Freitag, 12. November 2010

Gerechtigkeit vor Gericht

Mit einer gewissen Genugtuung habe ich die folgende Meldung gelesen:


Ein 24-Jähriger steht vor dem Frankfurter Amtsgericht, weil er besoffen Fußball gespielt hat. Mit einem Igel. Bis der tot war.
Wegen „Tötung eines Wirbeltieres ohne vernünftigen Grund“ wird David S. zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem muss er 400 Euro an eine Tierschutzorganisation zahlen. Es ist die höchste Strafe, die er bislang kassiert hat. Seine Vita zeige, so die Richterin in ihrer Urteilsbegründung, dass er „gewaltgeneigt gegenüber Menschen und Tieren“ sei. Die Richterin hofft, dass ihm das Urteil eine Lehre sein werde.

Genauso soll das sein! Man muss dazusagen, dass der Täter  vorbestraft war und sich wenig einsichtsfähig gezeigt hat. Sonst wär's wohl nur ne geringe Geldstrafe geworden.

Kommentare:

  1. :( Ich mag Igel doch so gerne. Aber gut, wenn auch der Zusatz "ohne vernünftigen Grund" bleibt (erinnert mich an das Video mit dem Mädchen, das Welpen in den Fluss wirft... und alle Welt regt sich auf. -.- Aber egal.)

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  2. Und im Endeffekt sinds doch nur 400 Euro. Da passiert mir mehr, wenn ich deine Hauswand anspraye!
    Ich will gar nicht wissen was in jemandem vorgeht, der einen Igel aus Spaß tot tritt.

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  3. für nen Arbeitssuchenden ist das schon ne Menge Geld. Die Tagessätze bemessen sich ja am Einkommen; und wenn der mehr verdienen würde, müsste er auch eine höhere Strafe zahlen.

    ich glaub der typ war einfach nur dumm. richtig dumm. der hat nicht gepeilt dass ein igel ein lebewesen ist. es gibt leute die sind so verroht.
    für sachbeschädigung kriegst du doch keine höhere strafe... der einzige unterschied ist nur dass sowas häufiger angezeigt wird.

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  4. Mir wird richtig übel bei dem Gedanken, daß es solche Menschen gibt.
    Natürlich gibt es davon mehr als nur diesen einen, aber man verdrängt das ja doch mal gerne.
    Ich hoffe einfach wider jede Erfahrung, daß ihm das eine Lehre sein wird.

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  5. Mja, weißt du, ich bin ja selbst Juristin und sehe die Strafe einfach in dem Zusammenhang, dass auch ein Arbeitsloser für meiner Ansicht nach viel weniger strafwürdige Delikte härter bestraft wird.
    Ich hätte mir den jetzt auch nicht bei Sozialstunden im Tierheim gewünscht, vor allem weil er keine Einsicht zeigt, aber wenn man mal vergleicht, dass Leute die fahrlässig etwas beschädigen schlimmere Strafen zu erwarten haben, dann merkt man enfach wieder, wie hoch der Stellenwert eines Wildtieres ist. Umso tragischer, dass das einer der Lichtblicke ist, die die Rechtsprechung zum Thema Tierschutz tätigt.

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  6. bei der bestrafung ist ja vorrangig die bewährungsstrafe zu sehn und dann erst das "bußgeld". abgesehen davon war der typ alkoholisiert, insofern musste das bei der strafzumessung ebenfalls mildernd bewertet werden... (FAHRLÄSSIGE sachbeschädigung gibt es nicht im stgb, der vorsatz wird hier nur bestraft)

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  7. Ja, aber es gibt verschiedene Vorsatzformen die im Strafrecht eine Täterschaft begründen können und die kann man im nichtjuristischen Sprachgebrauch durchaus als fahrlässig bezeichnen würde, aber stimmt schon, meine Aussage war unpräzise.
    Und da ist jetzt nur der strafrechtliche Aspekt beleuchtet, nicht der zivilrechtliche, denn von einem Otto-Normal-Verbraucher wird in einem Schadensersatz ja auch nicht viel anderes gesehen als eine Bestrafung (ob das von rechtlicher Seite so gedacht ist, ist ein ganz anderer Punkt und auch eine andere Diskussion, die Leute im Zivilgericht scheinen das meistens so zu sehen).
    Die Frage ist doch die: Was kommt beim Täter an? Er hat keine Reue gezeigt und ihm passiert so gesehen nichts, außer, dass er eben 400€ zu blechen hat.
    Vorbestraft war er schon, Bewährung ist also für ihn kein großes Drama, denn seinen Lebenslauf zerstört das auch nicht mehr nachhaltig.
    Die Frage ist nicht was ich zuerst sehe, sondern was konkret Einfluss auf das Leben des Täters nimmt, ich empfinde das Urteil dahingehend, als sei für diesen 24-jährigen der Wert eines Igels mit 400€ bemessen worden.

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  8. 400€ für nen Igel ist eigentlich verdammt viel wenn man bedenkt, dass ein Hähnchen nen Wert von 14,99€ im Supermarkt hat... und ich würde mal behaupten dass Hähnchen musste mehr leiden als der Igel.

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  9. Womit du vollkommen recht hast, ich finde es einfach immer schwierig, dass der Wert eines Lebewesens in Geld aufgewogen werden kann.
    Wobei du bei dem Hähnchen im Supermarkt Produktionskosten und Gewinn zahlst, das ist auch nicht anders gewollt, hier zahlst du tatsächlich ausnahmsweise mal eine Strafe für das widerrechtliche Töten eines Lebewesens.
    Achje, eigentlich macht mich das alles nur noch traurig :(

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  10. "ich finde es einfach immer schwierig, dass der Wert eines Lebewesens in Geld aufgewogen werden kann" - ich auch! Aber mit meiner oberflächlichen und subjektiven Sichtweise auf die Sachlage finde ich das Urteil durchaus "gerecht".

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  11. ...und gleich nach dem urteil machen dann die richter gemeinsam mittagspause und gehen in der kantine sauerbraten essen... für 5 euro pro person.

    wieso müssen die keine 400 euro zahlen? ich finde das essen eines wirbeltieres ohne vernünftigen grund nicht wirklich besser als das töten eines wirbeltieres ohne vernünftigen grund.

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  12. "Nahrung erhalten" gilt halt als vernünftiger Grund - noch. Ich hoffe ja, dass sich das irgendwann ändert, und die Produktion nicht notwendiger Nahrungmittel als "nicht vernünftig" angesehen wird.

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