Montag, 15. November 2010

"Dann eben mit Verbot!"?

Im Kampf gegen die Fettsucht von Kindern in den USA hat San Francisco ein Verbot von Spielzeug bem "Happy Meal" von McD erlassen. Nur „gesündere Happy Meals“, die eine Reihe von strikten Ernährungsvorschriften erfüllen, können zusammen mit Spielzeugen verkauft werden. Diese Gerichte müssen weniger Fett, Salz und Zucker enthalten und zudem Obst und Gemüse mitliefern.



Aber ist sowas sinnvoll? Verbote sind bestenfallsdie 2.Wahl, die 1.Wahl ist, dass die Menschen sich selbst dafür entscheiden auf schlechtes Essen zu verzichten. Und wenn sie das nicht tun? Soll man sie zu ihrem Besten "zwingen"? Eine ähnliche Forderung stellt fleischverbot.info: das Verbot von Fleisch. Beim Verbot von Fleisch geht es ja weniger um die Gesundheit, sondern um die Klimaschädlichkeit und Tierqual dieses Produkts. Der Konsument schädigt also nicht nur sich selbst, sondern auch andere.
Der alleinige Hintergrund des Happy Meal-Verbots ist dagegen der Gesundheitsschutz. Dass Kinder besonders geschützt werden müssen, weil sie die Werbetricks der Großkonzerne noch nicht so durchschauen, und eher "unvernünftige" Entscheidungen treffen, sehe ich ein. Eigentlich wären da die Eltern in der Verantwortung, aber darauf darf man wohl nicht zählen.
Fragt sich nur, ob das wirklich der richtige Weg ist; denn gerade in der (Kinder-)ernährung sind Verbote manchmal eher kontraproduktiv:

Verbote beim Essen gehören verboten - wenn es nach Verbraucherschützern und Ernährungsexperten geht.
"Kinder, die beispielsweise unter Nutella-Verbot aufwachsen, haben im Alter einen umso größeren Heißhunger auf Süßes", sagt Dirk Dammann, Chefarzt einer Rehabilitationsklinik für Kinder. Eltern seien mit ihren Verboten unbewusst oft die besten Werbepartner für Süßigkeiten. Statt Essen zu verbieten, sollte den Kindern nach Ansicht der Experten vielmehr der bewusste Genuss von gesundem Essen schmackhaft gemacht werden.
Quelle: n24

Nun sind die Kinder ja nicht scharf auf das Meal, sondern auf das beigefügte Spielzeug. Insofern greift die klassische Verbotsproblematik, dass ein Verbot nur noch größeres Verlangen erzeugt, nicht ganz.
Wie wäre es mit ähnlichen Verboten bei den Erwachsenen-Meals? Selbst wenn ich sowas nicht konsumiere, habe ich doch was gegen Verbote. Ich glaube immer noch fest an den "mündigen Verbraucher", der selbst entscheiden kann/darf, was er konsumieren möchte. Und man hat auch das Recht mal etwas Unvernünftiges zu tun. Verbote aber entmündigen und verblöden. 
Insofern ist meiner Meinung nach Aufklärung die erste Wahl; und da könnte noch einiges mehr geleistet werden.

Kommentare:

  1. Hm, ist das nicht eher vergleichbar mit einem Werbeverbot? Kinder können ja noch immer ein "normales" Happy Meal bekommen, nur eben ohne Spielzeug, aber es verbietet ja niemand McDonalds Hamburger mit Pommes und Cola an Kinder auszugeben. Ich denke es soll lediglich dazu dienen, dass sich Kinder nicht aus den falschen Gründen für etwas schädliches entscheiden.
    So was Ähnliches gibt es doch in der deutschen Gastro auch: Es muss immer ein nicht-alkoholisches Getränk geben, das billiger ist als da billigste alkoholhaltige. Um ehrlich zu sein hat mich dieses Gesetz noch von gar nichts abgehalten.

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  2. Welch ein Schwachsinn.. Wie du schon so schön sagtest: Verbote machen das ganze nur noch attraktiver und bringen tut's doch rein gar nichts. Wenn der Mensch nicht von sich aus einsieht, dass es so nicht weitergehen kann, dann kann man alles verbieten, was man will, who cares? Notfalls wird sich ein Schwarzmarkt entwickeln, aber ändern wird sich nichts.
    Schade, dass man mit sinnlosen Gesetzen versucht sich vor der wahren Verantwortung, der Aufklärung, zu drücken.

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  3. man kann die blöden spielzeuge doch auch solo kaufen, ihne happy meal, oder nicht? meiner meinung nach suchen die fetten eltern der fetten kindern nur nach schuldigen, weil sie können ja nix dafür dass ihr fettes kind so fett ist, wenn sie mit dem dauernd in solche läden gehen!

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  4. aber die macht der psychologischen vereinnahmung / beeinflussung wegen marktrelevanter interessen sollte man auch nicht herunter spielen. - verbote sind nicht immer schlecht. da kann ich bspw. mit dem nichtraucherschutz kommen... (verbot der werbung, rauchen in der öffentlichkeit) ohne verbote funktioniert keine gesellschaft...
    das die verbotsproblematik gerade in dem mc.d-fall gar nicht so greift, hast du ja selbst schon gesagt. - vielleicht wirds gute gründe geben, ich jedenfalls bin zunächst nicht abgeneigt, das vorgehen zu verurteilen...
    und bei den verboten darf man nicht vergessen, dass es auch eine "volksgesundheit" gibt, warum sonst sind drogen verboten? soll ich doch selbst entscheiden können, ob ich kokse oder heroin konsumieren will... (???)
    aufklärung ist toll, aber ich glaube leider nicht so richtig an die vernunft. da bewundere ich dich für deine optimistische einschätzung...

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  5. ups... äh, anders rum, ... ich meinte: ich bin abgeneigt, das verbot vorab zu verurteilen... (vielleicht auch weil es mc.dreck an den kragen geht... ;/ )

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