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| an Innenseite von Schuh und/oder Karton |
Angestoßen durch mein letztes Schuh-Posting möchte ich das Thema Leder mal näher betrachten; gelegentlich fällt ja der Kommetar "Kunstleder ist umweltschädlich" oder "für deine Schuhe müssen Kinder arbeiten!"
So ganz einfach ist das mit der Leder-Problematik nicht, im taz-blogbeitrag
"O Sohle mio!" hat der Autor keine zufriedenstellende Lösung gefunden, und auch die Kommentatoren waren sich nicht einig was denn nun ethisch korrekt ist.
Argumente gegen Leder:
1.) Leder ist die Haut toter Tiere, und das Töten von Tieren ist abzulehnen. Es stimmt auch nicht, dass die Tiere so oder so getötet werden - Denn die Nachfrage nach Leder finanziert die Fleischindustrie mit. Geht diese Nachfrage zurück, werden auch weniger Tiere getötet. Die „Nebenprodukte“ der Fleisch verarbeitenden Industrie, wozu Leder gehört, machen ca.50% aus.Die Tierzucht lohnt sich also erst, wenn nicht nur das Fleisch, sondern auch das Leder verkauft werden.
Es gibt auch kein "Bio"-Leder, dem Produkt sieht man die Massentierhaltung auch nicht an. Allein schon aufgrund der großen Menge kann man davon ausgehen dass die Rinder/Schweine aus der Massentierhaltung stammen; d.h. lange Tiertransporte, Kastration ohne Betäubung, Medikamentenfütterung, dunkle Ställe, Spaltböden usw. Eigentlich muss Leder überhaupt nicht gekennzeichnet werden, wenn es nicht explizit als "Kalbsleder", "Nappaleder" o.ä. bezeichnet wird, d.h. es kann gut sein, dass man auch mal Katzen- oder Hundelder aus Asien bekommt.
http://www.peta.de/web/leder_ganz_und.1699.html
http://www.peta.de/web/warum_kein_l.825.html
2.) Leder ist umweltschädlich. Allein schon die Aufzucht der Tiere, deren Häute schlussendlich zu Leder verarbeitet werden, verursacht Abfälle und Verschmutzung und verbraucht enorme Mengen an fossilen Brennstoffen. Außerdem werden Bäume zur Weidelandgewinnung abgeholzt, große Wassermengen verbraucht und Kohlendioxid ausgestoßen.
Dazu kommt die Umweltverschmutzung durch die Lederverarbeitung: Die Gerbereien haben ihre Produktion größtenteils in Entwicklungsländer verlegt, da Arbeit dort billig und Umweltstandards niedrig sind. Bei der Produktion und Verarbeitung werden nicht nur Ressourcen verbraucht, sondern auch viele umweltschädliche Chemikalien verwendet, die über Abwässer bzw. Abfälle in die Umwelt gelangen, z.B. Formaldehyd, Aluminium, Auszüge von Steinkohlenteer, Cyanid und verschiedene Öle, Farben und Polituren. Neben den bereits erwähnten toxischen Substanzen enthalten Gerbereiabwässer auch enorme Mengen anderer Schadstoffe wie Protein, Haare, Salze, Kalkschlamm, Sulfide und Säuren. Eine Chromgerberei verschwendet über 55.000 Liter Wasser und produziert bis zu 1.100 Kilogramm Feststoffabfall (z.B. Haare, Fleisch und Randabfälle) pro bearbeiteter Tonne Tierhaut.Höchst problematisch sind aber v.a. Chromverbindungen, die zur Gerbung des Leders gebraucht werden.
