

    Ich finde, wir sollten uns nun noch mehr Mühe geben, die ES ganz hinter uns zu lassen, damit wir nicht dazu beitragen, dass alle Veganer für essgestört gehalten werden! Jay! wir schaffen das! :)

    Ganz liebe Grüße und natürlich auch ganz viel Kraft, Annalein

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    1. ehrlich gesagt wäre ich gerne ein wenig wie du; du wirkst so niedlich, positiv und lieb, dass man dich am liebsten knuddeln möchte :-)
      hört sich irgendwie dumm an, aber ich glaube, dass die ES mich auch irgendwo stark gemacht hat. man lernt so viel über sich, wie man mit problemen umgeht (oder es zumindest sollte), was wirklich wichtig ist, wie man kritik begegnet, und sich selbst hilft. ich hätte mich sonst nie so genau mit meinem problemen auseinandergesetzt, wenn die ES mich nicht dazu gezwungen hätte.
      die "stärke" ist aber auch ein problem; ich scheine wirklich ziemlich unnahbar und hart zu wirken, sodass die leute sich schnell auf den schlips getreten fühlen, und entsprechend ablehnend reagieren. dabei ist mir anerkennung und geliebt/gemocht werden, eigentlich total wichtig; sieht man ja daran, dass ich so viel angst davor habe, zuzunehmen, weil ich denke, dass die leute mich dann abstoßend finden. schon komisch, oder?
      vielleicht sollten wir so wie veggie-blogger-networks nen essgestörten-veggie-blogger-network gründen ^^

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    2. Vielleicht nicht grade ein "e-vbn" :-), tatsächlich habe ich aber auch schon daran gedacht, eine eigene vbn-Seite für Essstörungen einzurichten ...

      Dagegen spricht, dass damit "aussenwirkungsmäßig" ein Zusammenhang konstruiert und thematisiert werden könnte, welcher SO gar nicht besteht!

      So lange ich nicht mehr "ernstgemeinte" Anstubser dahingehend erhalte, beschränke ich mich auf die Verlinkung in http://veggie-blogger-network.blogspot.de/2012/03/vbn-updates_20.html

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    3. @PD
      stimmt, die außenwirkung wäre fatal. war auch eher als scherz gemeint.

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    4. Oh Mausflaus, es ehrt mich sehr, dass du mich am liebsten Knuddeln möchtest, ich halte dich nicht auf! ;) Das lustige ist, dass ich schon oft dachte, eine Scheibe von dir zu haben wäre nicht schlecht. Ich glaube auch, dass die ES auch ihre Guten Seiten hat, denn durch sie lernt man wirklich eine ganze Menge über sich. Besonders das überwinden der ES macht einen stark für die Zukunft!

      Liebe Grüße, Annalein

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  12. Mhh..
    weißt du was total Paradox ist?
    Früher hab ich dich noch über meinen anderen Blog verfolgt. In dem ich meine Essstörung thematisiere.
    Und dann mir gedachte. "Oh Gott, wenn sie mal auf ihre Leser guckt, und mich entdeckt, hält sie mich bestimmt für eine Irre, dass will ich nicht."
    Desshalb hab ich deinen Blog 'nurnoch' als Lesezeichen gespeichert und guck so 2x in der Woche alle neuen Postings nach.
    Und jetzt kommt raus, dass du selbst betroffen bist.
    Ich finde aber gut das du es jetzt erzählt hast, ich glaube es ist teilweise gut sowas mal anzusprechen. Ich hab gleich ein ganz anderes Bild von dir, und es ist gut zu wissen, dass man damit nicht allein ist.
    Das auch andere, die nach aussen so stark und selbstbewusst erscheinen, und keine Scheu haben ihre Meinung zu vertreten, doch auch ihre Probleme haben.

    Lg. Jessi.

