Mittwoch, 17. August 2011

die VGD hat's auch geärgert

... und ne Stellungnahme zu dem Vegetarier-sind-alledoof-taz-Beitrag, über den ich gestern gebloggt habe, veröffentlicht: 


guten tag frau seeliger,
sie schreiben ernsthaft über tierrechtler_innen: »diese üblen gesell_innen verbreiten gedankengut, das dem prinzip der würde des menschen und dem der gleichheit diametral widerspricht.«
es ist genau umgekehrt. ethische veganer_innen und tierrechtler_innen erweitern die würde des menschen um die würde der tiere. bitte überlegen sie noch einmal genau: tiere empfinden wie menschen schmerzen, sie leiden und sie können lieben. sie wollen ebenso leben und lieben wie wir.
schon heute stimmen die meisten mitmenschen in unserer gesellschaft dieser aussage zu. wir ethischen veganer_innen helfen dabei, das mitgefühl zu den tieren auf die bisherigen (aus)nutztiere zu erweitern. wir bringen liebe in die kühlschränke.
mit dem verweis auf peter singer werfen sie alle tierrechtler_innen und veganer_innen in einen topf. mir missfallen die euthansie-aussagen von singer ebenso wie ihnen und der mehrheit der vegan lebenden menschen und tierrechtler_innen, die ich kenne. aber ihre beleidigungen empören mich ebenso. der spiegel nannte singer einen »kaltherzigen vordenker«. ihre aussagen sind eher gedankenschwach, aber ebenso kaltherzig.
meinen sie das wirklich ernst, dass das »gerede« von vegan nicht angebracht sei in zeiten, in denen menschen in somalia hungern?
für mich war es gerade auch ein wichtiges weiteres argument, auf alle tierlichen produkte zu verzichten, solange alle 15 sekunden ein menschenkind an hunger stirbt. weil wir lieber milliarden unglückliche masttiere füttern, die wir zur welt zwingen, als menschen, die nicht hungern bräuchten, zu ernähren. auch hier drehen sie die sache auf den kopf.
sie diffamieren mit ihrer kolumne mal eben über eine halbe millionen menschen allein in der bundesrepublik als »kinderideologen«. ihre aussage, unser idealismus sei »faschistische ideologie« ist ebenso beleidigend wie primitiv. oder hat die redaktion aus versehen ihren text zum 1. april in der kolumne abgedruckt?
was haben wir ihnen denn getan, dass sie sich zu so etwas hinreißen lassen? wem wollen sie damit gefallen? kann es sein, dass sie sich alles ein bisschen leicht machen?
ist es nicht in wirklichkeit so, dass sie selbst ein schlechtes gewissen haben, indem sie uns als spinner abstempeln, damit sie weiter gedankenlos tiere verspeisen können, weiterhin das leiden von menschen und tieren ausklammern? oder hat man ihnen auf einem bauernhof schon in kindheitstagen jegliches mitgefühl mit tieren abtrainiert?
ihre kolumne erinnert nicht an emanzipativen, alternativen journalismus, sondern eher an das genaue gegenteil davon. aber wenn sie das nächste mal mehr auf ihr bauchgefühl hören, machen sie bestimmt auch gedanklich fortschritte. denn die welt wartet darauf, vegan zu werden. angesichts von 7 milliarden menschen bleibt uns auch gar nichts anderes mehr übrig. ich bin richtig froh, dass ihr leser cem özdemir das vor kurzem klar zum ausdruck gebracht hat.
herzliche grüße
christian vagedes
gründer der veganen gesellschaft deutschland e.v.


Ich mag die VGD ja nicht immer, aber da kann ich mich voll und ganz anschließen!


edit 18.August: Die VGD hat beim Presserat Beschwerde eingelegt. Das finde ich nun doch etwas albern. 

Kommentare:

  1. Ja, ich mich auch!

    Mehr kann und muss man dazu nicht sagen!

