Freitag, 14. Mai 2010

das Märchen von der "fairen Milch"

dass Milch für die Kuh nie fair sein kann, ist klar, aber auch für die Bauern ist die Fairness in der Tüte nicht das Wahre.
Die sogenannte "faire Milch" soll Milch-Bauern einen gerechten Milchpreis garantieren und Umwelt wie Verbrauchern durch ihre Produktionsweise und besonderen Inhaltsstoffe von Nutzen sein.

Der Versuch, Milch mittels "fairer" Produktion "grünzuwaschen" hat nicht ganz funktioniert: Sie ist weniger regional als behauptet und nicht "fair" erzeugt.

die fr berichtet:

Die Wettbewerbszentrale hat Klage gegen den Namen "Die faire Milch" angekündigt.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat Angaben, die Milch stamme "aus Ihrer Region" und "die heimische Produktion spart unnötige Transportwege", gerügt. Dies träfe nicht zu, so Verbraucherschützer Eckhard Benner. Milch der MVS, die in Stuttgart verkauft wird, stamme nicht aus derRegion, sondern von Höfen aus dem Allgäu, sagt Benner. Zur Abfüllung werde sie zudem ins osthessische Schlüchtern transportiert. Einfache Strecke: knapp 400 Kilometer. Auf dem Weg zum Supermarkt könne daraus leicht das Doppelte an Transportkilometern werden. Die Wettbewerbszentrale wiederum hatte Milch ausfindig gemacht, die vorgab, aus Bayern zu stammen, tatsächlich aber in Hessen gemolken wurde.

auch die Bauern bekommen nicht mehr, wie die PNP berichtet:

Aber: Nach einer Erhebung des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Passau ist offenbar kein Bauer im Landkreis aufzutreiben, der auch tatsächlich mehr Geld für den Liter Milch erhält.
Die erste Überraschung erlebte Josef Ritzer, Geschäftsführer des Bezirksvereins, schon beim Internet-Studium der verschiednenen „Fair-Milch-Marken“: „Ein klarer Hinweis, wie viel Geld mehr und auf welchem Weg beim Milchbauern ankommt, fehlt so gut wie immer.“
Vollends ernüchtert war der Geschäftsführer, selbst Milchbauer in der Gemeinde Büchlberg, bei der anschließenden Umfrage unter den Bezirksvereins-Mitgliedern: „Kein einziger konnte rückmelden, dass er als Lieferant mehr Geld bekommt als den derzeit üblichen Literpreis von rund 26 bis 29 Cent. “


ich hab die Sache mit der "fairen Milch" eh nie ganz verstanden - wenn man sowieso bereit ist, mehr zu bezahlen, damit die Bauern mehr Geld kriegen, kann man doch auch gleich bio kaufen?

und wenn man einem Ökologie am Herzen liegt, dann sollte man nicht nur auf den Transportweg der Milch vom Erzeuger zum Supermarkt schauen, sondern vielmehr auf die Produktionsmethoden, und die sind bei der "fairen Milch" genauso mies wie bei der konventionellen: Massentierhaltung, Medikamenteneinsatz, Hochleistungskühe, Düngemittel, Futtermittel aus dem Ausland...

Kommentare:

  1. Herrlich. - Natürlich nicht wirklich. :) Ich danke dir für den tollen Artikel und besonders für die Quellen, denn ich kenne da Jemanden den wird das hoffentlich etwas wachrütteln.
    Lieben Gruß und ein schönes Wochenende,
    Erbse

    AntwortenLöschen
  2. Dis werde ich sogleich meinem Ausbilder senden, da er auch sehr gerne "fair" Milch gekauft hat.

    AntwortenLöschen
  3. Bio kaufen? Auf die Produktionsmethoden achten? Habe ich etwas verpasst oder ist Kuh- und Kälbermord neuerdings unter irgendwelchen Umständen akzeptabel?

    AntwortenLöschen
  4. ich habe nicht gesagt dass es akzeptabel ist und würde logischerweise auch keine faire milch kaufen (sonst müsste ich den blog in "vollfairemilch" umbenennen *g*), aber ich weiß dass es leute gibt, die nunmal unbedingt milch trinken wollen, und dann eben zu der alternative greifen, die ihnen als das kleinere übel erscheint. und für diesen personenkreis ist es schon eine wichtige information finde ich.

