Sonntag, 25. September 2011

das vegane Streitgespräch in voller Länge

Nachtrag zum Post von gestern: Das Streitgespräch "Vollveganer versus Halbzeitvegetarier" in der taz ist jetzt in voller Länge verfügbar




Ich schlage mich jetzt vollkommen auf Vagedes`Position; er ist nämlich gar nicht so radikal wie es zunächst schien:

Vagedes: Wenn jeder nur noch die Hälfte äße, wäre das auch für mich eine gute Botschaft, aber ich traue den Menschen mehr zu. 

Vagedes: Von der Halbzeitvegetarier-Kampagne geht das falsche Signal aus. Ich weiß nicht, ob sich Frau Rimpler darüber bewusst ist, dass die Flexitarier-Bewegung in den USA von den Lobbyisten der Fleischindustrie unterstützt wird. 

Flexitarier sind Menschen, die wenig Fleisch essen.
Vagedes: Nein, der Flexitarier oder Halbzeitvegetarier ist im Extremfall jemand, der einfach guten Gewissens weiter Fleisch isst. (...)

Vagedes: Wenn man Menschen sagt, sie sollen Halbzeitvegetarier oder Flexitarier werden, dann dient das letztlich dazu, die Leute einzulullen und ihre Veränderungsbereitschaft zu schwächen, damit alles so bleibt, wie es ist.(...)

 
Mit diesen Aussagen kann ich mich voll und ganz identifizieren 

Kommentare:

  1. Oh, kann ich die Zitate bei Facebook posten? Die sind unheimlich gut gewählt.

    Liebe Grüße
    Anna

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  2. @Anna
    die sind doch nicht von mir, sondern von Christian Vagedes im taz-artikel, also solltest du den artikel als quelle nennen. ich hab damit nix zu tun ;-)

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  3. Ist das Absicht, dass die letzten beiden Zitate identisch sind?

    Ich muss auch sagen, das ist ziemlich genau das, was ich denke. Sehr schön und vor allem sehr schlüssig, ich hoffe auch für nicht-Eingeweihte.

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  4. @Dani
    ups, da hab ich bei cop+paste mist gemacht, danke für den hinweis.

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  5. Hej! Ich schließe mich bes. den ausgewählten Zitaten auch an! Klar, ich versteh schon, was Katharina Rimpler "irgendwie" meint – aber es klingt schon recht nach Ausflüchten und hat einen schalen Beigeschmack à la "ach, es bringt ja eh nichts, die Realität ist halt so und alle Menschen sind lahm und deshalb werf ich meine Ideale aus dem Fenster statt konkretes Handeln zu fordern." Bzw. sie scheint ja ohnehin selbst nicht vegan werden zu wollen, auch nicht mit Hilfe ihrer eigenen Kampagne.
    Insgesamt finde ich das Gespräch angenehm un-aggressiv und empfinde es auch als gute provegane Botschaft – sie hätten ja auch mit einem mehr pro-flexitarischen Statement schließen können, zum Beispiel. Jetzt würd' ich mir noch wünschen, dass das Sz-Magazin und andere Formate das einfach mal 1:1 auch abdrucken würden^^

    Ts, das war's wieder mit meinem Blogbeitrag, ich bin einfach zu post-faul für diese Welt^^

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  6. Auch wenn diese Zitate ganz gut sind, nicht vergessen, dass Christian Vagedes und seine Organisation sehr umstritten sind unter vegan lebenden Menschen. Einige bekannte Aktivisten haben sich mit ihm in die Haare gekriegt, weil er (so sagen sie) seine Geschäfte sehr undurchsichtig, profitorientiert und autoritär führt und Kritik an ihm oder seiner Organisation entweder zensiert (zum Beispiel bei Facebookdiskussionen) oder Leuten mit Klagen droht. Auch der vebu beklagt, dass Vagedes und seine Organisation nicht in der Lage sind, auf Augenhöhe mit anderen Aktivisten zusammenzuarbeiten, sondern einen Absolutheitsanspruch in der Frage, was "richtig vegan sein" bedeutet, für sich beanspruchen. Ich kann die Kritik nicht hundertprozentig beurteilen, aber ich finde es auffällig, wie sehr die Diskussionen um die Intransparenz der VGD in den letzten Monaten zugenommen haben. Siehe z.B. das Interview mit B. Drohsin, das vor einigen Tagen über mehrere Seiten auf Facebook gepostet und diskutiert wurde.
    Schöne Grüße Katha

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  7. @ Katha, ja das haben wir auch schon so beobachten und vermuten können. Ich hab ihn auch in Dortmund gesehen, er hat neben uns gesessen und mit anderen Leuten geredet, da kamen so einige komische Sachen aus seinem Mund. Und die Diskussionskultur bei Facebook ist auch sehr seltsam. Ich glaub, deswegen ist das hier hervorgehoben, weil er hier ausnahmsweise mal sympathisch erscheint^^