3.) Leder ist menschenunfreundlich. Auch die Menschen, die in Gerbereien arbeiten oder in ihrer Nähe leben, leiden. Viele von ihnen sterben an Krebs, ausgelöst durch giftige Chemikalien, die verwendet werden, um das Leder zu bearbeiten und zu färben. Die Zentren zur Kontrolle und Verhinderung von Krankheiten in den Vereinigten Staaten fanden heraus, dass Leukämie unter den Anwohnern einer Gegend nahe einer Gerberei in Kentucky fünf Mal so häufig vorkam, wie im nationalen Durchschnitt. Arsen, eine häufig in Gerbereien verwendete Chemikalie, wird schon lange mit Lungenkrebs unter den Arbeitern, die ihm regelmäßig ausgesetzt sind, in Verbindung gebracht.
Dazu kommt die Kinderarbeitsproblematik: Bei der Verarbeitung der Produkte in Billigländern kommt oft Kinderarbeit zum Einsatz. Das ist aber bei Kunstleder und anderen Textilien genauso, da dies keine Frage des Materials ist, sondern der Verarbeitung.
4.) Leder ist gesundheitsschädlich. Die Schadstoffe verbleiben zu einem Großteil im Leder und geben diese nach und nach an die Umwelt und auch an den Menschen ab. V.a. bei Produkten, die direkt auf der Haut getragen werden, wie z.b. Sandalen, Armbänder oder Ketten ist das problematisch. So wurden z.B. gerade erst
Lederarmbänder der Firma Rico-Design wegen Gesundheitsgefahr zurückgerufen:
Produkt: Lederarmband
Marke: RICO Design
Beschreibung: Zwei Lederarmbänder aus dunkelbraunem Glattleder mit silberfarbenden Metallschnallen. Ohne Verpackung.
Herkunftsland: China
Von den Produkten geht ein chemisches Risiko aus, weil der Lederanteil der Armbänder Chrom VI in einer Konzentration von 11,9 mg/kg bzw. 10,5 mg/kg enthält. Wenn die Armbänder wie beabsichtigt getragen werden, sind sie länger als nur kurzfristig in direktem Kontakt mit dem menschlichen Körper.
2005 hatte das
bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Lederhandschuhe untersucht, mit erschreckenden Ergebnissen:
Von den insgesamt 25 untersuchten Lederhandschuhen entsprachen elf Proben nicht in vollem Umfang den gesetzlichen Anforderungen. Dies ergibt eine Beanstandungsquote von 44%.
Besonders die Verwendung von verbotenen Azofarbstoffen in drei Fällen ist aus Sicht des LGL eine Häufung, die in Zukunft weitere Untersuchungsmaßnahmen im Bereich der Ledererzeugnisse begründet.
Und Kunstleder?
Dafür müssen zumindest keine Tiere getötet werden. Was den Rest angeht, kann man keine pauschale Aussage treffen, da es nicht DAS Kunstleder gibt, sondern verschiedene Materialmixe, die ähnlich aussehen wie Leder und ähnliche Eigenschaften haben. Ich finde, für Kunstleder spricht außerdem, dass es meist günstiger ist, wenn es gut verarbeitet ist, lange hält und angenehm zu tragen ist. Dass man in Kunstleder übermäßig schwitzt, kann ich nicht bestätigen, da kommt es auf Art und Verarbeitung des Schuhs drauf an.
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| sind leider ausverkauft |
Ich hatte jahrelang 20Loch-"Springerstiefel" aus Echtleder, und fand die superbequem. Ein paar Jahre später hat derselbe Hersteller dann eine Kunstledervariante auf den Markt gebracht, die haargenauso aussah. Nach 3jährigem Tragen sowohl der Leder- als auch der Kunstlederstiefel kann ich das also ganz gut vergleichen. Fazit: Null Unterschied, nach den 3 Jahren war die Sohle durchgelaufen, aber ansonsten waren beide Paare noch gut in Schuss :-)
Ein Negativ-Aspekt von Kunstleder ist, dass es aus Erdöl hergestellt wird. Allerdings muss man sich mal überlegen wie viele Plastikprodukte man täglich konsumiert und ob man da ausgerechnet bei den Schuhen dann zuerst mit dem Erdöl-Verzicht anfangen muss. Um die Zahlen mal zu relativieren:
Wir nehmen die Zahnbürste in die Hand, die aus Kunststoff ist. Zur Herstellung von Kunststoff braucht man aber Erdöl – etwa 0,1 bis 0,2 Liter pro Zahnbürste. Weiter geht es mit dem Plastikzahnputzbecher, auch in ihm sind 0,1 bis 0,2 Liter Erdöl enthalten. In der Zahnpastatube, die meistens auch aus Kunststoff ist: ebenfalls Erdöl.
