Sonntag, 18. September 2011

Allesesser, die aussterbende Spezies

Die Kellnerin hat es nicht leicht. Es ist ein wenig wie in der legendären Bestellszene des Films "Harry und Sally" - die Sache mit dem Extrateller -, nur in der Jetztzeit, also weit komplizierter. Mein erster Tischgenosse lässt sich die Speisen aufzählen, die frei von Gluten sind. Seine Nachbarin verlangt mit großer Ernsthaftigkeit nach der völligen Abwesenheit von Nüssen in ihrem Gericht, ihre Nachbarin wiederum möchte zwingend auf Laktose verzichten. Dass ihr Partner nur Vegetarier isst, nein: ist, führt zu einer spürbaren Entspannung der Bedienung, das ist geübte Praxis. Schließlich bin ich dran und sage, ich äße alles mit allem drin oder obendrauf - und fühle mich schrecklich altmodisch.

Quelle: Hamburger Momente bei welt.de

Stimmt eigentlich, ich kenn kaum einen, der wirklich alles isst. Selbst die Leute, die nicht auf Diät sind, denen der Arzt nicht irgendwas verboten hat, haben "ich mag keine Rosinen" oder "Igitt, Tomaten"-Macken.
Die meisten Veganer die ich kenne, sind in der Hinsicht eher unkompliziert; die führen schon Freudentänze auf, wenn sie überhaupt etwas Veganes kriegen, was das dann genau ist, interessiert eigentlich nicht.
Die mäkeligen sind eigentlich eher die Allesesser. Als Teenie war ich genauso, ich hab zwar prinzipiell Fleisch gegessen, aber nur in Schnitzel- oder Wurstform; halbes Hühnchen, Schweinshaxe o.ä. hätte ich nie angerührt. Obst habe ich auch nicht gegessen (also wirklich gar keins, nur als Saft ging's), Auberginen, Zucchini, Rosenkohl, Blattspinat, Tomaten habe ich auch kategorisch abgelehnt.
Das einzige was davon übriggeblieben ist, ist eine Abneigung gegen Avocado. Und auf Knoblauch und Zwiebeln verzichte ich auch weitestgehend, das aber eher aus Vernunftgründen ^^

Mir sind Leute, die am Essen rummäkeln, unsympathisch. Irgendwie finde ich es.... verwöhnt? verzogen? wenn man tausende Sachen ablehnt, weil sie einem nicht so toll schmecken bzw. gefallen. Hat irgendwie was von Prinzessin auf der Erbse. Andererseits: Wir leben im Wohlstand, wieso soll man sich nicht genau das aussuchen dürfen, was einem schmeckt? Wenn jemand einen Tomatensalat isst, obwohl er Tomaten nicht ausstehen kann, dann haben die Kinder in Afrika da auch nichts von.
Ich glaube ich bin auch ein bisschen neidisch, dass manche Leute es sich leisten können, Sachen nicht zu mögen, und sich aus der Speisekarte das beste rauspicken können. Stellt euch das mal vor; irgendwo hingehen, und ihr könnt ALLES essen, kaufen, trinken... Ich glaub ich wär gar nicht bereit für eine vegane Welt, das würde mich völlig überfordern ^^

Kommentare:

  1. Hm, das stimmt allerdings. Jedoch merke ich auch, wie unwählerisch ich mittlerweile geworden bin und ich bin ja noch ganz frisch "fast-vegan". Jedoch finde ich auch, dass diese eingeschränkte Auswahl irgendwie auch ganz angenehm ist und das Einkaufen geht deutlich schneller, da man bei vielen Sachen gar nicht erst überlegen muss, sie mitzunehmen.

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  2. Ich mag die geringe Auswahl auch. Vor ein paar Jahren war es sogar noch schlimmer - oder besser? Da hab ich nirgendwo veganes Fastfood oder großartig andere Süßigkeiten außer Marzipan-Zartbitter und Mr.Tom bekommen. Das war ein befreiendes Gefühl - zwar alles essen zu dürfen, aber nur innerhalb der neu gesetzten Grenzen. Kein "Dies oder jenes? Marke oder No Name? Das neue aus der Werbung oder das, was wir immer nehmen?" usw.

    Alles war schnell gefunden, und weil es von sich aus eher langweilig war, wurde man kreativ und hat selbst etwas am Herd gezaubert.

