Montag, 16. Januar 2012

Wieso gibt es Fleischalternativen, wenn Veganer doch Fleisch ablehnen?

Beliebtes Pseudo-Argument dafür, dass es unbedingt richtiges totes Tier und kein Sojazeug sein muss (ihhhh, Sojaaaa!!!): Wenn man Fleisch ablehnt, dann darf man auch keine Fake-Produkte essen, das ist ja inkonsequent!
Als Vegetarier und Veganer hat man sofort Tränenausbrüche und Kotzkrämpfe zu kriegen, wenn man etwas, dass auch nur annähernd wie Fleisch aussieht, riecht oder schmeckt auf dem Teller hat. Ach ja?
  • Veganer/Vegetarier lehnen Fleisch deshalb ab, weil dafür Tiere gequält bzw. getötet werden. Für Soja wird kein Tier gequält, egal ob in Wurst-, Steak- oder Gyrosform. Es spricht also nichts dagegen
  • Man ist nunmal dran gewöhnt, und der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Es ist einfacher, von Frankfurter Würstchen auf Vrankfurter Vürstchen umzusteigen
  • Fleisch ist lecker. Da versucht man doch gerne mal, das nachzuahmen. So wie man den Look der Stars versucht nachzumachen (Modezeitschriften sind voll davon)
  • Es gibt alle möglichen Ersatzprodukte; ich rede nicht nur von Sojadrink statt Milch; sondern Dinge, die JEDER konsumiert. Wenn Tofu ein Fleischersatz ist, ist Tee ein Kaffeeersatz? Ist Süßstoff ein Zuckerersatz? Ist Duschgel ein Seifeersatz? Ist das Fahrrad ein Ersatz fürs Auto?

Ansichtssache. Im Endeffekt aber egal. Es sind Dinge, die sich in bestimmten Situationen für bestimmte Leute bewährt haben. Da ist es doch egal, ob und was wofür ein Ersatz ist.  Und es würde doch auch niemand auf die Idee kommen zu sagen "Du findest Autos doof? Dann darfst du aber auch nicht Radfahren, das wäre ja inkonsequent". Außerdem: Wer sagt, dass Tofu Ersatz für Fleisch ist, und nicht umgekehrt? Frei nach dem Motto "Schlaf ist kein adäquater Ersatz für Koffein!"
Ich persönlich ess ganz gern mal Räuchertofu aufs Brot oder angebraten, seh das aber als eigenständiges Produkt. Die Fake-Fleisch-Produkte, die versuchen, ein bestimmtes Fleischprodukt, exakt nachzubilden, z.B. Veggie-Gyros oder Velami brauch ich persönlich nicht und sind mir auch zu teuer, aber wenn Leute sowas toll finden, wieso nicht? Das einzige richtige "Fake" was ich toll finde, sind die veganen Frankfurter Würstchen von Alnatura :-)
Und ich seh auch keinen Grund, den Sojamischmasch in Herzform zu pressen, nur damit man den Fleischfressern dieses eine Argument nimmt (und sie dann mit "aber Fleischessen ist total natürlich" weitermachen)
Einziger Negativaspekt: Es wird der Eindruck vermittelt, vegan bestünde nur aus Nachmacherei. Dabei ist die vegane Küche unglaublich vielfältig und hat es nicht verdient, bloß als Kopie der Fleischküche behandelt zu werden!
Biggy hat kürzlich viele veganisierte Fleischgerichte vorgestellt. Wer braucht da noch totes Tier?


Was für Pelz gilt, gilt erst recht für Fleisch

Kommentare:

  1. Super auf den Punkt gebracht. Darüber muss ich auch immer diskutieren. Besonders lächerlich finde ich den gefakten Ekel vor Soja. Wenn viele wüssten bzw. endlich mal glauben könnten, was in ihrem Steak alles so drin ist, dann würden ihnen dieses im Hals stecken bleiben.