Die durchschnittliche Couch in Deutschland hat etwa 60 Liter Erdöl in sich. Wir setzen uns auf das Motorrad, der dazu gehörige Helm enthält 1,3 Liter Erdöl. Wir nehmen das Handy in die Hand: 0,1 Liter Erdöl. In der Zahnprothese, die zum Teil aus Polymethylmethacrylat besteht, sind 0,1 Liter Erdöl enthalten. Die Brille besteht aus Polycarbonat, das ebenfalls ein Erdölprodukt ist, aus dem auch CDs gemacht werden.
In jeder Ein-Liter-Flasche aus PET steckt etwa 0,2 bis 0,3 Liter Erdöl. In unsern Schuhsohlen aus Kunstleder, das aus Polyurethan hergestellt wird, sind etwa 0,3 Liter Erdöl-Derivate enthalten. In einem Buch, das 300 Seiten hat, steckt etwa 0,15 Liter Erdöl-Derivat. In einem Taschenrechner, in einem Faxgerät, in einem Joghurtbecher, selbst in einer Napalmbombe steckt Erdöl. Das gilt auch für jede Dachrinne, den Regenmantel, eine Espressomaschine, einen Tankdeckel, sogar für synthetisch hergestellte Wurstpelle; sie enthält etwa 0,15 Liter Erdöl.
Quelle: der Paläontologe Martin Langer über Erdöl
Meine Meinung:
Das 100% ethisch korrekte Produkt gibt es nicht, egal ob das jetzt Schuhe, Kaugummis oder Hosenträger sind. Am besten ist es, man konsumiert gar nichts, denn immer werden bei der Produktion Ressourcen verbraucht, es fällt Müll an und es wird CO2 ausgestoßen. Aber da man nun mal Schuhe braucht, greift man am besten auf hochwertige Produkte zurück, die lange halten. Wenn man die Vor- und Nachteile von Leder gegen Kunstleder abwägt, schneidet meiner Meinung nach das Kunstleder besser ab; weil die Lederproduktion und -verarbeitung doch um einiges umweltschädlicher zu sein scheint, und deswegen Tiere sterben müssen. Selbst wenn man den Tierleidaspekt ausklammert, wären Kunstlederprodukte immer noch besser.
Übrigens finde ich es auch nicht schlimm, wenn man alte Lederprodukte die man nicht verschenken/verkaufen kann, noch abträgt, besagtes Paar Lederstiefel trage ich selbst noch. Nicht gerade auf ner Tierrechtsdemo, aber ich sehe keinen Sinn darin, etwas wegzuschmeißen, nur weil es nicht vegan ist; dadurch dass ich die Schuhe noch nutze bis sie auseinanderfallen, wird kein Tier lebendig.
Es gibt mittlerweile auch einige "fair trade" bzw. "öko"-vegane Schuhhersteller, die auch auf Arbeitsbedingungen bzw. die Produktionsmethoden achten, z.B.
Terraplana, aber sowas ist mir einfach zu teuer, daher kenne ich mich da nicht so aus.
Und so ein bischen Spaß im Leben möchte ich halt auch habe, und Shopping macht sehr viel Spaß ;-)
Online-Shops mit veganen Schuhen:
Cosmo Viva:
www.cosmo-viva.de
Lylium:
www.lylium.de
NOAH - Italian Vegan Shoes:
www.noah-shop.com
Radix Naturkost & Versand:
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Vegane Zeiten in Köln:
www.vegane-zeiten.de
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