    Danke dafür!

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  2. Dass Verrückte ist, dass sie anscheinend selbst keine Tierprodukte konsumiert (Veganerin will ich sie trotzdem nicht nennen, da sie Tiere anscheinend doof oder was weiß ich findet):
    http://julia-seeliger.de/spunk-und-die-tiere/ (steht ganz unten)

    Der Text von der vgd ist gut, ich habe aber ehrlich gesagt in letzter Zeit auch ein immer unwohleres Gefühl bei denen. Hm Hm.

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  3. Was aktuelles habe ich hier im zweiten Kommentar gefunden: http://seeliger.cc/2011/i-love-weise-kaninchen/
    Sie war mal Veganerin, isst jetzt wieder Fleisch.

    LG

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  4. Okay, das sind ja oft die, die dann besonder kippen.
    Quasi nach dem Motto *ich habs nicht gepackt, dann MUSS es doof sein*.

    Mneme, woher kommt dein ungutes Gefühl?
    Oder magst du das nicht öffentlich sagen?
    Wenn du magst, kannst du bei mir im Blog kommentieren, dann lasse ich es unveröffentlicht.

    Der Begriff *ethischer Veganer* ist mir neu...aber ich finde ihn eigentlich ganz gut, weil ich in letzter Zeit immer mal wieder Anfragen von Mädels hatte, die nur vegan werden wollten, weil sie hoffen, dass sie davon schlank werden. ^^ Ich mein, ich bin zwar froh über jeden Veganer, aber nur als *It-Girl-ich-will-schlank-sein-Lifestyle nervt es mich dann irgendwie auch.
    Ich bin wohl nie zufrieden ^^
    Liebe Grüße
    Kris

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  5. ganz ehrlich ? ich versteh die Aufregung nicht... ignoriert diese Leute, sie sind die Energie und Aufmerksamkeit nicht wert... Und mit diesem Rummel sorgen wir noch dafür das der Dreck erst richtig breit getreten wird...

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  6. mal im ernst: die frau ist echt eine komische journalistin und person. Hat offensichtlich gute Gründe, warum sie "nur" für die taz und nicht für seriösere Zeitschriften schreibt.

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  7. @Rohzustand
    Ich kann dir ja mal erklären, was ICH an der VGD kritisch sehe:

    - die Kleinschreibung: nervt und ist albern. ziemlich peinlich. und vagedes ist in der hinsicht ziemlich verblendet, zitat: "was die kleinschreibung angeht: nur wenigleser_innen behaupten, dass sie das lesen erschwert. auch das haben wir vorher erprobt und uns von verschiedenen fachleuten bestätigen lassen. übrigens sind es insbesondere germanist_inn_en, die uns in sachen konsequenter kelinschreibung unterstützen. und unsere begründungen (vom begründer der germanistik) als nonsens zu bezeichnen ist selbst nonsens. haben engländer und amerikaner probleme, ihre texte zu lesen? denn großbuchstaben gibt es hier nur sehr wenige. schon aufgefallen?"
    nachzulesen zb hier: http://pepperann.blogsport.de/2011/06/08/vegane-gesellschaft/

    - der Kinospot den die VGD gemacht hat: an sich ja okay, nen Spot zu produzieren, aber Spenden dafür sammeln dass er in die Kinos kommt ist nicht nur blauäugig, sondern Geldverschwendung! mit dem Geld könnte man alle möglichen anderen Kampagnen fahren, die tausendmal sinnvoller sind.

    - die Strategie, fast wöchentlich eine neue grellbunte Seite mit möglichst vielen Flash-Grafiken zu schalten ist unseriös

    - die Berichterstattung zu EHEC war unseriös: wenn man keine Ahnung hat, sollte man auch nicht publizieren

    - der personenkult um christian vagedes. er ist zwar ganz nett, aber man könnte meinen, die VGD besteht nur aus ihm! nie hört man was von den anderen; er gibt ganz klar vor was läuft.

