Mittwoch, 2. November 2011

veganer Selbstversuch Folge 428

Gerade mal zwei Wochen ist es her, da wurde der glorreiche vegane Selbstversuch im Kölner Stadtanzeiger mit dem Fazit "zeitaufwändig und teuer" beschrieben, da stürzt sich Nina ganze fünf Tage für "der Westen" todesmutig in den Nutellla-Verzicht. Denn natürlich muss man als Veganer auf Nutella verzichten.

Um zumindest ein bisschen Gewohnheit in mein Frühstück zu bringen, zog ich los, um die Supermärkte nach alternativem Müsli oder Brotaufstrichen zu durchsuchen. Die erste Ernüchterung folgte: Denn das Gefühl, in einem Supermarkt zu stehen und so gut wie keine Auswahlmöglichkeiten zu haben, war mir bis dahin fremd gewesen. Ein einziges Regal stand mir zur Verfügung. Die Brotaufstriche, die angeboten wurden, sahen nicht gerade verlockend aus, ebenso wenig ihre Namen: Paprika-Chili, Senf-Ruccola, Kräuterpastete… Und das zu einem Preis, der einem das vegane Leben auch nicht gerade schmackhaft macht. Gefreut hatte ich mich außerdem darauf, mal Fleischersatz zu probieren, aber: Er enthielt Milch. 

"Alternatives Müsli" - sind da Anti-Atomkraft-Aufkleber drauf? Ein einziges Regal? Dann sind wohl Klopapier, Nudeln, Öl, Tomatenmark, Kaffee, Tee, Sojasauce, Gewürze, Linsen, Mehl, Zucker nicht vegan?
Wenn ich mich im Supermarkt auf ein einziges Regal beschränken würde, dann wär ich glaub ich auch ziemlich frustriert. Und was ist an Paprika-Chili oder Kräutern so abstoßend? Klar für den Typ Pizza&Pommes ist das natürlich nix.
Dass es im Supermarkt meistens nur dieses doofe Milchschnitzel gibt, hat mich auch schon geärgert - Da wird ein Tierqualprodukt durch ein anderers ersetzt; und es ist weder gesünder noch günstiger als Fleisch, im Gegenteil.

Aber ich will diesmal nicht so dolle nörgeln; Nina findet die Sojamilch ganz schmackhaft, später guckt sie dann sogar im Internet nach Infos, wobei sie da leider nicht erfährt, dass es vegane Schokolade gibt, und auf Chocoreale scheint sie auch nicht gestoßen zu sein, denn ihr Fazit lautet:

Insofern kann ich für mich sagen, dass das Experiment ein voller Erfolg war, was neue Erfahrungen und den Blick über den Tellerrand angeht – dass ich aber auch gemerkt habe, dass diese Lebensart auf die Dauer nichts für mich ist, obwohl ich es nach einer derart intensiven Beschäftigung mit dem Thema eigentlich besser wissen müsste.
Aber auf mein Brötchen mit Nutella zum Frühstück oder eine Currywurst am Sportplatz kann ich mein ganzes Leben wirklich nur schwer verzichten.


Kommentare:

  1. Paprika-Chili... wiiiiderlich, sag ich dir. Gut, dass das bei der Currywurst nicht mit dabei ist.
    Argh. Sehr intensive Beschäftigung mit dem Thema, dass man nicht mal Fleischersatz ohne Milch findet... zum Beispiel Currywurstkram. -_-

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  2. Und mal ganz ehrlich:
    wer Chocoreale kennt, wer will da noch Nutella?

    Aber über dieses bescheuerte Milchschnitzel ärgere ich mich auch immer, wer sich den Quatsch wohl ausgedacht hat.
    Und wer das wohl kauft?

    Warum sind die eigentlich alle immer so grottenschlecht informiert? Ich mein, wenn ich für einen Artikel schreiben will, dann mache ich mich doch vorher mal schlau.

    Wenn ich übers Fallschirmspringen schreibe, springe ich schließlich auch nicht erst aus dem Flugzeug und überlege dann, wo ich jetzt einen Fallschirm herbekomme.

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  3. Ich finds ja mittelmäßig lustig wie die Abneigung gegen einzelne vegane Produkte immer gleich als Rammbock gegen die gesamte Ernährung genutzt wird.
    Tatsächlich habe ich schon öfter sowas wie "Ich könnte ja nieeee vegan leben, ich hab einmal Tofu gegessen und der hat mir nicht geschmeckt" gehört (wobei Tofu am Häufigsten kommt, ich hab aber auch schon die gleiche Aussage mit Trockenfrüchten, irgendwelchen Aufstrichen, Keksen, etc.pp. gehört).

    Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich auch ein ganzes Eck gebraucht habe um zB vegane Nutella zu finden (gut, so vor 8 Jahren war die auch schlecht bis gar nicht verfügbar) und mich in der veganen Warenwelt zurechtzufinden. Nicht dass ich verhungert wäre, aber wer sich nie mit Inhaltsstoffen befasst hat, wird einfach auch die simpelsten Sachen (wie zB Marmelade als Brotaufstrich) nicht kommen.
    Weswegen man allerdings nur als Veganer Fleischersatzkram essen darf ist mir schleierhaft, wenn sie sich doch so drauf gefreut hat. Ist ja nicht so, dass man seinen Veganmitgliedsausweis an der Kasse vorzeigen müsste...