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    1. hey jessi,
      oh, das kenne ich... ich verfolge auch einige ES-Blogs anonym, weil ich schiss hatte, dass dann jmd denken könnte, ich hätte sowas selbst.
      ich hasse es eigentlich, unehrlich zu sein, und habe mich schon öfter schlecht gefühlt, weil ich dadurch, dass ich eine feste meinung habe, und diese klar vertrete, wohl so wirke, als wär ich Mrs.Superschlau, die alles kann und weiß. Ich weiß zwar viel (durch die ES habe ich viel gelernt, nicht nur dass ich die Nährwerte von zig Lebensmitteln auswendig kenne, sondern auch so Psycho-Kram), aber KÖNNEN tue ich eher wenig. da ist es eigentlich ziemlich verlogen, anderen zu erklären, wie sie dies oder jenes machen sollen.
      ich gebe mir zwar mühe, andere nicht zu hart anzupacken, aber leider kommt das nicht so gut rüber; ich habe schon oft gehört, ich wäre zu negativ und würde ständig rumnörgeln. da muss ich echt dran arbeiten, und ich finde es ist auch schon ein bisschen besser geworden.
      übrigens freue ich mich über JEDEN Leser. und ich hab in der Klinik (Abteilung Psychosomatik) genug "Irre" kennengelernt und mich super mit denen verstanden - ich war/bin ja eine von ihnen ;-)

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    2. Ich finde auch, dass es schon ein bisschen besser geworden ist ... ;-)

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  13. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Man hat als Außenstehender keine Vorstellung von dem, was in jemandem tatsächlich vorgeht, der eine ES entwickelt. Als Frau steht man ja ohnehin schon mit einem Bein in der Tür, sozusagen. Ist nicht so schwer, in sowas reinzurutschen. Ich freue mich für jeden, der da wieder rauskommt (auch wenn du sagst, man könne leider nie wirklich geheilt werden.) Insofern kann ich dir nur Kraft und Ausdauer wünschen, damit du dein Leben mit Leidenschaft leben kannst, ohne deinen Kopf mit nutzlosem Kalorienzählen zu bechäftigen.

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  14. Glaub mir liebe Mausflaus - eine Eßstörung kann sich wieder wandeln. Ich bin ja selbst betroffen - nur eben in die andere Richtung dass ich zuviel statt zuwenig Kilos mit mir herumtrage. Nun möchte ich jetzt aber nicht verallgemeinern, denn jeder Mensch ist anders.. Aber wenn man sich Zeit gibt, keinen bzw. so wenig Druck wie nur möglich macht und erkennt dass man mit großer Sicherheit nur dieses eine Leben hat (dass sowas von lebenswert ist!) dann schafft man auch den Weg raus aus einer Eßstörung. Ich persönlich hatte/habe keine Lust mehr darauf, mich mein ganzes kostbares Leben mit dem Thema zu quälen. Ich möchte mich wohl fühlen, möchte mich bewegen können und vor allem möchte ich ein gesundes Maß an Essen erlernen, ohne dass mich das schlechte Gewissen o.ö plagt. Und Du wirst dass auch schaffen, denn Du bist ehrlich zu Dir, offen und mutig!
    Alles Liebe für Dich :)

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  15. Liebe Mausflaus,
    ich wollte dir nur sagen, dass ich es toll und mutig finde, dass du das Thema hier so offen angehst und die Art, wie du es beschrieben hast, finde ich auch sehr gut.
    Und ein besonderes Lob für deine souveräne Art mit Troll-Kommentaren umzugehen.
    Wünsch dir alles Gute!

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  16. Liebe Mausflaus,
    ich finde es bewundernswert wie Du es geschafft hast, diese fiesen Attacken der Obernörgeltanten bei vegan.de auszuhalten, die Dir letzten Sommer doch gehörig zugesetzt haben, wegen des Joghurtdressings. Das wäre für die meisten Veganer ohne Essstörungen schon kaum auszuhalten gewesen. Ich finde es klasse, wie souverän Du damit umgegangen bist und Essstörungen sind ein heikles Thema, gerade im Bereich Veganismus, aber insgesamt denke ich, sind Leute mit Essstörungen unter Veganern nicht häufiger, als unter Allesessern. Bei Veganern fällt es nur mehr auf, man achtet mehr drauf und man steht sicher auch mehr im Kreuzfeuer, wenn man extrem dünn ist, aber dieses extrem dürren Personen gibt es auch unter Allesessern. Insgesamt kenne ich mehr moppelige Veganer als dünne, also prozentual gesehen, da sagt auch keiner, vegan macht dick, auch nicht wenn zwei Mollige am Infostand stehen.

