Mittwoch, 5. Mai 2010

Thunfisch belastet

... nicht nur das Gewissen, sondern auch die Gesundheit:

Roher Thunfisch auf Sushi-Häppchen enthält zum Teil bedenklich hohe Konzentrationen an gesundheitsschädlichem Quecksilber. Bei manchen Thunfisch-Arten übersteigt der Quecksilbergehalt laut einer US-Studie die amerikanischen Grenzwert um mehr als das Dreifache.

Thunfische sind als grosse Raubfische besonders stark mit Quecksilber belastet. Kleine Meeresorganismen nehmen das Gift aus der Umwelt auf - über die Nahrungskette häuft es sich dann bei grossen Fischen an und kann so auch in den Menschen gelangen.


aus der Thurgauer Zeitung

wieso fragt eigentlich niemand danach, was so eine Quecksilber-Belastung für den Fisch bedeutet? man hört immer nur davon, wenn der Verzehr der Fische dann für den Menschen gesundheitsbedenklich wird.
In dem Fall ist es aber ein Glück für den Thunfisch, dass er so verseucht ist, der rote Thunfisch ist vom Aussterben bedroht, berichtet Greenpeace:

Der Bestand des Roten Thunfisches im Ostatlantik ist in noch schlechterem Zustand. Der steigende Druck auf die Population durch die wachsende Fischerei seit 1990 hat vor allem die laichenden Weibchen dezimiert. Der aktuelle Rest-Bestand liegt zur Zeit vermutlich bei weniger als fünf Prozent des Bestandes von 1970. Da über die Fischerei selbst grundsätzliche Daten fehlen, ist ein vernünftiges Management dieser Fischerei unmöglich.


statt auf Thunfisch ganz zu verzichten, wird oft die Fischzucht als Ausweg vorgeschlagen. Die ist bei Thunfischen aber auch fragwürdig, begründet oceancare:

Die Idee von sogenannten „Thunfischzuchten“ stammt aus Australien, wo Fischer herausfanden, dass der kleinere Cousin des Roten Thunfisches, der Südliche Blauflossen-Thunfisch, in ganzen Schwärmen gefangen, in Käfigen im Meer gehalten und gemästet werden kann. Im Unterschied zu Lachsen oder Forellen, lassen sich Thunfische in Gefangenschaft nicht züchten; sie pflanzen sich nicht fort.

In diesen Mastkäfigen werden die Thunfische mit ökonomisch weniger interessanten wilden Fischen (die wahrscheinlich selbst schon überfischt sind) gefütterte bis der Ölgehalt in ihrem Fleisch den richtigen Wert erreicht hat. Und den richtigen Preis! Dann wird dem Thunfisch in den Kopf geschossen. Er wird umgehend gefroren und nach Japan verfrachtet.

Diese Form der Mast hat schnell Nachahmer gefunden. In weniger als 10 Jahren kam sie ins Mittelmeer, wo sie verheerende Folgen für Tier und Mensch hat. Es werden ganze Schwärme von jungen Roten Thunfischen gefangen, die sich nie werden fortpflanzen und den Fortbestand der Art sichern können.

Die ökologischen Probleme und Folgen sind dieselben wie für die Massentierhaltung von Nutztieren an Land: Anfälligkeit auf Krankheiten, Medikamentenzugabe, die das Wasser belasten, hohe Konzentration von Fäkalien und somit Überdüngung des Meeres. Das lokale Ökosystem wird zerstört. Nicht zu vergessen sind die Leiden der Fische wie Stress, Verletzungen, zu wenig Bewegung und mehr.

Die Mastfarmen lassen die Preise für Roten Thunfisch fallen und Fischer, die viel Geld in ihre Schiffe investiert haben, müssen doppelt so viele Rote Thunfische fangen, wie vorher, um gleich viel Verdienst zu erzielen. Ein Teufelskreis.


Kommentare:

  1. Es ist echt erschreckend, wie "weit" der Mensch schon gekommen ist. Und dass es so wenig Beachtung findet.

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  2. Meine Zahnärztin meinte letztens, dass Amalgam-Füllungen weniger Quecksilber abgeben würden, als man bei einem regelmäßigen Verzehr von Thunfisch aufnehmen würde. Na gut, da hab ich keine konkreten Zahlen. Aber wenns stimmt, ist es doch recht witzig. Es tut sich immerhin recht viel für ein Amalgam-Verbot....

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