    Aber wie immer, was nicht sein darf, ist auch nicht. Leider. Immer wieder höre ich, dass die ganze Hyterie rund um Gammelfleisch, Antibiotika und Co. nur Panikmache und die Situation bei weitem nicht so schlimm sei. Schließlich sei man ja gesund.

    Ich lehne tierische Produkte alleine deshalb ab, weil ihre Produktion fatale Konsequenzen hat, die ich nicht mitverantworten möchte. Esse ich ein Seitanwürstchen, hat das andere, mildere Konsequenzen für Mensch,Tier und Umwelt, als wenn ich bei McDoof in einen Big Mäc beiße. Das heißt nicht, dass mir dieser nicht schmecken würde. Viele verstehen das aber nicht. :-(

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  2. "Es ist einfacher, von Frankfurter Würstchen auf Vrankfurter Vürstchen umzusteigen."

    Ähm,´ne kurze Frage mal eben: Heißt es auf veganisch eigentlich auch "vicken" statt "f.cken" ?

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    1. Hahahaha, wie geil :D You made my day

      Federchen

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  3. Du sprichst mir 100% aus der Seele! Naturtofu oder Räuchertofu esse ich auch gerne, auch Sojagranulat (kann man so schön verarbeiten), aber die richtigen Fakes brauche ich nicht und esse ich auch nur ganz ganz selten.
    Jetzt weiß ich aber, was ich das nächste Mal sofort anworten kann, wenn mir wieder diese Scheinargumente entgegen gebracht werden. Danke :)

    LG Federchen

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  4. Ich danke Dir! Ich schlage mich immer wieder aufs Neue mit dieser Frage herum, wenn ich mit einem Vleischprodukt zur Arbeit komme. "Wenn du kein Fleisch isst, wieso isst du dann einen Ersatz?" und so weiter. Das ist echt anstrengend und nervt mich. Die Leute wollen einfach nicht verstehen, dass "Fleischersatz" weitaus mehr ist. Es schmeckt ja auch ganz anders und das ist auch gut so. Und ich mag es auch viel lieber, als ich Fleisch mochte. Es geht also in erster Linie nicht darum, den Geschmack und das Aussehen von einem tierischen Produkt 100% zu imitieren, sondern vielmehr darum, die Möglichkeiten von neuen Lebensmitteln auszuprobieren.

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  5. Das kenne ich auch.
    Das Problem ist, dass die Leute denken, man würde den Fleischgeschmack verteufeln. Dass das mal ein Tier war, rutscht ja meistens leider nicht so in den Vordergrund.
    Aber was am Fleisch gut ist, ist ja bloß die Konsistenz. Der Geschmack kommt ja ganz einfach von Gewürzen.
    Für mich muss es auch kein superechtschmeckendes Schnitzel sein; aber es ist ganz nett und die Bolognese-Sauce schmeckt auch einfach. Okay, und Döner muss auch sein! :D Ach, ich glaube, ich bin doch Fakefleisch-versessen... XDD Aber Gemüse mag ich natürlich genauso. :)

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  6. Ich seh Tofu bestimmt nicht als Fleischersatz, aber auch bestimmt kein kulinarisches Highlight. Meine letzten veganen Gäste waren große Fans, ich mochte diese völlige Absenz von Geschmack gar nicht. Aber jedem das Seine. Anders seh ichs aber bei all den Fleischersatzprodukten: für den Umstieg mags hilfreich sein, aber langjährige Veganer würde ich nicht ernst nehmen, wenn sie immer noch von Tofuschnitzel, Tofubratwurst und Tofuaufschnitt leben. Mag aber einfach daran liegen, dass mein Hauptaugenmerk auf gesunder Nahrung liegt und da schneiden diese Imitate mitunter (zumindest das Steak auf alle Fälle) noch schlechter als die Originale ab.

    @Tim York
    "Aber was am Fleisch gut ist, ist ja bloß die Konsistenz. Der Geschmack kommt ja ganz einfach von Gewürzen."
    Gutes Fleisch braucht keine Gewürze. Wenn ich Fleisch grille, kommt da bewusst nix außer Salz und Pfeffer dran. Gilt natürlich nicht für Leberaufstrich aus der Dose oder vormarinierte Steaks um 1.50 €/kg (ja, das gibts!!). Bei solchen Produkten ist dann geschmacklich wirklich egal, ob das mal Tier, Tofu oder Holzabfall war.

