Donnerstag, 15. März 2012

Den Vegetariern und Veganern gehört die Zukunft

... glaubt jedenfalls der Jugendforscher Rinas:
„Ich glaube, dass Veganismus ein Zukunftsmodell ist“, sagte Rinas. Der Bewegung, die alle tierischen Produkte vermeidet, gehörten überwiegend junge Menschen an. „Jugendliche sind Seismographen der Gesellschaft“, sagte der Politikwissenschaftler und Autor des Buches „Veganismus – Ein postmoderner Anarchismus bei Jugendlichen?“. 
Eine vegetarische Lebensweise sei inzwischen gesellschaftlich weitgehend akzeptiert, Veganer hingegen würden oft noch als „Spinner“ abgetan, sagte Rinas, der Referatsleiter beim Landesjugendamt Brandenburg in Bernau bei Berlin ist. Aber auch das ändere sich: In Berlin habe der erste vegane Supermarkt eröffnet. „Fleisch essen wird einmal so negativ besetzt sein wie rauchen“, prognostizierte der Jugendforscher. 
Veganismus sei ein Lebensstil, verbunden mit Kritik an den Strukturen der Groß- und Agrarindustrie, sagte Rinas. Die neuen Medien trieben die Verbreitung des Veganismus voran. „Früher musste man – etwa als Anhänger der Anti-Atomkraftbewegung – sich physisch in eine Bewegung begeben. Heute braucht man nur einen Internetzugang“, erklärte Rinas. In den politischen Parteien finde der Veganismus bisher kaum Resonanz. Ansonsten sei er aber „schon in die Breite der Gesellschaft vorgedrungen“. 
Quelle: welt online

Schön wär's... Ich halte das für etwas sehr optimistisch. Mag sein, dass irgendwann durchsickert, dass Veganismus toll ist, aber man sollte Gewohnheiten und Vorurteile nicht unterschätzen. Sowas hält sich hartnäckig. Und auch wenn Nichtrauchen "in" ist, gibt es doch noch sehr viele Raucher (mich eingeschlossen (leider)).
Davon, dass Veganismus "in die Breite der Gesellschaft vorgedrungen" ist, merke ich noch nix, und wenn ich so lese, was andere Veganer so an Ablehnung und Vorurteilen erleben, scheint mir Rinas Aussage ziemlich realitätsfremd. Berlin ist nunmal nicht Deutschland, und ein veganer Supermarkt, macht die Hauptstadt noch nicht vegan. Und der Fleischkonsum ingesamt geht kein bisschen zurück.
Was allerdings stimmt, ist, dass Vegetarismus/Veganismus inzwischen sehr häufig in den Medien thematisiert wird, und dabei insgesamt ganz gut wegkommt. Das Phänomen scheint mir aber wie beim Fußball zu sein: Es wird häufiger drüber geredet, als dass es gemacht wird.
Hoffen wir, dass sich was ändert und helfen daran mit!

Kommentare:

  1. In den letzten 20 Jahren in DE: +35% Gemüsekonsum; -18% Fleischkonsum. Kam gestern in den Nachrichten. Und der Trend geht ja schon weiter...
    Natürlich heißt das nicht, dass die Gesellschaft "veganer" geworden ist, aber zumindest deine Aussage, dass der Fleischkonsum nicht zurückginge, halte ich für falsch.
    Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen öfter vegetarisch/vegan essen, aber immer noch kaum Menschen den konsequenten Vegetarismus leben.

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    1. das hab ich auch gelesen und mich gewundert - es hieß doch immer, der pro-kopf-konsum bleibe gleich?

      http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Fleischkonsum.png
      nach der statistik war der höchste wert 1985 mit 66,1kg. in den folgejahren ein rückgang, seit ca. 10 jahren sinkt die zahl nur noch ganz leicht. ich frag mich wie die da auf -18% kommen?

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  2. Dein Text dazu zeigt doch schon deutlich, warum der Vergleich mit Rauchern total hinkt: Fleischesser ist keine Sucht, keiner würde je ein "(leider)" am Satz anfügen. Während also sogar viele Raucher selbst einsehen, dass Rauchen schlecht und "böse" ist, wird sowas in der Form wohl nie auf Fleischesser zutreffen.

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    1. woher kommt dann die aussage "also ohne fleisch, das könnt ich nie"? hört man sehr oft. und auch beim rauchen ist das was es so scher macht, damit aufzuhören, die gewohnheit, gegen die man ankämpfen muss. die körperlichen entzugserscheinungen sind nach 3 tagen komplett weg, das problem ist halt, dass man innerlich diese "ich hätt jetzt bock auf ne kippe"-gedanken hat. bei nahrung ist es ja ähnlich, dass man appetit auf was hat.

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    2. Mir gehts auch weniger darum, ob Sucht oder nicht (ich weiß nicht, ich KÖNNTE durchaus ohne und find diese Aussage "das könnt ich nie" recht dumm), sondern eher darum, dass Fleischesser in der Regel auch gar nicht den Wunsch haben das zu ändern. Bei Rauchern hab ich den gegenteiligen Eindruck ("eigentlich würd ich ja gern aufhören...").

