Sonntag, 25. Juli 2010

Fleischpropaganda bei Kindernahrung

Hier hatte ich vor einiger Zeit darüber berichtet, dass die Stiftung Ökotest bemängelte, in Babynahrung sei oft zu wenig Fleisch, Fleisch sei aber wichtig, da es sehr wichtiges Eisen und Zink enthalte, was das Kind zum Wachstum benötige.

Vor 2 Wochen gab es passend dazu die Meldung "Stillkindern droht gefährlicher Eisenmangel", der  Universität Bonn und das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE).
Darin wurde geraten, beim Zufüttern "sollten Eltern auch darauf achten, zu möglichst fleischreichen Gläschen zu greifen". Eigenartig, denn eigentlich wurde am Anfang des Textes noch detailliert beschrieben, dass die an der Studie beteiligten Stillkinder auch nach monatelangem Zufüttern von Fleischbrei viel weniger Eisen im Blut hatten als die Vergleichsgruppe der Flaschenkinder. Woraus man folgern könnte, dass die Fleischbreikost ungeeignet ist, den vermeintlich gefährlichen Eisenmangel zu beheben.
Die welt-online hat daraufhin mehrere Experten gebeten, die FKE-Studie und die dazu veröffentlichte Mitteilung zu prüfen, und die Mitteilung in der Luft zerrissen:

Alfred Längler, Leitender Arzt der Kinder- und Jugendmedizin im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, ist der Meinung, "dass die Ergebnisse dieser Studie in der Interpretation überstrapaziert werden". Die Schlussfolgerung, schon an vier Monate alte Kinder möglichst fleischreiche Gläschen zu verfüttern, könne aus den Ergebnissen der Studie nicht gezogen werden. Noch deutlicher wird Gisela Janßen, Oberärztin der Abteilung Kinderonkologie und -hämatologie an der Uni-Klinik Düsseldorf. "Ich kann in den in der Studie veröffentlichten Hämoglobin-Werten keinen Hinweis auf eine durch Eisenmangel bedingte Blutarmut finden", sagt sie.

 tja, und das ganze hat auch einen Hintergrund...

Kritiker des Dortmunder FKE beklagen immer wieder, das Institut sei von der Nahrungsmittelindustrie abhängig. Tatsächlich wird als Geldgeber der aktuellen Studie die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft genannt (CMA, "Fleisch ist ein Stück Lebenskraft"). Hipp und Nestlé lieferten die gepriesenen "fleischreichen Gläschen".

interessant. Link zum ganzen Artikel auf welt-online

Kommentare:

  1. Interessant! Hoffentlich kriegen das auch viele von den Leuten mit, die sich von der Studie vielleicht beeinflussen ließen!

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  2. Die schlagen sich doch ständig gegenseitig die Köppe ein, womit wir unsere Kinder füttern und baden und eincremen sollen, - und obwohl sich die letzten Jahrtausende (kaum einer bis) keiner an diese "neuen Erkenntnisse" gehalten hat, sind wir mehr Menschen auf der Welt als jemals zuvor. Also sollte man sich besser von keiner Studie verrückt machen lassen.

    Hätte ich ein Kind, würde ich es unter Garantie nicht primär von Fleisch ernähren oder besonders fleischbetont. Da sind mir viel zu viele "leckere" Sachen drin wie Antibiotika, mit denen ich einen kleinen, ungeschützten Organismus nicht vollpumpen mag.

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