Mittwoch, 10. August 2011

lasst euch nicht verarschen... Studien und Gentechnik

Die Meldung "Wes Brot ich ess..." gibts schon länger, aber ich habe sie jetzt erst in der August-Ausgabe der Schrot&Korn (die übrigens einige vegane Zucchini-Rezepte zu bieten hat) gelesen:


Studien, die von Wissenschaftlern verfasst wurden, die Agro-Gentechnikunternehmen nahe stehen, fallen zugunsten der jeweils untersuchten gentechnisch veränderten Organismen (GVO) aus. Zu diesem Ergebnis kommen portugiesische Wissenschaftler. Sie hatten für ihre in der Fachzeitschrift Food Policy veröffentlichten Arbeit insgesamt 94 Studien unter die Lupe genommen, die sich mit Gesundheitsrisiken oder dem Nährwert gentechnisch veränderter Produkte befasst hatten.
Von diesen 94 Studien ließen 80 ihren Untersuchungsgegenstand in einem positiven Licht erscheinen, zwölf kamen zu einem negativen Ergebnis und zwei waren neutral. An 41 Arbeiten war mindestens ein Mitarbeiter eines Biotech-Unternehmens beteiligt, das an dem GVO ein kommerzielles Interesse hatte. Alle diese Arbeiten fielen positiv aus. Bei den meisten von ihnen fand sich kein Hinweis auf die wahrscheinliche finanzielle Unterstützung durch das Unternehmen. Bei Studien, deren Finanzierung offengelegt war, kamen die Gelder zum größten Teil aus nicht-industriellen Quellen. Dazu zählten staatliche Forschungsprogramme, Universitäten und Stiftungen.
Acht der zwölf Studien mit negativen Ergebnissen (und die zwei neutralen) wurden ausschließlich durch solche nicht-industriellen Geldquellen gefördert. Bei drei von ihnen war die Herkunft der Mittel nicht deklariert. Nur eine Studie mit GVO-nachteiligen Ergebnissen war von einem Industrieunternehmen finanziert worden. Bei allen negativen und neutralen Studienergebnissen waren die Wissenschaftler nicht mit den Industrieunternehmen verbandelt.
Die portugiesischen Forscher kommen zu folgendem Schluss: „Die Ergebnisse zeigen, dass berufliche Verbindungen oder direkte finanzielle Unterstützung wahrscheinlich das endgültige Ergebnis solcher Studien im Sinne des kommerziellen Interesses der involvierten Unternehmen beeinflussen.“

Quelle: Genfoodneindanke


Ich glaub das ist nicht nur bei Gentechnik so - Man denke an die Studien, die besagen, dass Milchtrinker schlanker sind, Milch die Knochen stärkt, Schokolade gegen Herzinfarkt hilft, Kinder gesünder sind wenn sie Babynahrung mit Fleisch bekommen usw.
Hinter vielen Studien stecken auch kommerzielle Interessen; seien es die Wissenschaftler, die um bekannt zu werden, auf Teufel komm raus irgendeine spektakuläre Erkenntnis publizieren wollen, oder ein Hersteller, der seine Produkte vermarkten will, oder ein Verband, der seine Interessen stärken will.

Von daher sollte man "Eine neue Studie besagt, dass...."-Berichte immer kritisch lesen, und hinterfragen, ob da nicht der ein oder andere Fakt ausgelassen wurde, die Studie vielleicht nur ein paar Teilnehmer hatte (oder sogar gar keine, und nur Versuche mit Ratten gemacht wurden), oder nur ganz bestimmte Aspekte beleuchtet, andere aber völlig außer acht gelassen wurden. Was die Medien auch gerne machen, ist, nur einen Teil der Studie wiederzugeben, z.B. "Forscher entdecken: Fleisch ist ungesund" - dabei stand in der Studie, dass nur rotes Fleisch in größeren Mengen für Krankheiten und eine höhere Sterblichkeit sorge, nicht aber weißes Fleisch.
Und auf fast jede Studie kommt mindestens eine Gegenstudie, die das genaue Gegenteil besagt: Soja ist mal gesund, hilft gegen Brustkrebs, Arthrose und Lungenleiden, dann verursacht es Darmkrebs, macht unfruchtbar und dement.

Da sollte man sich nicht verrückt machen lassen, und seinen gesunden Menschenverstand nicht ausschalten. Und der sagt, dass Gentechniken nicht nur gesundheitliche Risiken birgt, sondern v.a. die Natur zerstört!

Kommentare:

  1. Kritisch finde ich ja auch den Aspekt der unergründeten Komplexität. Man greift in Vorgänge und Gegebenheiten ein, die man gar nicht vollständig versteht. Das kann für die Pflanze und für das umgebende Ökosystem im großen sowie im kleinen fatale Folgen haben.

    Ich habe auch längst aufgehört mich von diesen Sprüchen "Eine neue Studie bla bla" aus der Ruhe bringen zu lassen. Leider denkt man heute, wo Wissenschaft dran steht, ist Objektivität und die Wahrheit drin. Das ist ja leider nicht der Fall. Aber schlechte und Pseudowissenschaften sind ein interessantes Thema.

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  2. Ist für mich jetzt nichts Neues, da ich mich im Rahmen Ernährung, Diätindustrie und Co. schon länger damit befasse. Da ist es nämlich auch so, dass die "Übergewicht ist ja sooo ungesund" bzw. "Dicke haben x und y" immer von Leuten in Auftrag gegeben werden, die an der geschürten Angst der Menschen kräftig mitverdienen. Völlig neutrale, wissenschaftliche Studien sind immer noch eine Seltenheit, leider. Man muss sich langsam von dem Gedanken verabschieden, dass Wissenschaftler, Gesundheitsforscher und Co. immer nur "unser Bestes" wollen...Kohle wollen sie, mehr nicht.

    Skeptisch bin ich generell auch bei Erkenntnissen, die von sagen wir mal Labormäusen direkt 1:1 auf den Menschen übertragen werden.

    Zum Bsp. habe ich neulich gelesen, dass ein angebliches "Dickmacher Gen" gefunden worden ist. Es sei Mäusen eingepflanzt worden und dann sei herausgefunden worden, dass Mäuse mit ein und demselben Dickmachergen trotzdem nicht zu 100% übergewichtig werden, die eine Maus durfte so viel fressen wie sie wollte und die andere bekam rationiertes Futter. Die Völlereimaus wurde dick, die andere blieb schlank.

    Daraufhin wurde auf den Menschen geschlussfoldert, dass Diäten ja voll was bringen. Man müsse nur seine kcal Aufnahme reduzieren und würde trotz genetischer Vordisposition rank und schlank. Natürlich wurde die Studie von einer Diätgesellschaft bezuschusst, welch Wunder.

    Dass die Mäuschen sich nicht mit gesellschaftlichem Druck, Stress, psychischen Problemen, Unverträglichkeiten, organischen Schäden etc. rumplagen mussten, die zu Übergewicht beim Menschen beitragen, wurde mal unter den Tisch gekehrt.

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