Samstag, 22. Oktober 2011

Und täglich grüßt der "vegane Selbstversuch"

Schon wieder stürzt sich jemand todesmutig in ein veganes Experiment; diesmal ist es die „junge Zeiten“-Autorin Sarah Görgen vom Kölner Stadtanzeiger, die ganze vier Tage lang die vegane Ernährung ausprobierte.
Die Überschrift "zeitaufwändig und ziemlich teuer" ist gleichzeitig auch das Fazit. Wen wundert's, so ahnungslos und dämlich wie sie in ihr Abenteuer stolpert:

Ich beginne meinen viertägigen veganen Selbstversuch ziemlich spontan – was ich jedoch schon beim morgendlichen Blick in den Kühlschrank bereue: Käse, Milch, Joghurt und Co. sind heute tabu – geliebtes Nutella ebenfalls. Hoffnungsvoll kommt mir mein Müsli in den Sinn – tja, das aber hat leider Schokostückchen. Ich muss mit einem Marmeladenbrot vorliebnehmen, welches ich bereits mit erstem aufkommendem Groll gegen meinen selbst auferlegten Selbstversuch „genieße“. Bekanntlich will man immer genau das haben, was man nicht haben kann. 

Bekanntlich kann man eigentlich vegane Schokokreme, Sojajoghurt, Sojamilch und veganes Müsli essen... Allerdings nicht wenn man keine Ahnung hat und sich nicht vorbereitet.


Zuletzt habe ich in einer Biobäckerei Tofu-Sandwiches entdeckt. Mit bedauerndem Blick teilt mir die Verkäuferin mit, dass diese heute leider aus seien. Nun gut, also kein zweites Frühstück, denn außer trockenen Brötchen sind keine weiteren Produkte vegan.

Wieso gehen alle Vegan-Experimentler immer in die Bäckerei und fragen nach was veganem? Wieso guckt man da nicht mal vorher im Internet bzw. überlegt sich, was in Backwaren so alles drin ist?

 
Mein Mittagessen besteht aus einem Salat mit Essig und Öl – Joghurtdressing wäre mir lieber gewesen. Mein Selbstversuch könnte bis hierhin auch Diätversuch durchgehen. Ich fühle mich ziemlich hungrig und leicht gereizt. Hätte ich am Abend kein veganes Drei-Gänge-Menü in Aussicht, so würde ich bereits nach Tag eins abbrechen. 

Wenn alle Veganer mittags nur Salat mit Essig und Öl essen würden, dann würde das Klischee vom dünnen blassen Jesuslatschenträger wohl stimmen.

Später geht sie dann noch mit Veganern essen, merkt, dass Müsli mit Sojamilch ganz lecker ist und findet in der Bäckerei eine "Brezel mit pflanzlicher Butter" (soll das Margarine sein? Ob man ihr sagen sollte, dass Margarine meistens gar nicht vegan ist?).

Eigentlich fehlt zum vollendeten Vegan-Experiment noch, dass sie

- in den Supermarkt geht und nichts zu essen findet, weil überall "kann Spuren von Milch enthalten" draufsteht
- sich einen Block Tofu natur kauft, und roh reinbeißt und wiederausspuckt
- zum Kaffeeklatsch bei der Familie eingeladen ist und mit großen Augen am Tisch sitzt, weil alle anderen leckeren Kuchen essen, der nicht vegan ist, während ihr der Magen knurrt


Die Leute können ja machen was sie wollen, aber mich ärgert, dass dann immer als Fazit, wie sollte es auch anders sein, rauskommt, dass Veganismus ja sooo schwer, entbehrungsreich und bescheuert ist.Wieso Veganismus teurer sein soll, wird auch mit keinem Wort erklärt. Vielleicht kostet eine Brezel bei ihrem Bäcker ja mehr als ein Wurstbrot.

Kommentare:

  1. hahaha! ich liebe dein bissiges Fazit und den Titel deines Posts - und bin selbst genervt von den permanenten Vegan-Versuchsreihen die alle Leute ständig meinen machen zu müssen (oder vom Redakteur verordnet bekommen...), weiß auch gar nicht was das soll, ich dachte das Sommerloch wäre so langsam vorbei.

    Was soll das werden? Abenteuerurlaub im eigenen Land? liest sich als würde man in die Wüste Gobi fahren und davon ausgehen, dass man da alle 200m nen Waserhahn findet ^^

    AntwortenLöschen
  2. Schlecht vorbereitet, mit 15 Veganern am Tisch gesessen und wahrscheinlich nicht richtig zugehört, sogar noch die 22-jährige Marcella interviewt und trotzdem gescheitert. Ich würde sagen Sarah Görgen ist beratungsresistent :-)

    AntwortenLöschen
  3. Vegan ? Wozu ? In 10 Jahren ist der Hype sowieso wieder vorbei, dann ist Eisbein mit Sauerkraut (wieder) in...

    AntwortenLöschen
  4. Oh Gott, sowas nervt mich auch total. Einerseits schön, dass solche Themen jetzt anscheinend immer öfter in den Medien sind, aber zum journalistischen Arbeiten gehört eben euch eine Portion Recherche. Das gilt auch für Selbstversuche. Hier wird ja nur wieder der arme Leser bestätigt. Mit sowas kann man eben billig Sympathien einsammeln.

    AntwortenLöschen
  5. Da fragt man sich doch, ob die nette Dame evtl. Verwandtschaft hat die in der Fleischindustrie arbeitet.

    Ich liebe Dein Fazit!!

    AntwortenLöschen
  6. haha - die lieben journalisten :) (mal wieder...) und mausflaus: ich liebe dein fazit auch <3

    AntwortenLöschen
  7. Hihi, super! Man möchte fast Mitleid mit der armen Frau haben... Hätte sie mal 5 Minuten ihres unveganen Lebens investiert, wäre sie auf ca. 2 Millionen Blogs gestoßen, in denen Veganer ihr erklären, wie man nicht nur Salat isst. ;)

    Und Respekt, dass sie ganze vier Tage (!) vegan essen will/wollte.... Das ist doch mal eine echte Herausforderung.

    AntwortenLöschen