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  8. Ich kann mich Katha auch nur anschließen, wenn ich mir die Debatten auf fb-Foren anschaue, erscheint mir die VGD schon fast wie eine Sekte, wo man keine kritischen Fragen stellen darf. Ich habe auch schon ein paar Leute über fb kennengelernt, die wirklich unschöne Dinge berichtet haben, die da intern gelaufen sind. Mich befremdet der Personenkult um Vagedes und die Vermarktung seiner Designprodukte sehr. Interessant finde ich, wie auf der taz-Seite selbst kommentiert wird. Ich meine jetzt nicht die überflüssigen Kommentare von beleidigten Omnis, sondern von sehr reflektierten Veganer_innen, die den Stil der VGD ebenfalls befremdlich finden, auch wenn sie natürlich aus vollem Herzen vegan leben. Mir liegt der Vebu auch deutlich mehr, auch wenn manche deren Ansatz zu relativistisch finden. Dennoch, Basisdemokratie u. Meinungsfreiheit sind hohe Güter, finde ich....

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  9. @Katha
    ich habe schon mehrmals erwähnt, dass ich der VGD und insbesondere CV (wobei das ja fast dasselbe ist ^^) sehr kritisch gegenüberstehe, v.a. aus den von dir genannten gründen. die aussagen im interview finde ich aber dennoch inhaltlich richtig.

    @LaMadame
    der VEBU ist für mich keine alternative; zum einen, weil die keine vegan-position vertreten sondern eher eine "tierquälerei ist okay, solange es nicht zu dolle ist", außerdem finde ich den vorsitzenden zösch ziemlich ätzend. und wo praktiziert der VEBU Basisdemokratie? wie es da in sachen meinungsfreiheit aussiehst, weiß ich nicht, weil ich das nicht so mitkriege, ob die ähnlich der VGD zensieren.

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  10. Ich stecke da noch nicht so tief drin, aber wenn z.B. stimmt, was Jerome Eckmeier (und andere) schreibt, der ja quasi von der VGD zum vebu gewechselt ist, dann wird beim vebu Basisdemokratie sehr hochgehalten. Ich verstehe, dass einem der Ansatz des vebu nicht konsequent genug ist im Hinblick auf vegan, aber die Führungsebene ist ja selbst geschlossen vegan und der Hauptunterschied ist die Frage des Ansatzes - Utopie vs. Strategie. Der vebu hat beispielsweise hier in Berlin erreicht, dass es jeden Tag in jeder der Mensen veganes Essen gibt u. an meiner Uni sogar eine komplett vegetarisch-vegane Mensa existiert, wo es jeden Tag mehrere vegane Gerichte gibt. Der vebu macht halt Lobbyarbeit mit allen Kompromissen, die dafür nötig, aber eben auch nervig sind. Dass der vebu langfristig auch Richtung vegan denkt, zeigen dort die Debatten: viele der vegetarischen Mitglieder sind sehr pikiert, dass der vebu oft schreibt 'für die noch vegetarischen Mitglieder' etc. u. damit klarmacht, wohin die Reise gehen soll. Ob man sich überhaupt mit einer dieser Gruppen identifizieren muss, ist ja die andere Frage - aber der vebu ist mir einfach sympathischer, weil ich eine gute u.v.a. offene Diskussionskultur wichtiger finde als alles andere.

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  11. @LaMadame
    Ich hab nicht so die Einblicke beim VEBU, kann ich mir bei so ner großen orga aber nicht vorstellen, dass die basisdemokratisch funktioniert, und ich hab jetzt auch in der vereinssatzung nichts von basisdemokratischen grundsätzen gelesen, sondern davon:
    "Konsensprinzip der Vereinsorgane, im nicht vermeidbaren Dissens Mehrheitsprinzip
    Hierarchisch organisierte, aber kollegiale und mit dem Ziel der Konsensfindung (siehe oben) gestaltete Entscheidungsprozesse"

    das ist alles andere als basisdemokratie.

    un mit der vegetarischen mensa in berlin hatte der vebu soweit ich weiß nix zu schaffen, dass war eine initiative des studentenwerks.
    und ich erinnere mich an eine umfrage+pressemeldung vom VEBU "in Deutschland leben 40 millionen teilzeitvegetarier": http://vebu.de/aktuelles/pressemitteilungen/977-aktuelle-forsa-umfrage-zeigt-in-deutschland-leben-ueber-42-millionen-teilzeitvegetarier

    Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des VEBU und der Firma Tofutown* kommt zu folgenden Ergebnissen:
    1. Deutschland kennt Tofu. Drei von vier Befragten (75%) geben an, Tofu zu kennen.
    2. Eine Mehrheit der Deutschen (52%) isst an drei oder mehr Tagen pro Woche kein Fleisch.


    das fand ich ziemlich dämlich, hab mich damals auch im blog drüber ausgelassen.

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