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    1. danke. ich fand es so albern... wegen 2 EL Joghurtdressing so ein Aufstand?!? mittlerweile bin ich aber kaum noch auf vegan.de. ich habe einfach keine lust, ständig diese dumme scheiße zu lesen. ich war da weil es mir spaß macht, mich über veganismus auszutauschen. aber je häufiger man sich über einträge ärgert, desto weniger freude macht es.

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  17. Hallo Mausflaus, es haben zwar aschon so viele geschrieben, aber ich reihe mich dennoch ein. ;-)
    Ich finde es auch ziemlich toll, dass Du so ehrlich bist und Deine Essstörung hier preisgibst. Und ich finde es noch toller, dass Du schon einigermaßen über den Berg bist, das war sicherlich ein harter Kampf.
    Kommentare wie den von Anonym finde ich wirklich bescheuert. Magersucht und Bulemie sind Krankheiten. Man kann doch niemanden beschimpfen weil er krank ist, da kann man einfach nichts für.
    Ich persönlich hatte zwar nie eine richtige Esstörung aber mit meinem immer mal wieder aufkommendem Diätenwahn bin ich wohl schon oft haarscharf dran vorbeigeschabt (und jetzt verstehe ich auch Deinen etwas pampigen Kommentar zu meiner gemäßigten Rohkost vor ein paar Wochen ;-))
    Und ich lese Deinen Blog übrigens gerade deshalb so gerne, weil Du immer tolle neue Infos hast, vegane Essensblog gibt es mittlerweile sehr sehr viele, so aktuelle und informative Blogs wie Deinen nicht!

    Ganz liebe Grüße,
    Birdie

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  18. Ich habe keine Essstörung, und ich hatte auch nie eine, aber als Frau kann ich zumindest ansatzweise nachvollziehen, wie du dich fühlst. Ich bin 1,76 und wiege knappe 65 Kilo. Früher hat mich das nie gestört, ich fand mich ok so, und ich esse viel zu gerne, als dass ich Kalorien zählen würde. Mittlerweile finde ich mich fast schon zu fett. Für jemanden, der sehr dünn ist, bin ich das sicher, für Menschen mit Übergewicht sehe ich bestimmt mager aus. Schwierig, schwierig. Schade, dass man sich immer mit anderen vergleicht (bzw. vergleichen lassen muss)...

    Ich wünsch dir weiterhin viel Kraft, deine Essstörung zu bekämpfen!

    Liebe Grüße
    Nadja

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  19. Hallo Mausflaus

    Ich hänge mich auch dran und finde es sehr mutig von dir mit diesem Thema so ehrlich umzugehen. Ich denke nicht, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen ES und veganer Ernährung gibt. Es ist wohl so, dass man sich eh generell mehr mit Ernährung beschäftigt und zwangsläufig auf die Themen trifft mit denen Veganer sich beschäftigen.
    Mein Weg war ähnlich, seit meiner Kindheit essgestört und als ich dann endlich die Möglichkeit hatte mich zu informieren (ich bin auf dem Dorf groß geworden, da waren die Informationsmöglichkeiten schon begrenzt) bin ich auch zwangsläufig auf die entsprechenden Themen gestoßen, bin dann mit 18 erst Vegetarierin geworden und seit letztem Jahr in der Umstellung auf vegan.

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  20. @nadja :"Ich bin 1,76 und wiege knappe 65 Kilo.[...]Mittlerweile finde ich mich fast schon zu fett."

    Womit zu vermuten ist, daß deine Aussage "Ich habe keine Essstörung..." wohl auf eine (Selbst-)Wahrnehmungsstörung deinerseits zurück zu führen ist.