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  8. @vegane Freude
    "nur für die taz"??? die taz ist eine der besten zeitungen die es gibt! die einzige die etwas links angehaucht ist, und auch mal unangenehme themen bringt. da erscheinen auch öfter vegetarisums/veganismus-freundliche artikel.

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  9. @Mausflaus ich mag die taz nicht mehr, finde die haben in den letzten Jahren wirklich extrem nachgelassen. Was schade ist, aber ich nehme die nicht mehr als wirklich seriöse wahr.

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  10. @ Rohzustand, ich kann mich da in vielen Punkten Mausflaus anschließen. Ich finde, dass dort durchaus gute Arbeit geleistet worden ist/wird, vor allen Dingen was die Öffentlichkeitsarbeit betrifft. Deswegen will ich die auch gar nicht so sehr schlecht reden. Aber mir stoßen einige Formulierungen und und auch Töne manchmal unwohl auf. Der Buchtitel von Vagedes "Veg up (ok, ganz witzig, aber:) die Veganisierung der Welt" hat schon in meinen Augen etwas Sektenartiges (a la "wir haben die Wahrheit, kommt alle her") und kommt vor allem nach Außen gar nicht gut an. Meist überheblich, übertrieben, arrogant und kompromisslos. Deswegen bin ich da vorsichtig.
    Aber stört mich das nicht, das so zu sagen, ich behalte mir vor angemessen kritisieren zu dürfen :) Und wie gesagt, ich verfolge auch die Positiven Aspekte und Engagements.

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  11. @veganefreude
    Leider haben alle Zeitungen deutlich nachgelassen, oder fällt dir eine ein, die besser ist als die taz?

    @Mneme
    ich find die VGD insgesamt auch immer noch gut, weil sie eben viel öffentlichkeitsarbeit machen, nicht so radikal/polemisch sind wie peta, und das bild eines "freundlichen veganers" vermitteln. aber es gibt eben auch die aufgezählten kritikpunkte, und noch einige mehr...

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  12. @Mausflaus, ja und wie man sieht, diese Pressenbeschwerde... Vielleicht ist es sogar gerechtfertigt, was weiß ich, ich kenn mich da auch gar nicht aus. Aber ernstgenommen wird man so nicht, so wird man eher als nörgelnder Quälgeist wahrgenommen. Eine Stellungnahme, bzw ein offener Brief an die Seeliger hätte meiner Meinung nach gereicht und fertig.

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  13. Also, ich lese nach wie vor gerne die ZEIT, habe sie auch seit 4 Jahren abonniert. Ist natürlich keine Tageszeitung, aber die hat für mich noch immer das beste Niveau. Liest du noch eine Wochenzeitung oder nur die taz?

    Ich finde es irgendwie schade, dass es keine Tageszeitung mehr gibt, die ich unterstützen wollen würde

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  14. @Mneme
    den offenen brief find ich gut und richtig, aber die beschwerde beim presserat ist so ein bischen mit kanonen nach spatzen schießen... und das kann ja nicht vegan sein ^^

    @veganefreude
    die zeit ist zwar gut, aber doch sehr gemäßigt. nach kapitalismuskritik, ökologischen statements und regierungskritik sucht man da vergebens (jedenfalls keine so scharfe kritik wie bei der taz).
    ich hab früher gern die frankfurter rundschau gelesen, aber die ist von einem ehemals stark grünorientierter tageszeitung zu einem langweiligen boulevardblatt geworden. wirklich schade.

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  15. '...konsequenter kelinschreibung...' da zeigt sich die Befähigung ja schon.
    Ich mag komplette Kleinschreibung auch nicht, den VGD finde ich albern und nun - dank der Presseratbeschwerde - noch alberner. Danke dafür.

    Und die ungemein fähige Redakteurin ignorier ich mal, weil die mehr nicht verdient hat.

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