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    1. @eve
      hm, ich dachte, ich hätte in meinem post erklärt, wieso es tofu in wurstform gibt... wieso soll ich nach 5 jahren veganismus keine tofuwurst grillen? sie schmeckt mir. würdest du mich ernst nehmen, wenn die wurstmasse in herzchenform auf dem grill liegt? wieso darf ich kein tofu essen?
      und: nimmst du auch keine leute ernst, autos ablehnen, aber dafür fahrrad fahren? da könntest du es ja auch albern finden, dass sich jmd trotzdem noch auf rädern fortbewegt, wo er doch autos ablehnt...

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    2. Ich glaub das kam falsch rüber... Ich gehe davon aus, dass das bei dir zumindest nicht die Regel bildet. Falls ich das doch falsch einschätze: Ich verstehe eben nicht, warum Menschen, die sich offensichtlich mit ihrer Ernährung auseinander gesetzt haben (was man bei all den tierischen Zusätzen ja zwangsläufig muss?), immer noch Fast Food bzw. Convenience Food essen. Das kann ich noch weniger nachvollziehen als den typischen Fleisch essenden Fast-Food-Esser, der sich einfach noch nie auch nur einen Gedanken über seine Nahrung gemacht hat.

      Das Fahren/Essen allgemein sprech ich keinem ab, aber ich würde auch keine Fahrradfahrer ernst nehmen, die beim Fahren ständig laut "brummbrummmmmmmm" machen würden. ;)

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    3. weil es bequem ist, gut schmeckt und nur weil man weiß was wo drin ist, heißt das nicht, dass man sich auch vernünftig verhält. jeder weiß doch auch, dass zu schnell fahren gefährlich ist, trotzdem halten sich die wenigstens akribisch an geschwindigkeitsbegrenzungen.
      und nur weil man veganer ist, heißt das nicht, dass einem die eigene gesundheit so wichtig ist. ich bin veganer weil ich nicht will, dass tiere für mich leiden. das ist alles.
      außerdem halte ich fast/convenience food nicht per se für schädlich. tiefkühlgemüsemischungen finde ich zb total praktisch, und gesund sind die auch, wenn nicht ne fertigsoße dran ist (die dann eh nicht vegan wäre), und im bio-bereich gibts auch einige gute produkte.

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    4. Mausflaus, ich stimme dir das absolut zu. Mein Anspruch ist, vegan zu leben, um damit Tierleid zu verhindern. Das heißt aber erstens nicht, dass ich Fleisch nicht lecker finde, und zweitens nicht, dass ich supergesund esse, und ich sehe auch nicht, wie man das irgendwie ableiten könnte.
      Ein sehr schöner Beitrag übrigens, der es wirklich sehr genau auf den Punkt bringt!

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  7. Schöner Artikel, egal was man macht, es wird immer gemeckert :-) Ich esse auch gerne Blumenkohlschnitzel, Selleriesteak und Salat, aber ich mag auch Fake-Fleisch. Warum? Weil ich einfach hin und wieder was herzhaftes mit "Biss" haben möchte. Dabei muss es nicht wie Fleisch schmecken, ich kann das eh nicht mehr vergleichen. Es muss einfach das gewisse Etwas haben. Mal ein besonderes Gewürz, mal eine andere Textur, mal einen besonders hohen Eiweißgehalt. Ich möchte einfach Abwechslung auf dem Teller. Dank Onlineshopping gibt es doch mittlerweile eine riesen Auswahl für uns. Und ja, manchmal möchte ich auch einfach nur was nachbauen, von mir aus kopieren, was ich als Kind vielleicht gerne gegessen habe. Mir macht das Spaß und wenn dafür keine arme Kreatur gequält werden muss, umso besser!

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