Sonntag, 14. August 2011

Bio ist kein Heiligtum




"Bio ist teurer, aber Bio beruhigt das Gewissen" hieß es in dem schon etwas älteren Panorama-Beitrag.Warum?

  • Chemische Pestizide sind bei Bio erlaubt, aber ohne Behandlung geht es nunmal nicht, deswegen wird das "Naturprodukt" Kupfer gespritzt. Kupfer kommt zwar in der Natur vor, ist aber ein giftiges Schwermetall.
  • Die Hühnerhaltung ist an der Auslastung des LKW orientiert, Bio-Betriebedürfen Tausende von Hühner halten - Nach Aussage eines Landwirts ist bei einer solchen Größe keine artgerechte Haltung mehr möglich (Anmerkung: Hühnerhaltung kann NIE artgerecht sein)
  • Zum Schluss wird eine Studie zitiert, nach der Bio nicht wirklich gesünder ist als konventionell.

Fazit: Bio ist zwar besser als konventionell, aber die Erwartungen daran sind viel zu hoch.

Die Leute stellen sich vor, dass die Schachtel Bio-Eier, die im Supermarkt steht, von einem idyllischen Bauernhof im Grünen stammt, wo 10 Hühner zwischen Traktor und Gemüsebeet frei herumlaufen; aber ganz
bestimmt keinen Massenbetrieb mit mehreren Tausend Hühnern.

Ich will Bio nicht schlechtreden, Panorama betont auch immer wieder,dass sie dies gar nicht wollen. Aber man sollte wissen was Bio bedeutet, und dann entscheiden, ob man 1. den meist deutlich höheren Preis dafür
zu zahlen bereit ist, und 2. ob man diese Produkte überhaupt konsumieren möchte, wenn man eine Alternative hat.
Geht es einem wirklich um das Wohl der Tiere, dann kann man meiner Meinungnach nur zu dem Schluss kommen, dass Bio eben NICHT ausreicht: dieTiere werden auf zu engem Raum gehalten, können ihren natürlichen Bedürfnissen nicht genug nachkommen und sind keinesfalls immer draußen im Grünen. Stallhaltung ist auch bei Bio üblich, es gibt lediglich einige Auflagen mehr als bei der konventionellen Haltung (mal abgesehen von dem Tierrechtsgedanken).Und nicht zu vergessen: Auch Biofleisch setzt die Tötung eines
Tieres voraus, daran kann Bio nichts ändern.

Von daher ist Bio nur eine scheinheilige Art, sich ein ruhiges Gewissen zu erkaufen.


In dieselbe Richtung geht auch der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer in seinem Beitrag im Deutschlandradio. Der Typ ist bekannt für seine Polemik und vertritt gerne mal ne komplett andere Meinung als die anerkannte Wissenschaft, deshalb sind seine Statements mit Vorsicht zu genießen. Diesmal greift er aber hauptsächlich die Kritik der Fachpresse der Biobranche auf, insofern scheint schon was dran zu sein:

Sachdienliche Hinweise gibt ein aktueller Beitrag von Ute Knierim von der Uni Kassel, sie ist dort Professorin im Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften. Sie schreibt, es gäbe Betriebe, die ganz legal ihren Kühen den Weidegang verweigern, ja sogar die Anbindehaltung würde noch praktiziert. Sie beklagt "die Mast schnell wachsender Puten, die Ferkelkastration oder das Ausbrennen der Hornanlagen bei Kälbern ohne Betäubung." Alles ganz legal - denn auch der Biolandbau hat seine juristischen Schlupflöcher. Das hilft, die Preise für Bioprodukte niedrig zu halten.

Nicht viel besser geht es den Ökohühnern. Ute Knierim fragt, was der Kunde wohl sagen würde, wenn er wüsste, dass in Biobetrieben Ställe mit 3000 Legehennen stehen. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, würde sie nicht Biobetriebe erwähnen, in denen die Anzahl der Hennen "noch viel höher liegt". Wie hoch, darüber schweigt der Dichterin Höflichkeit. Nun wäre auch das nicht wirklich kritikwürdig, wenn es nicht gerade bei den angeblich glücklichen Hennen zu Federpicken und Kannibalismus käme, zu gebrochenen Brustbeinen und zu erhöhten Sterblichkeitsraten - höher als bei konventioneller Haltung.


Passend dazu die Warnhinweisschilder der VGD:





Kommentare:

  1. Ich kaufe "fertige" Obst & Gemüsetüten im Bioladen. Da sind auch hin- und wieder Äpfel mit Schorf dabei. Mich persönlich stört das nicht so sehr, aber wahrscheinlich wären die im Laden unverkäuflich, oder? Was ist so schlimm daran, dass sogar Bio-Bauern spritzen "müssen"? Wird da sonst die halbe Ernte vernichtet? Keine Ahnung, ich bin in der Stadt groß geworden.

