Dienstag, 29. März 2011

SpiegelTV-Reportage über Vegetarier enttäuscht

Danke für eure zahlreichen Kommentare! Im Wesentlichen habt ihr schon alles dazu gesagt; im Großen und Ganzen war die Reportage wie erwartet enttäuschend.


Los ging's mit der Autorin von "Kein Steak ist auch keine Lösung", die das ist was ich als "Bambi-Vegetarierin" bezeichne. Sie berichtet von dem traumatischen Erlebnis, als ihr Kaninchen irgendwann nicht mehr im Stall war, und die Eltern irgendwelche Ausreden dafür erfunden haben. Ihrer Meinung nach bringe Vegetarismus aber nix fürs Klima, halt nur für die niedlichen Flauschis.

Anschließend wird im Rahmen des Themenkreises "Hardcore-Vegetarier" über Vantastic Foods berichtet, einen veganen Versandhandel. Ein paar der Fleischersatz-Produkte werden dann einem Gourmetkoch gezeigt, der natürlich entsetzt ist. Lustig war; dass er das Zeug roh kostet, und natürlich entsetzt ist. Ähm, ja, dass so etwas roh nicht schmeckt und Gummi-Konsistenz hat, liegt in der Natur der Sache; deswegen bereitet man sowas ja auch zu. Und ich möchte mal sehen wie der auf einem Stück rohen Hühnchen rumkaut.

Dann wird noch Polemik-Pollmer befragt, was er von veganer Ernährung hält. Der erzählt dann erstmal Horrorstorys vom b12-Mangel, den Veganer notwendigerweise kriegen, weil in rein pflanzlicher Nahrung ja kein b12 ist. Dass man das supplementieren kann, was auch der Großteil der Veganer tut, wird mit keiner Silbe erwähnt.
Mit Pollmer haben sie sich einen ziemlich umstrittenen Lebensmittelchemiker (also noch nicht mal nen Ernährungswissenschaftler; für das Thema "Gesundheit" ist der so qualifiziert wie ein Pinguin zum Kühemelken) rausgesucht, der gerne mal irgendwelche wilden Theorien verbreitet, die sonst niemand vertritt. Den nehme ich nicht mehr ernst, seit er mal in der ARD erzählt hat, dass in China Eier aus Kalk und Laktose von Arbeitern zusammengebastelt werden, weil das billiger ist als echte Hühnereier, und dann nach Europa exportiert werden. Google hat mir dann verraten, dass das ein Hoax ist - irgendein Witzbold hat mal Bilder vom Eierbasteln gefakt und diese verbreitet; und manchmal findet sich halt noch ein Depp der das ungeprüft glaubt.
Dann wird noch ein Arzt befragt, der dann was von Darmproblemen bei Vegetariern und davon, dass Veggies gar nicht gesünder wären als Omnis. Vielleicht sollte man ihm mal ne Statistik vorlegen.

Die Personenauswahl wird noch schlimmer: Weiter geht's mit Brigitte Rondholz, der Ur-/Rohköstlerin, die meinen Fremdschämmodus auf die oberste Stufe bringt. Sie wird beim Kräutersammeln und Radfahren im Wald begleitet. Der Sprecher erzählt, dass sie für ihre Ernährung Südfrüchte einfliegen lässt, und auf die Frage, ob das denn nicht etwas "unnatürlich" und klimaschädlich sei, entgegnet sie, dass die Flugzeuge ja sowieso fliegen und heutzutage halt alles nicht so optimal sei.
Ähnlich gehaltvoll ist auch was die Dame mit dem "Kosenamen" Igitte selbst über ihren Auftritt denkt: Link zum Urkost-Blog

Sebastian Zösch vom VEBU äußerte sich im Interview noch zur vom VEBU propagierten "Fleischsteuer", wozu Pollmer erwähnte, das sei ja so wie mit den armen diskriminierten Rauchern, die dürften heute ja auch nirgendwo mehr qualmen.