    Aber ich glaube, es wäre jetzt vermessen von mir, wenn ich mich ernsthaft über vegane Vielfalt beschwere ^^

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  3. Ich bin bereit für eine vegane Welt. *träum* Ich esse wirklich alles, außer vom Tier natürlich. Ein Freund von mir, der im Urlaub immer kochen will/muss meinte mal, mit dir habe ich es einfach, klare Regeln, aber die Anderen machen mich fertig. Der Eine isst keine Käse (auf der Pizza aber doch), der Andere keine Tomaten (Tomatensoße ja), den Käse ja, aber den dann doch nicht, furchtbar. Ab da wusste ich ... Veganer sind unkompliziert .... für Veganer und tolerante Menschen zumindest :)

    Ich bin natürlich auch der Meinung, was man nicht mag muss man nicht essen. Nur ich verstehe oft nicht, dass es abgelehnt wird überhaupt zu kosten, z.B. ein veganer Muffin oder Sprühsahne oder Soja-Gulasch usw.. Manchmal verziehen die das Gesicht, als ob ich Zitronen oder verschimmeltes Brot angeboten hätte :(((

    PS. Ich liebe auch Knoblauch und Zwiebeln und es gibt keine "Vernunftgründe" dagegen. Na gut, einige wenige :)

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  4. Tja, es war noch nie so einfach wie jetzt vegan zu leben. Das macht den Start um so einfacher.
    @Homeveganer: Einfach den Leuten die Muffins vorsetzen und garnicht erst erzählen, dass die vegan sind. Die vernigsten werden es merken. Nu dass die Muffins irgendwie anders sind vielleicht. Das Wort "vegan" an sich schreckt viele ab. Die Vorurteile sind leider noch präsent.

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  5. @Anonym Das Wort vegan schreckt leider wirklich ab :( Meinen Neffen wurden auch manchmal so komische Sätze gesagt wie: "Probier mal die Soja-Milch, ich habe gerade keine richtige Milch" :) Da ist doch die Ablehnung vorprogrammiert. Also ich würde das nie so formulieren. Ich würde aber auch nie jemanden Essen "unterjubeln". Sonst geht es mir auch mal so und jemand sagt hinterher, jetzt hast du aber Ei gegessen oder es war Sahne an der Soße.

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  6. "Dass ihr Partner nur Vegetarier isst"

    *waaaaaah* die Omnis schlagen zurück...

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  7. @Homeveganer: Die Geschichte mit deinem Freund finde ich interessant. Aber er hat absolut recht. Was ein Veganer isst, ist prinzipiell schnell beschrieben.
    Als "unterjubeln" empfinde ich es aber nicht, wenn man nicht ausdrücklich darauf hinweist, dass etwas vegan ist. 1. Wissen in meinem Umfeld die meisten Menschen, dass ich vegan lebe und können davon ausgehen, dass in den Muffins keine Eier drin sind.
    2. Wenn ich davon ausgehe, dass der andere grundsätzlich z.b. Soja-Milch zu sich nehmen würde, brauche ich ihn auch nicht ausdrücklich darauf hinweisen, dass Soja-Milch drin ist.
    Wenn ich aber weiss, dass jemand z.B. keine Eier essen möchte und ich das dann verschweige ist das für mich schon etwas anderes.

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  8. @homeveganer
    es ist doch kein "Unterjubeln", wenn du jmd verschweigst, dass keine milch drin ist! mir persönlich ist es ja auch egal, ob ein brot glutenfrei gebacken ist, oder ein kaugummi zuckerfrei. höchstens bei koffeinfreiem kaffee würd ich sauer werden ^^

    @Cara
    ich glaub das hat der autor irgendwie anders gemeint *g*

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  9. "Mir sind Leute, die am Essen rummäkeln, unsympathisch."

    Mir auch !

    Und am unsympathischsten sind mir die gemeinen Veganer, die vorzugsweise am Essen anderer, omnivorer Leute rummäkeln. Von wegen "Tierleid" und sonstiger Blödsinn...

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  10. @Anonym
    das ist kein mäkeln a la "bäh, das schmeckt mir nicht", sondern kritik an tierquälerei

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  11. Gibt es eigentlich tatsächlich Leute, denen so langweilig ist, dass sie sich eindeutig vegane Blogs durchlesen, obwohl sie selbst Fleischesser sind und offenbar auch nichts für Veganer übrig haben oder überhaupt offen für diese Lebensweise sind? Und dann sinnlose, manchmal beleidigende oder blöde Kommentare verfassen?
    Ist mir schon öfter in verschiedenen veganen Blogs aufgefallen und wundere mich doch echt immer wieder...

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  12. @Faena
    gibt es. ich verstehs zwar nicht so ganz; ich schreib schließlich auch nicht bei nem metzger-blogger oder nem mcdonalds-blogger, aber jedem tierchen sein plaisirchen.
    ich finds aber wichtig, dass man sowas nicht unterbindet, das erweckt den eindruck, veganer würden keine anderen meinungen zulassen

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