Samstag, 5. März 2011

ohne Tierqual schmeckts halt nicht

In der Frankfurter Rundschau, die eigentlich leicht links bzw. grün angehaucht ist und die ich auch sehr schätze, ist in der Rubrik "Freizeittipps" (???) heute ein selten dämlicher Artikel über vegetarische Ersatzprodukte erschienen, in dem die Autorin Fleischimitate aus Soja probiert.
Da die leidenschaftliche Fleischliebhaberin vom Kochen keine Ahnung hat schmeckt es ihr dann auch nicht. Daraus zieht die Dame dann natürlich das Fazit "Das kann nicht funktionieren". 
Völlig fassungslos hat mich die Begründung gemacht, die ich wortwörtlich zitieren möchte:


Weizeneiweiß und Soja sind nun mal kein Fleisch, sie sind ihm nicht einmal ähnlich.
Alles, was echtes Fleisch ausmacht, haben sie nicht: die Textur, den Geruch, den Saft, das Blut. Sie sind keine Symbole. Fleisch steht auch für Wohlstand, für Macht, und der archaische Glaube, der Esser könne sich mit dem Fleisch die Kraft des Tieres einverleiben, ist auch heute nicht fern. Das alles fehlt dem Imitat.


Link zum Artikel "Die Wurst ohne Wurst"


Kommentare:

  1. Ach du heiliger Bimbam, das liest sich ja schrecklich! Ist die in der Steinzeit stecken geblieben?

    Mal abgesehen davon habe ich das Argument der Lebenskraft von Fleisch noch nie verstanden. Auch als ich selbst noch welches gegessen habe, hätte ich immer gesagt, dass einem etwas, was nunmal tot ist doch keine Lebenskraft geben kann.

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  2. O_O ach du heilige.. das ist ja widerlich - in vielerlei hinsicht! unfassbar, dass man sowas überhaupt schreiben kann und eine redaktion das durchkommen lässt.. gruselig.

    und ich kann mneme nur recht geben.. leben? in totem fleisch?! ich glaube kaum. da sollte sie vielleicht lieber mal eine raw-food-diet in erwägung ziehen.

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  3. Habe lange nicht mehr so etwas mieses gelesen. Die Autorin scheint aber zu wissen, was sie sich damit antut. "Ich bekenne: Ich esse gern Fleisch. Schlimmer noch: am liebsten rotes Fleisch." An der Stelle wusste ich schon, da kann nichts positives mehr in dem Artikel kommen. Alles verzweifelte Versuche, sich die eigene Sucht und Unfähigkeit zur Reflexion schönzureden.

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  4. "Auch als ich selbst noch welches gegessen habe, hätte ich immer gesagt, dass einem etwas, was nunmal tot ist doch keine Lebenskraft geben kann. "

    Toter als totgekochtes Getreide und Sojabohnen ist es auf jeden Fall nicht.


    "und ich kann mneme nur recht geben.. leben? in totem fleisch?! ich glaube kaum. da sollte sie vielleicht lieber mal eine raw-food-diet in erwägung ziehen. "


    Hahaha...a propos "raw-food-diet" : Ich bin seit 8 Jahren 100%iger Rohköstler (die ersten 2 Jahre roh-vegan, danach auf Grund von Magelerscheinungen omnivor), und ich kann immer nur wieder feststellen, daß es wohl kaum ein lebensspendenderes Nahrungsmittel als (totes) Fleisch gibt, möglichst das Rote von Rind, Schaf Pferd oder Wildschwein.

    Im Unterschied zu einer gekochten veganen Diät fallen bei einer veganen Rohkost nämlich die beiden pflanzlichen Hauptproteinträger Soja und Getreide vollkommen weg. Nüsse stellen auf Dauer keine wirkliche Proteinalternative dar, da sie (bezogen auf die biologische Wertigkeit und den Gesamtproteingehalt) viel zu viel Fett enthalten.


    "Ich bekenne: Ich esse gern Fleisch. Schlimmer noch: am liebsten rotes Fleisch."

    Ich schließe mich der Autorin an : Am liebsten ganz ganz rotes Tatar. Eine bessere Zink-und Proteinquelle gibt es unter den natürlichen Lebensmitteln nicht, die Auster mal ausgenommen :-)

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  5. @Anonym:
    "Ich bin seit 8 Jahren 100%iger Rohköstler (die ersten 2 Jahre roh-vegan, danach auf Grund von Magelerscheinungen omnivor), und ich kann immer nur wieder feststellen, daß es wohl kaum ein lebensspendenderes Nahrungsmittel als (totes) Fleisch gibt, möglichst das Rote von Rind, Schaf Pferd oder Wildschwein."

    interessant. wie macht sich denn dieses "lebensspenden" bemerkbar? da müsstest du ja inzwischen einige leben angesammelt haben. und du kaufst wirklich auf rohem rind, schaf, pferd und wildschwein rum?

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  6. "interessant. wie macht sich denn dieses "lebensspenden" bemerkbar? "

    Fleisch spendet MIR das Leben, wenn ich damals nicht von meinem "roh-vegan-Wahn" runtergekommen wäre und angefangen hätte, zusätzlich zu meiner rohen Pflanzennahrung auch (rohes) Fleisch zu essen, würde ich schon längst auf dem Friedhof liegen, weil ich an Unterernährung gestorben wäre.

    Und ich kaue auch nicht auf rohem Rind, Schaf, Pferd und Wildschwein rum, sondern ich esse es mit dankbarer Hingabe und größtem Genuss, wohlwissend, wem ich mein eigenes Leben zu verdanken habe, nämlich auch dem Tier.

    Der Tod des einen (Lebewesens) spendet nun mal das Leben und die Energie eines anderen (Lebewesens) Jedenfalls in diesem Universum.

