Vielfach wird mit CO2-Neutralität geworben; meistens heißt das jedoch einfach, dass für CO2-Schleudern ein Aufpreis verlangt wird, um dann mit dem Geld Klimaprojekte zu finanzieren. Die Idee ist einfach: Für das Klima ist es egal, wo klimaschädliches CO2 ausgestoßen und wo es eingespart wird. Also ist etwas nicht nur dann "klimaneutral", wenn gar kein CO2 ausgestoßen wird, sondern auch wenn negative Auswirkungen durch positive ausgeglichen werden.
Was am Ende zählt, ist die Bilanz; also wird berechnet, wie viel CO2 durch die Herstellung des Produkts oder durch die Dienstleistung entstanden ist und dann, wie viel es kostet, diese Menge in einem Klimaschutzprojekt einzusparen.
Zuerst wurde dies bei Flugreisen eingeführt, und jetzt auch beim Hessentag:
Wer zum Hessentag vom 10. bis 19.Juni mit dem Auto nach Oberursel fährt, zahlt für seine Abgase.
"Erstmals in seiner 50-jährigen Geschichte wird der Hessentag klimaneutral gefeiert", sagte Bürgermeister Brum (SPD) am Dienstag. Die CO2-Emissionen sollen während des Fests so niedrig wie möglich gehalten werden. Busse und Bahnen pendeln im engen Takt nach Frankfurt. Für "nicht zu vermeidende Emissionen" kauft die Stadt CO2-Zertifikate für Aufforstungsprojekte in der Dritten Welt. Hierfür sollen die Parktickets für Pkw 50 Cent mehr kosten.
Quelle: hr-online
Es gibt sogar "klimaneutrale Wurst": Die
"Superwurst" von Ökoland. Mit dem hübschen Slogan
"Superwurst rettet die Welt". Und so geht Weltrettung:
- Die Treibhausgasemissionen werden vom Bauernhof bis zur Ladentheke in einer Dokumentation erfasst.
- Gemeinsam werden gezielte Maßnahmen zur Treibhausgasreduzierung erarbeitet und von Ökoland umgesetzt.
- Unvermeidbare Treibhausgas-Emissionen werden durch den Kauf von Klimazertifikaten ausgeglichen.
- Durch den Kauf der Klimazertifikate finanzieren wir Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern, die sonst nicht möglich wären. Soziale wie ökologische Verhältnisse der lokalen Bevölkerung werden verbessert.
- Ökoland unterstützt durch den Kauf von Klimazertifikaten ein Projekt zur umweltfreundlichen Energierzeugung aus Biomasse in Indien. In diesem Projekt wird Biomasse aus landwirtschaftlichen Reststoffen (überwiegend aus Senfpflanzen) zur umweltfreundlichern Energieerzeugung verwendet.
Auf der Seite superwurst.de wird
einige Presse verlinkt bzw. zum Download bereitgestellt, die die Superwurst natürlich alle total super finden. Sogar die Schrot&Korn, das Magazin was von Alnatura herausgegeben wird, findet's super:
*Link zum Artikel*
Tröstlicherweise sehen das die Verbraucher etwas anders:
Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Prognos zeigte: Werbung mit Klimaschutz kann das Kaufverhalten beeinflussen. Danach spielt es für 69 Prozent der Befragten eine Rolle, ob Werbung einen Hinweis darauf enthält. Aber: Die Werbung muss glaubwürdig daherkommen. Das Bild mit der fliegenden, personifizierten „Superwurst“ löste bei über 80 Prozent der Befragten eher Misstrauen aus.
Quelle: test.de
Ich finde, diese Kompensationszahlungen fürs Klima haben was von Ablasshandel, bei dem Industrie und Verbraucher sich ein reines Gewissen kaufen, was nichts anderes ist als
Greenwashing. Das Wichtigste ist doch, Treibhausgasemissionen möglichst zu vermeiden oder wenigstens zu vermindern, denn das schafft einen Anreiz neue Verfahren und Produkte zu entwickeln, die das Klima schonen, und nicht bloß die negativen Auswirkungen durch irgenetwas ausgleichen. Kompensieren kann immer nur die zweitbeste Lösung sein.
Deswegen auch aus Klimaschutzgründen llieber Sojawurst, denn die verursacht schon bei der Produktion weniger klimaschädliche Gase als Fleisch-Wurst!