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  2. @Homeveganer
    das problem ist ja nicht, DASS gespritzt wird, sondern dass es mit chemikalien gemacht wird, die teilweise schädlicher sind, als die pestizide, die konventionelle landwirte verwenden. und das ganze dann noch unter diesem "unsere äpfel gedeihen nur mit luft und liebe"-deckmantel.

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  3. Wie kommst du darauf, dass die "Chemikalien" schädlicher sind als die Pestizide? Bei konventionellen Zitrusfrüchten lese ich immer wieder: "Früchte nicht in Cocktails geben, Schale kräftig abrubbeln, Hände nach dem schälen waschen". Bei Bei Bio-Früchten habe ich solche Warnungen noch nie gelesen.

    Das es verschwiegen wird, da hast du natürlich Recht. Irgendwo kann man es vielleicht nachlesen, aber ich wusste bis heute nichts davon. Ich sollte nicht so oft in deinem Blog mitlesen ;-)

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  4. also Kupfer in den Mengen ist nicht unbedingt gesund... und nur weil nicht gewarnt wird, heißt das nicht, dass es unbedenklich ist - ich hab nämlich noch nie bei orangen/zitronen o.ä. was gelesen von wegen warnhinweis. noch nicht mal auf bananen steht sowas, und die sind ja echt krass giftig.

    theoretisch kann man die ganze bio-verordnung nachlesen, aber wer macht das schon...

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  5. Ich muss zugeben mich eigentlich nicht an Bio oder nicht Bio zu orientieren. Ich bemühe mich saisonal und so regional wie möglich einzukaufen. Denn in der Saison gibt es auch Obst/Gemüse in Bioqualität, ohne das ein Siegel draufprangen muss.
    Ich finde es ätzend, wenn Leute sich ihre Bioäpfel aus Chile einfliegen lassen, wo es welche aus Deutschland gibt.

    Ich muss dir Recht geben, viele lassen sich blenden. Und ich höre gerade bei Fleisch und Co. immer wieder "Na die habens aber trotzdem besser als normale Kühe!"...oder "Da haben sie wenigstens ein schönes Leben gehabt!"...ach ja. Manchmal bin ich kurz vorm Resignieren.

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  6. danke für diesen kritischen beitrag. ich denke, das problem mit bio ist, daß bio für alle eben nur vegan funktionieren würde. und daß bio das gewisen beruhigt und ein image bedient.

    die meisten leute wissen z.b. nicht, daß sich nur "bio" nennen darf, was auf einem zuvor zehn jahre nach bio-maßstäben bewirtschafteten stück erde gewachsen ist. für die meisten landwirte bedeutet bio einen irren aufwand (mit ebenso irren kosten verbunden), und darauf haben sie schlicht keine lust. ich weiß das, weil ich mit unseren regionalen landwirten hier gespräche suche. einer erzählte mir, ALLE kartoffelpflanzen in deutschland würden gespritzt, weil ansonsten der kartoffelkäfer die ernte vernichtet. er selbst nähme dafür eine jauche aus vergorenen tomatenblättern, aber das alles sei nicht bio, weil eben nicht zertifiziert. die tomatenblätter wachsen aber ungespritzt in seinem garten, btw. das halte ich für irrsinn.

    ich jedenfalls kaufe lieber diese seine kartoffeln als zertifizierte bio-kartoffeln aus peru. nur mal so als beispiel.

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  7. @Saskia
    ich hatte auch erst die überschrift "Nein, Bio ist KEINE Alternative!", weil eben ganz oft das "Argument" kommt, man könne ja bio kaufen, da würde es den tieren gut gehen. und vergessen wird, dass auch da die kälber ein paar tage nach der geburt den müttern entrissen, enthornt, und die männlichen meist geschlachtet werden...

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  8. Die Warnhinweis-Schilder finden wir wirklich gut - sollten in den Bioläden bei den genannten Lebensmitteln hängen - zur Info...

    Bio kann eine Alternative sein - halt nur nicht zu den tieischen Produkten... eher zusätzlich zu einer veganen Ernährung - dann versuchen regional/biolog. Produkte zu kaufen/unterstützen (z.B. bei Obst/Gemüse) finden wir durchaus sinnvoll :)

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  9. @NarCantys
    ja, so war das eigentlich auch gemeint, dass bio halt nur keine alternative zum veganismus ist - was getreide, gemüse, usw. angeht ist bio immer noch sehr sinnvoll.

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