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    3. Ja, dieses "Das könnte ich nie!!!" kann ich überhaupt nicht verstehen. Zwei Bekannte von mir haben massive Probleme mit Neurodermitis an Händen/Füßen und eine Bekannte ist stark allergisch gegen Vieles. Wie einfach wäre es da, sich mal ein halbes Jahr vegan zu ernähren und dann einfach mal zu gucken, ob es besser wird (meine Gräserallergie ist komplett weg - toitoitoi). Wenn ich doch körperliche Leiden habe, dann muss der Verstand doch alle Süchte und Verlangen besiegen können... Oder es gibt wohl Menschen, die einfach schwach sind und sich gerne in ihr Schicksal übergeben. Ich weiß auch, dass rauchen ungesund ist, großen Schaden in meinem Körper anrichten würde und deswegen habe ich noch nie geraucht! ich verstehe Raucher echt nicht, die sich tagtäglich die Gesundheit ruinieren, anstatt jeden Tag als eine neue Chance sehen, sich von diesen tödlichen Glimmstängeln loszureißen.

      LG, Auriel

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    4. Also ich habe ja die Vermutung, dass zumindest in Milchprodukten irgendwelche süchtig machenden Stoffe enthalten sind. Denn überall lese ich, dass der Umstieg von Vegetarier zu Veganer vielen sehr schwer fällt, aufgrund des Käseverzichts. Fleisch wegzulassen fiel mir bis heute nie schwer und ich hatte auch keine Gelüste danach, ebensowenig wie nach Eiern oder Fisch. Irgendwas muss da also faul sein, etwas, was über Gewohnheiten hinaus geht.

      Meine Neurodermitits ist übrigens seit ich vegan lebe auch komplett weg ;-)

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    5. Edit: Ich hatte gerade gestern eine Diskussion mit meinen Eltern, weil eine Bekannte wegen Herzinsuffiziens ins Krankenhaus gekommen ist und bei ihr noch Diabetes Typ II. diagnostiziert worden ist. Nun ist diese Bekannte schon 82 Jahre alt, hat massives Übergewicht und Bluthochdruck. Bevorzugtes Essen: Wurst, fetter Fisch, einfache Kohlenhydrate. Im Krankenhaus hatten sie ihre Ernährung umgestellt und schon war der Zucker im Normalbereich. Aber wir wissen genau, dass sie, wenn sie zu Hause ist weiter so essen wird. Ich sagte dann auch, dass ich sowas nicht nachvollziehen kann, wenn man krank ist und die Ursachen auch bzw. hauptsächlich bei falscher Ernährung liegen. Daraufhin meinten meine Eltern, dass man ja einer 82 Jährigen Frau in ihren letzten Jahren nicht noch das Lieblingsessen nehmen sollte. Und sowas verstehe ich nicht! Sorry, aber wenn mir ein Arzt glaubhaft sagen könnte, dass ich mit so einfachen Mitteln wie einer Ernährungsumstellung oder einem bewussteren Lebensstil meine Krankheit in den Griff bekommen könnte, würde ich doch alles dafür tun, besonders wenn es um so schwere Leiden geht.

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    6. "Und sowas verstehe ich nicht!"

      Werd erst mal 82, vielleicht fällt dann der Groschen :-)

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    7. Ne allgemein gesagt. Ich finde Ernährung spielt bei vielen Krankheiten eine so wichtige Rolle, dass man die nicht vernachlässigen sollte. Wenn ich sehe, was die Menschen in Seniorenresidenzen etc. zu essen bekommen, nach teilweise mehreren Schlaganfällen, dann nenne ich sowas grob fahrlässig.

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    8. wegen dem suchti-käse: käse schmeckt halt einfach viel besser als fleisch. ich glaub das ist das einzige.

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  3. Ich merke einen Unterschied: Seit ca. zwei Jahren ist die Reaktion nicht mehr: "was ist DAS DENN?" Sondern: "hahaha, du isst meinem Essen das Essen weg". (oder wahlweise auch: "also so ganz ohne Ei und Milch und so, also ich könnte das ja nicht")

    Cool fühle ich mich dabei nicht und das Gefühl irgendwie cool zu sein wird mir von Dritten auch nicht vermittelt

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  4. In die Breite der Gesellschaft vorgedrungen ist Veganismus erst, wenns überall vegane Optionen gibt, ähnlich wie jetzt beim Vegetarismus. Das hieße immernoch nicht, dass es alle machen, aber es würde akzeptiert und es gäbe mehr. Aber: drüber reden ist bestimmt der erste Schritt :)

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  5. „Veganismus – Ein postmoderner Anarchismus bei Jugendlichen?“ Ah ja... was hat Veganismus jetzt bitte mit Anarchismus zu tun ? o.O

    Obwohl es ja schon so ist, dass sich die zukünftigen Lebensweisen in denen der Jugendlichen widerspiegeln. So glaub ich schon, dass sich Veganismus zukünftlich weiter verbreiten wird ... aber langsam eben. In die "breite Gesellschaft vorgedrungen" ist er leider bisher weniger...

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  6. Ich fände es schon gut wenn sich generell ein respektvollerer und achtsamerer Umgang mit allen (!!!) Lebensmitteln durchsetzen würde.

    Ich denke nicht das wir gesamtgesellschaftlich auf vulkanische Verhältnisse zusteuern, begrüße aber jeden Schritt dahin.

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