Später ging's noch um vegane Hundeernährung, wo zwar jetzt nichts direkt negatives berichtet wurde, die Hundebesitzerin wurde beim Kartoffelkochen für den Hund gezeigt, aber der Hunde lag so platt auf dem Boden und hat mit traurigen Augen hochgeguckt; ich glaub die meisten Zuschauer werden sich gedacht haben "der arme Hund!".

Fazit: Ein wirres Durcheinander von Polemik, platte Thesen und wenig Infos. Hoffentlich haben's nicht so viele Leute gesehen ;-)




Die vegane Gesellschaft hat's auch aufgeregt, und will deshalb auf der Seite http://www.nahrungsfakten.de/ demnächst ne Gegenüberstellung bringen. Deren Konzept scheint irgendwie zu sein, sich alle Domains wegzuregistrieren und mit veganen Inhalten zu füllen; bis einem überall nur noch hellgrün-rosa-bunte Schrift mit vegan-Propaganda entgegenspringt ^^

Kommentare:

  1. Oh Gott. Das klingt ja grauenhaft. Zum Glück hab ichs nicht gesehen.

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  2. Ich hab's auch gesehen und mir nur gedacht 'WTF?' oO Mehr schlecht als recht, leider mal wieder. Deine zusammenfassung ist sehr passend. ich hätte mir echt mehr erwartet, vorallem dieser Lebensmittelchemiker ging mir tierisch auf den Keks. Seine These über Kinder von Veganern, die irreparable Schäden bekommen, fand ich besonders strange. Na ja, insgesamt war das mal wieder nichts halbes und nichts ganzes. -.-

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  3. Danke für die gute Zusammenfassung! Gut das ich den Sch... nicht gesehen habe, hätte mich bloß wieder aufgeregt.

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  4. Ich finds trotzdem sehr schade, dass ich mich nicht so lange wachhalten konnte; das klingt irgendwie total lustig ;-P Ich hätte gerne das Krätersammeln im Wald miterlebt....

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  5. War prima, die Sendung.

    Vor allem, weil sie eine Menge Menschen davon abhalten wird, auf die veganen Lügen und den veganen Irrsinn reinzufallen.

    Also...nix ist mit "Veganer auf dem Vormarsch" :-)

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  6. Himmel.
    Danke, dass du dir das angetan hast und für die Rezension.

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  7. Ich bin so unfassbar froh, dass ich mir das nicht angeguckt habe.
    Man hätte ja auch an den Bericht von Nils Klawitter im Spiegel anknüpfen können, aber nein, es wird lieber die Masse ruhig und dumm gehalten.

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  8. also dieses rohe ersatzhähnchen in hähnchenform... das sah echt ekelig aus ^^ ich fand, die reportage war viel zu kurz. in ner halben stunde kann man halt jede "meinung" nur kurz anreissen und dann kommt eben sowas dabei raus...

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  9. Spektakulär fand ich ja vor allem den Mediziner, der von jegicher Form roher Nahrung abgeraten hat und meinte man nie solle alles totkochen.
    Ich habe ja tatsächlich noch nie von einem Ernährungswissenschaftler gehört, dass das eine ernstzunehmende Empfehlung sein könne. Als Kontrast zur Urköstlerin mag das vielleicht taugen, sowas aber vollkommen unkommentiert und unreflektiert zu verbreiten, halte ich für schwierig. Ist ja nicht so, dass man einige essentielle Sachen beim Kochen nicht zerstören würde. Ich bin ja nun kein Rohköstler und habs auch eher nicht vor, dass aber zumindest ein gewisser Anteil an rohem Obst/Gemüse eher gesundheitsfördernd ist, ist doch eigentlich die einhellige Meinung sämtlicher Ernährungswissenschaftler.
    Im Endeffekt würde mich tatsächlich noch immer eine ausführliche Diskussion von ernsthaften Ernährungswissenschaftlern interessieren, die auch Ahnung von der Zusammensetzung einer veganen/vegetarischen Ernährung haben, vor allem mit Referenzwerten zur "normal" essenden Bevölkerung.

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