Sonntag, 3. Juli 2011

Schächtverbot in den Niederlanden

In den Niederlanden ist gerade ein Schächtverbot beschlossen worden. Die ganzen Veganer/Tierschützer/Tierrechtler haben sich natürlich drüber gefreut. Nennt mich paranoid, aber mein erster Gedanke war "So hat das bei Hitler damals auch angefangen". Mein zweiter Gedanke war, wie verlogen und scheinheilig das Schächtverbot ist. Gerade in den Niederlanden stehen einige Tierfabriken, wo Tiere auf engstem Raum ohne Tageslicht in riesigen Mastställen gehalten werden, und dann womöglich noch auf mehrstündige Tiertransporte geschickt werden. Und dann regt man sich drüber auf, dass es eine kleine Gruppe von Menschen gibt, die Tiere töten, ohne sie zu betäuben? Man hat keinerlei Bedenken, Tiere ihr ganzes Leben lang zu quälen, aber wenn s darum geht, dass Tiere ohne Betäubung geschlachtet werden, empört man sich. Als ob's auf die zwei Minuten Todeskampf dann noch ankommt. Mal ganz abgesehen davon, dass auf herkömmlichen Schlachthöfen oft nur stümperhaft betäubt wird; der Elektroschocker wird oft falsch angesetzt, Bolzenschüsse gehen daneben, und das Wasserbad mit Strom, durch das Hühner gezogen werden, erreicht seinen Zweck auch oft nicht, wenn die Hühner am Band rumzappeln.

Einen sehr lesenswerten Kommentar, der genau meine Meinung trifft, hat Hilal Sezgin, eine publizierende Türkin und Veganerin in der taz verfasst:


Es gibt keine sanfte, "humane" Tötung von empfindungsfähigen Lebewesen, die leben wollen. Die Tiere werden von ihren Familien getrennt, in Enge transportiert und - egal ob schonend, betäubt oder nicht - ihres Lebens beraubt!
Genau darüber sollten wir streiten. Grundsätzlich. Nicht auf dieser Pipifaxebene, auf der deutsche Tierschutzvereine regelmäßig gegen das Schächten wettern und auf ihren eigenen Sommerfesten teilweise noch Würstchengrill anbieten! Und nicht so frömmelnd wie manche Muslime, die schwärmen, die Tiere bekämen doch vorher noch die "Basmallah"-Segensformel ins Ohr geflüstert.
Es ist typisch für rassistische und ausgrenzende Diskurse, dass sie andere in vermeintliche Zwickmühlen zwingen. Ich plädiere dafür, sich nicht darauf einzulassen. Stattdessen: ein gesetzliches Ja zur Gleichberechtigung der Religionen - und ein moralisches Nein zum Fleischessen. Wir können beides haben - und beides brauchen wir genauso dringend.


Quelle: taz

Kommentare:

  1. Tja, das Schächtverbot kam vor allem dadurch zustande, dass Leute wie Geert Wilders und seine Partei der Freiheit öffentlich gegen die 'Islamisierung Europas' kämpfen und Halal-Fleisch eigentlich nur von Muslimen gegessen wird. Sie meinten zwar, ihnen ginge es vor allem um die Tiere, aber erstens haben Juden ähnliche Schlachtvorschriften und zweitens wollen sie doch bloß erreichen, dass Muslime in ihrer Religionsausübung eingeschränkt werden...
    Aber ich finde, ein Schächtverbot ist zumindest ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

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  2. Ich fühle mich unwohl dabei. Da werden Tierrechte für Volksverhetzung instrumentalisiert. Klar halte ich so oder so nichts von Schächtung, aber im Endeffekt ist das den Politikern doch schnurzpiepegal. Insofern geht es mir wohl ähnlich wie dir.

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  3. Bietet dieses Gesetz nun die Möglichkeit, konventionelle Schlachthöfe anzuzeigen, weil die Betäubung dort ja oft auch nicht funktioniert und das ja jetzt plötzlich "illegal" ist?

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  4. Hast du irgendwo auch mal nichts zu meckern?
    Sei doch froh das überhaupt was passiert, nichts ist dir gut genug, das ist echt anstrengend!

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  5. Ich als Tierrechtler sage ganz klar, dass es keine humane Tierermordung gibt, aber das Schächten ist der Gipfel der Grausamkeit.
    Tierfabriken UND das Schächten, sowie jegliche Tierquälerei gehört verboten. Es ist grundfalsch, dass der Autor andere Tierquälereien zugunsten des grausamen Schächtens abwiegt.
    Übrigens, die Mehrzahl der Tiere die geschächtet werden, haben Tiertransporte und Massentierhaltung hinter sich.

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