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  4. @Rohzustand
    ich glaub die Zielgruppe von Valess sind "gesundheitsbewusste" Frauen, die auf ihre Figur achten (Fleisch=Fett), wird ja auch als reich an Milcheiweiß, Kalzium und Ballaststoffen beworben.
    also sooo schlecht war die ja gar nicht mal informiert, sie hat immerhin rausgefunden, dass brot vegan ist, und was kurkuma ist (wobei kurkuma ja nichts mit vegan zu tun hat, sondern ein stinknormales gewürz ist, was eigentlich jeder kennen sollte)

    @Cara
    Klar, wenn man keine ahnung hat, dann findet mans auch schwer; steht ja nicht überall ein riesiger vegan-aufkleber drauf. in 5 tagen kann man sich unmögliches das geballte veganer-wissen, wo was zu finden ist, und wie man sich günstig und gesund ernährt, rausfinden. deswegen sind 5-tages-veganexperimente auch total quatsch.
    ich fand autofahren nach der 5. fahrstunde auch noch total schwer und wusste nicht wie man rückwärts einparkt. und spaß gemacht hats auch keinen.
    da stell ich mich ja auch nicht vor nen porschefahrer und erzähl dem wie doof autofahren ist.

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  5. Ich hab dir einen Blogaward verliehen.

    http://ultimatechaos-nikushimi.blogspot.com/2011/11/blogaward.html

    :)

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  6. Nö, da hast du auch vollkommen recht, allerdings (wenns mir denn wirklich um Nutella geht) kann ich auch das was ich wirklich haben will googeln, mehr als nichts wird mir da schon nicht ausgespuckt (allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass manche Leute auf das Offensichtlichste auch einfach nicht kommen), weswegen inflationär vegan-Experimente gemacht werden müssen verschließt sich mir vollkommen; vielleicht lesen die Leute das gerne, wer weiß? Zumindest gibts ja keine "Frauenzeitschrift" mehr ohne sowas, im Zweifelsfall ist es zumindest ein trendy und günstiger Lückenfüller (besser als ein Bericht über eine 7-tägige Balireise), sowas wie die Zusammenschnittfolgen irgendwelcher Sitcoms eben: man hat noch Platz, weiß aber nicht wie man es finanzieren soll den zu füllen, da isst man halt mal 5 Tage vegan, essen muss man sowieso und 15 Seiten Story ergeben sich da schon draus.
    Eigentlich hab ich zur Zeit nur permanent im Hinterkopf, dass es eben nicht so einfach ist vegan zu werden wie zB Peta gern behauptet, ich glaube das hat bei dem oberen Kommentar einfach gewonnen; das sollte aber keine Rechtfertigung für schlechten Journalismus sein.

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  7. Vielen Leuten ist wohl nicht klar, dass sie schon mal irgendwann Nudeln von Aldi und Tomatensoße gekocht haben. Das wäre dann - zumindest in den meisten Fällen und wenn man keine Sahne benutzt - auch vegan. Oder easy zu veganisieren. Ganz ohne Freakshow.

    Ich glaube ja fast, dass man davon ausgeht, dass das Gros der Leser solche Berichte lesen wollen, sonst gäbe es wohl nicht so viele völlig uninformierte "Mal-eben-schnell-Tester"...Der Großteil meines unveganen Freundeskreises hätte wohl sehr ähnliche Probleme, aber denen trau ich halbwegs zu, dass sie Dinge googeln können. Aber wer von vorneherein skeptisch ist - und irgendwie kommen mir die "Journalisten" jedes Mal so vor, egal wie oft sie sagen, dass sie sich auf ihr Experimentchen freuen - der wird keinen Gefallen am Veganismus finden, egal ob er/sie nun drei, fünf oder sieben Tage testet.

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  8. Hallo :-)
    Ach wo findest du diese ganzen fail-ein-paar-Tage-vegan-Selbstversuche nur immer?
    Gibt es denn keine geglückten? Naja das würden die meisten Leute wohl nicht lesen wollen...bestätigt ja nicht gerade ihre Lebensweise...
    Viele Grüße, die Schneeflocke ;-)

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  9. @Nikusimi
    Dankeschön!!! ich schreib am WE was dazu.

    @Schneeflocke
    Der vegan-versuch von karen duve ist doch ganz gut geworden. und es gibt eine vielzahl von beispielen, dass vegan-versuche glücken; denn jeder veganer, der anfängt sich vegan zu ernähren, "versucht" es ja erst einmal, und wenn er merkt dass es klappt macht man weiter. war zumindest bei mir so. aber zu dem zeitpunkt hatte ich tierprodukte schon deutlich reduziert und wusste einiges über vegane ernährung und kannte viele vegane produkte und rezepte, hab mich also nicht ins kalte wasser gestürzt wie bei diesen paar-tage-vegan-experimenten aus heiterem himmel.

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  10. Man möchte weinen. Sowas nennt sich heutzutage Journalismus?
    Aber naja, stimmt schon, googlen ist schwer und einfach mal was ausprobieren auch. Ich persönlich find den Paprika-Chili Aufstrich von Alnatura ultra lecker. :D

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  11. jaja, wir Veganer haben es schon schwer... müssen wir doch bei jeder Mahlzeit quasi unseren Würgreiz unterdrücken, weil das alles so schrecklich schmeckt... und gab es da nichtmal diesen Selbstversuch wo die Frau, die ganze Zeit Brötchen ohne alles gegessen hat? Genauso halten wir alle es ja auch ;-)

    Ich mag das gar nicht mehr ernst nehmen, worauf die Produzenten da aus sind, ist denen doch schon vor Beginn klar. Deswegen wählen sie ja als Testpersonen immer solche Leute aus, die sich a) superungesund ernähren und b) nicht kochen können

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