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  21. bist du abartig. du "outest" dich, weil andere blogger positive resonanz erhalten haben, aber selber verurteilst du aufs übelste "dicke" menschen?? deine definition von "dick" will ich lieber nicht wissen. jedenfalls wünsche ich dir alles erdenklich schlechte :)

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    1. wer lesen kann, ist klar im vorteil
      1. habe ich nicht geschrieben, dass ICH Dicke für hässlich, faul etc. halte, sondern dass DIE GESELLSCHAFT dies tut. die anderen haben das auch alle verstanden, sonst hätte hier wohl der ein oder andere das schon richtig gestellt. ich würde NIE Dicke verurteilen, ich weiß doch selbst wie schwer es ist, sich richtig zu ernähren.
      2. habe ich mich nicht geoutet, um hier gehätschelt zu werden, ich habe ein outing bisher nur unterlassen, weil ich dachte, dass dies dem bild von veganismus schaden könnte. die reaktionen auf die anderen "outings" haben mich aber überzeugt, dass es wichtig ist, diese problematik anzusprechen, auch auf die gefahr hin, dass eine assoziation zwischen ES und vegan entsteht.
      3. selbst wenn jmd etwas sagt, was einem nicht passt, ist es ein ziemlich mieser charakterzug, ihm etwas schlechtes zu wünschen. ich jedenfalls wünsche dir, dass du die einsichtsfähigkeit besitzt, nochmal zu überdenken, ob das was du gesagt hast wirklich angebracht war, und ob DU nicht die abartige bist.

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    2. Hey Mausflaus,

      abgesehen davon, dass sich immer mal wieder die Frage stellt, inwieweit es zulässig und akzeptabel ist, ein Blog wie Deines mit "bösartigen" Kommentaren zu vergiften bzw. es vergiften zu lassen, möchte ich Dir eine spirituelle Weisheit zukommen lassen:

      Alles, was man aussendet, kommt früher oder später in vielfältiger Art zurück :-)

      In diesem Sinne, entspann` Dich! PD

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    3. och, ich bin ja selbst ziemlich biestig, da sind klare worte schon okay ;-) und wenn ich tatsächlich behauptet hätte, ich sei der meinung, dicke wären faul, doof usw. wäre es ja auch richtig, da deutlich kontra zu geben. würde ich auch machen. nur jmd ungerechtfertigt anzugreifen für etwas, was so überhaupt nicht gesagt wurde, ist ziemlich daneben.
      entspannt bin ich, solche kommentare sind eher lästig :-P

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    4. Daran, dass ich als "faule Dicke" keinen Kontra gegeben habe, dürfte dich ja beruhigen, nichts Falsches geschrieben zu haben :-P

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    5. hätte ja sein können dass du zu faul zum antworten bist :D

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    6. Ach quatsch, wenns um Abbau von Vorurteilen geht, kann ich zu Hochform auflaufen ^^

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  22. Der Veganismus selbst produziert keine Essgestörten, er übt aber auf nicht wenige Essgestörte und andere Seelenkranke eine magische Anziehungskraft aus. Das Solidarisieren mit noch Schwächeren - nämlich den Tieren - lässt einen selbst das eigene Gebrechen nicht nur besser ertragen, sondern lockt darüberhinaus sogar noch mit einer gewissen gesellschaftlichen Reputation. Kein Wunder also, dass so mancher dieser Verlockung erliegt.

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  23. Ich habe auch einen veganen Food-Blog, mir ist es aber lieber anonym zu bleiben. Wollte nur kurz loswerden, dass ich früher auch an Bulimie litt. Ich war in Behandlung, die hat mir aber relativ wenig gebracht. Weißt du, was eine sehr große Hilfe für mich war? Der Veganismus. Ich hatte anfangs auch Fressanfälle und habe dann unvegane Sachen gegessen, aber mit der Zeit ist es verschwunden. Mittlerweile würde ich mich als geheilt ansehen, da ich mich wirklich wirklich lange nicht mehr übergeben habe. Möchte ich auch nicht mehr, das war eine sehr schlimme Zeit.
    Die vegane Lebensweise hat mir wirklich sehr geholfen, weil das erstens in den meisten Fällen weniger Kalorien hat und ich zweitens das Essen irgendwie mehr schätzen konnte.
    Wie gesagt, Bulimie habe ich heute nicht mehr, aber zunehmen möchte ich auch auf garkeinen Fall. Klappt aber auch wirklich gut ohne Hungern o.ä., ich esse einfach, was ich will und habe Spaß an leckerem Essen.
    Lg :)