    Wer sich für wirklich langjährig praktizierbare Rohkost interessiert, dem empfehle ich diese Seite : http://www.rohkostwiki.de/

    Und dort ganz besonders das Tagebuch :

    http://weblog.allesrohkost.de/

    Der heutige Eintrag ist für "zart besaitete" Veganer zwar wahrscheinlich etwas heftig (:-), trotzdem ist dieses "Tagebuch" eine der besten Ratgeberseiten für echte, langjährige Rohköstler,und diejenigen, denen eine rohe Ernährung (jenseits der veganen Ideologie) wirklich am Herzen liegt.

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  7. Ich weiß nicht wieso immer alle denken, dass Veganer "zart besaitet" wären, man sollte sich mal die diversen Filmchen angucken die zur "veganen Ideologie" (oder Ideologisierung?) dazugehören, bevor man sowas unreflektiert weiterverbreitet.
    Ein Foto von einem Hirn lockt doch hier schon lang keinen mehr hinterm Ofen vor, falls es bezweifelt wird: ich hab sogar selbst sowas, inklusive "Fotos" davon, fand ich nicht besonders eklig, wäre aber froh, wenn man mir die Wahl ließe, es in meinem Schädel zu belassen.

    Zurück zum eigentlichen Thema:
    Ich habe kürzlich auf arte eine höchst beeindruckende Dokumentation zu dem Thema gesehen. Generell ging es um Ekel und auch die gesellschaftlichen Mechanismen diesen zu überlagern und herangezogen wurde dabei vor allem die Ernährung und die Ernährungsbezeichnugn in ihrer Art Begrifflichkeiten zu abstrahieren, die Überkompensation die durch sprachliche Umdeutung aufgelöst wird. War wirklich interessant, leider habe ich vergessen mir den Titel aufzuschreiben und ihn vermutlich deswegen wieder vergessen.
    Ansonsten finde ich den Artikel selten dämlich. Auf dieser Ebene wird von der anderen Seite nämlich genauso unüberzeugend herangeführt "wer Fleisch isst, nimmt damit den Schmerz und das Leid der getöteten Lebewesen zu sich, er vergiftet seinen Körper mit negativen Energien", auf einschlägigen Seiten kann man auch lesen, dass es da sogar "besonders schlimme" Vergehen gibt, das essen eines Lamms, der Bruch der Unschuld, etc.pp. will ich hier gar nicht aufrollen.

    Was bei diesen emotional geführten Diskussionen nämlich immer außer Acht gelassen wird: Es geht bei der Frage Fleisch oder nicht Fleisch, Pelz oder nicht Pelz und Ei oder nicht Ei immer um Verhältnismäßigkeit. Dass vielen Leuten Fleisch schlicht schmeckt ist ja gar nicht die zugrunde liegende Frage, diese ist nämlich sind 10 Minuten Steak tatsächlich "größer" als 1,5 Jahre Intensivmast mit allen dranhängenden Konsequenzen.


    Im Übrigen möchte ich hinzufügen, dass Fleisch nunmal kein Tofu ist.
    Alles, was Tofu ausmacht, hat es nicht: die Textur, den Geruch, den Saft. Es ist kein Symbol. Tofu steht auch für Moral, für Kultur, und der archaische Glaube, der Esser könne sich mit dem Tofu auch ein Lebensgefühl, eine reine Seele einverleiben, ist auch heute nicht fern. Das alles fehlt dem Imitat.

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  8. Aus dem Tofu-Imitat Fleisch lassen sich ja nicht mal leckere Süßspeisen herstellen :-) Oder könnt ihr euch ein Dessert aus Schweine-Innereien vorstellen? Nein Danke. Dieses Imitat ist nicht mehr zeitgemäß und mit zu vielen Risiken verbunden.

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  9. @Tisi: Kann es nicht das Philosophie-Magazin gewesen sein... Thema Ekel???
    http://videos.arte.tv/de/videos/philosophie_ekel-3616320.html

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  10. @Tisi: sehe ich ganz genauso! Ich hab mir die Hirn-Bilder angeguckt und dachte mir zwar "na ob das schmeckt?!? so ne wabernde, glitschige Masse?", aber großartig eklig fand ichs jetzt nicht. Ekel bwz. Mitgefühl sind bei mir absolut kein Beweggrund für den Veganismus; ich kann mir auch Snuff- bzw. Schlachtvideos angucken, ohne dass ich gleich in Tränen ausbreche. Bei mir ist der Grund dass ich Veganer bin, dass ich der Meinung bin, dass es objektiv falsch ist, Tiere zu quälen und zu töten. So wie ich auch der Meinung bin dass man Menschen nicht quälen oder töten sollte, trotzdem kann ich mir die Tagesschau ohne größere Gefühlsausbrüche ansehen.

    ich frag mich immer, wie die leute darauf kommen, in ein bloßes Nahrungsmittel so viel reinzuinterpretieren. nahrungsaufnahme ist ein genuss und liefert energie sowie lebensnotwendige nährstoffe, aber man kann sich damit weder beflügeln (außer vielleicht mit red bull), noch sonst irgendwas erreichen. wenn leute behaupten dass irgendwas "lebensspendend" ist, ist das einbildung. gibt ja auch so "lebendes wasser", was irgendwie direkt aus der quelle kommt und vieeeel besser sein soll, aber das ist doch alles nur dazu da um den leuten das geld aus der tasche zu ziehen.

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  11. @Homevegan: Hier ein (bestimmt schmackhaftes...) Dessert aus Innereien: http://www.chefkoch.de/rezepte/1290771234424681/Gefluegelleberpudding-an-Karamellportwein.html OMFG!!

    Viele Grüße von Henning, der sich jetzt übergeben geht

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