Samstag, 17. September 2011

Wer A sagt muss auch B sagen

Ein Landwirt will seine Ferkelzucht zur Größten Baden-Würtembergs ausbauen. Zurzeit hat er 250 Sauen, jetzt will er verfünffachen auf 1250 Sauen und würde dann 30 000 Ferkel im Jahr verkaufen, wobei er so bauen möchte, dass er die Zahl eines Tages auch noch verdoppeln und verdreifachen könnte.
Dagegen regt sich lokaler Widerstand; die Leute haben Angst vor der Gülle in ihrem Ort. Vor Medikamentenrückstände und Nitrat im Grundwasser. Davor, dass der Tourismus leidet, wenn’s im "heilklimatischen Kurort" ständig nach Schweinekot stinkt und sich das herumspricht. Davor, dass das Eigenheim an Wert verliert.
Auf einer Bürgerversammlung wird diskutiert, was man dagegen tun kann; Unterschriften sammeln, Proteste organisieren, politischen Druck aufbauen. 
Dann tritt eine Frau ans Mikrofon. Es ginge nicht nur um Politik und "unser Ländle", sondern auch um Tiere und die Ethik: "Jeder Einzelne kann mitbestimmen, in dem er kein Billigfleisch vom Discounter kauft." Ein Mann fordert, dass diejenigen strecken sollen, die ihr Fleisch nur beim Metzger oder auf dem Markt kaufen würden. Einige heben ihre Hand blitzschnell und selbstbewusst in die Höhe, andere zögerlich. Viele Hände bleiben unten.

gelesen in der Badischen Zeitung


Genau das denke ich immer, wenn ich von Protesten der Anwohner gegen irgendwas höre, sei es ein Flughafen, Atomkraftwerk, Gefängnis, Mastanlage.... Wir wollen den Urlaubsflieger, billigen Strom, den Schutz vor Straftätern, das Discounterfleisch.... Also müssen wir gefälligst auch die Suppe auslöffeln und die Quelle vor der eigenen Haustür akzeptieren! Ein "Ich möchte alle Vorteile, aber bitte keine Nachteile" gibts eben nicht - entweder man verzichtet konsequent auf etwas und kann dann guten Gewissens sagen "ich bin nicht verantwortlich, also muss ich das auch nicht vo meiner Haustür verantworten", oder man ist bequem und muss dann halt in den sauren Apfel beißen. Alles andere ist doch nur verlogen.
Um's mit Bertolt Brecht zu sagen: „Wer A sagt, muss nicht B sagen; er kann auch erkennen, daß A falsch war.”

Kommentare:

  1. Über sowas rege ich mich auch immer wieder auf. Tierschutz ist den Leuten ja egal, aber wehe es stinkt oder der Ort hat dadurch dann weniger Tourismuseinnahmen, dann doch bitte auch kein Tierleid, wenn man davon aber nichts mitbekommt, ist das voll ok. -.- Absolut furchtbar.

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  2. Bei Massentierhaltung und Schlachtbetrieben, genau wie bei AKWs usw. begegnet man immer wieder diesem "not in my backyard"-Phänomen. Dass die Leute immer so verlogen sind, ärgert mich am meisten.

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  3. Ich finde es auch furchtbar. Obwohl ich's teilweise verstehe. Ich will auch nicht noch mehr Geld für Strom zahlen & rege mich trotzdem über das Kohlekraftwerk und das AKW hier auf. Ist auch so ein bisschen die Schiene, dass man sich als einzelner sowieso verloren fühlt.

    Trotzdem finde ich die Frage, wer denn hochwertiges Fleisch kaufen würde, ziemlich gut. Mal ein anderer Ansatz, die Leute zum Nachdenken zu bewegen.

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