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    1. hey,
      ich glaub ich habe auch ne idee welchen :-) also mir hat die therapie sehr viel gebracht. allein hätt ichs nie geschafft. veganismus hat mir vielleicht insofern geholfen, dass es meinem leben einen sinn gegeben hat. ich fand mich hässlich, dumm und langweilig. aber wenigstens mussten keine tiere wegen mir leiden (wenn ichs hingekriegt hab).
      in dem sinne "geheilt" bin ich auch, dass ich die symptome bon bulimie/magersucht nicht mehr habe. ich kotze nicht (die paar mal zählen nicht, um das krankheitsbild zu begründen), nehme nicht weiter ab, esse regelmäßig. trotzdem ist die störung noch da, denn die sitzt in mir drin.
      toll wenn du es einfach so schaffst ohne nachzudenken das richtige zu essen, ich merke auch, dass ich es schon etwas lockerer sehe als noch vor nem jahr. damals hab ich jeden apfel abgewogen, heute schreib ich da bloß ne "pauschale" auf, wenns nicht grad n riesen-ding war. kleine fortschritte, aber immerhin fortschritte.
      ich wünsche dir, dass du deinen weg weiter so gut gehst. es hilft mir auch, zu lesen, dass es leute gibt, die es schaffen.

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  24. Hallo Flausmaus,
    der letzte Post zu diesem Thema ist jetzt schon 4 Tage her und ich habe länger überlegt, ob ich denn wirklich noch etwas dazu schreiben soll, mich aber wie man sieht, dafür entschieden.
    Und zwar zum Thema Vegetarismus/Veganismus und Essstörung:
    Meine Erfahrung war nämlich genau umgekehrt als es hier bisher anklang. Als ich mit 17 bulimisch wurde, habe ich in der Folge aufgehört Fleisch zu essen, weil es erstens unglaublich eklig ist, Fleisch zu kotzen und ich zweitens den Gedanken nicht ertragen konnte, dass ein Tier gestorben ist, um ausgekotzt im Klo zu landen, also nicht einmal um mir Nährstoffe zu liefern. Mit Veganismus und Co. wollte ich mich zu der Zeit noch überhaupt nicht auseinandersetzen, weil ich wusste, dass ich das alles dann mit meinem Gewissen nicht würde vereinbaren können. Ich nenne es bewusste Unwissenheit zum Schutz der Bewahrung des bequemen Lebens.
    Allerdings wollte ich schon im Kindesalter bei zu großen Portionen immer unbedingt das Fleisch aufessen, damit das Tier nicht umsonst gestorben im Abfall landet und stand, wenn ich es nicht schaffte heulend vor dem Mülleimer. Eine latente Gefahr, vegan zu werden, war also seit jeher vorhanden. ;-)
    Jedenfalls kenne ich mehrere Essgestörte, die wie ich zum Vegetarismus kamen, erst sich ekeln, dann sich informieren. Denn zu Beginn war das mit der Infosuche mehr ein Verlegenheitsakt, da die Begründung "Ich esse kein Fleisch, weil ich Fleisch auskotzen eklig und moralisch nicht vertretbar finde" nicht gerade smalltalktauglich ist ;-)
    Naja und darüber kam das große Erwachen und ich zum Veganismus.
    Das nur als kleine Ergänzung für mögliche Zusammenhänge
    dir alles Gute
    Tan

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  25. Hallo werte Frau Mausflaus,

    eigentlich haben hier schon so viele Menschen ganz tolle Beiträge getippt. Weshalb ich mich kurz fassen möchte.
    Du kennst ja meinen privaten Tagebuchblog und weisst daher auch ein paar meiner "Schwierigkeiten". Ich weiss also was für eine Menge Mut man braucht um offen darüber zu sprechen. Du hast meinen größten Respekt und ich wünsche dir auch weiterhin alles erdenklich Gute. <3

    Erbsi

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  26. Hallo
    Ich möchte gerne das Cathaleya vorstellen. Das Cathaleya ist ein Forum für Frauen mit einer Essstörung. Mit dem Cathaleya wurde eine Gemeinschaft für Essgestörte jeder Art geschaffen. Das familiäre Miteinander und Füreinander wird dort groß geschrieben.In diesem Forum werden auch andere psychische Störungen thematisiert.
    Falls wir dich angesprochen haben... wir freuen uns immer auf neue Gesichter. Registriere dich!
    http://cathaleya.aktiv-forum.com/

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