    AntwortenLöschen
  5. Wenn das Problem ist, dass sie überhaupt Tiermilch konsumieren, wird es nicht besser, wenn man ihnen vermeintliche Alternativen präsentiert, die ihnen ein gutes Gewissen verschaffen. Dadurch werden sie erst recht nicht damit aufhören.
    Wesentlich sinnvoller ist darzulegen, dass es keine tierfreundliche Ausbeutung und keine Notwendigkeit von Tiermilchkonsum gibt.

    AntwortenLöschen
  6. die meisten leute werden gar nicht damit aufhören, egal was man ihnen präsentiert.
    diesen Konsumenten ist Tierausbeutung nicht so wichtig, dass sie auf ein Produkt verzichten würden, sondern allenfalls bereit sind, einen höheren Preis für eine geringfügige Verbesserung zu zahlen. und genau das ist die zielgruppe von bio bzw. fair.
    dass keine notwendigkeit von tiermilchkonsum besteht ist durchaus bekannt; aber es gibt Leute, die trinken einfach gerne Milch.
    und ich persönlich akzeptiere das, auch wenn ich es nicht gut finde.

    AntwortenLöschen
  7. Du bist auf meine Kritik nicht eingegangen: Selbst wenn es Menschen gibt, die sich nicht überzeugen ließen (was rein hypothetisch und meistens eine Ausrede ist), ist das noch lange kein Grund, ihnen bei der Tierausbeutung ein gutes Gewissen zu verschaffen und so noch die kleinste Möglichkeit, dass sie sich ändern, zunichte zu machen.

    AntwortenLöschen
  8. wenn man bei 2 alternativen das geringere übel wählt, dann kann man auch ein besseres gewissen haben. nicht unbedingt ein gutes, aber ein besseres.
    ich gehe davon aus, dass die meisten menschen sich nicht ändern (zu glauben es wäre anders ist auch rein hypothetisch), da kann ich mich auf den kopf stellen, bei jeder gelegenheit "tiermord" schreien und sojamilch bewerben wie ich will.
    und da bin ich froh, wenn jmd zumindest ein wenig leid vermeidet, indem er dafür sorgt, dass die kühe auf die weide kommen, anstatt im dunkeln auf spaltboden zu stehen.

    AntwortenLöschen
  9. Wenn du wirklich glaubst, das vermindere irgendein Leid, hast du sehr romantische Vorstellungen von solchen Anlagen. Selbst wenn es überhaupt etwas vermindert ist, wird das durch den erhöhten Konsum, der aus dem guten Gewissen folgt, wieder eingeholt. Im besten Fall ist es ein Nullsummenspiel. Für "Alternativhaltungen" zu werben ist kontraproduktiv, bei Tiermilch, nicht anders als bei Eiern, bei denen die letzte Aktion ein totales Disaster war (und nicht im geringsten Tierleid verringert hat: http://antispe.de/txt/legebatterieverbot.html). Ich finde man sollte langsam aus gemachten Fehlern lernen.

    AntwortenLöschen
  10. bei der bio-haltung wird von staatlicher hand kontrolliert, dass bestimmte standards (tageslicht, keine hormonbehandlung, kein genfutter...) eingehalten werden. dies stellt eine verbesserung der bedingungen für die tiere dar. dass das aber zu einem höheren konsum führt halte ich für eine unwahrscheinliche hypothese. die meisten leute würden so oder so milch trinken, wenn das bessere produkt (bio) nicht verfügbar wäre, würde man halt zu dem minderwertigen (konventionellen)greifen.
    dieses verhalten stelle ich auch bei mir fest, wenn s z.b. um kaffee geht: ich kaufe schon den fair trade, aber wenn der nicht da ist, dann hör ich nicht auf kaffee zu trinken, sondern nehm halt ne andere marke.
    und seit ich fair trade kaufe trink ich auch nicht mehr als früher, das ist doch totaler quatsch.

    AntwortenLöschen
  11. Dein Missverständnis ist, dass du glaubst, 90% der Menschen würden sich nie und nimmer ändern. Die Erfahrung zeigt, dass es eher 90% sind, die bereit sind, Veränderungen vorzunehmen (wenn sie wissen wieso und wie sie sich ändern können). Es gibt einen Teil, der sich nie ändern wird, aber das ist die Minderheit (siehe auch die Umfragen im oben verlinkten Artikel, die Ergebnisse bestätigen das). Der Großteil aller, die sich ändern würden, wird aber davon abgehalten, wenn ihnen rosa angestrichene Tierausbeutung als relevante Verbesserung verkauft wird.

    AntwortenLöschen
  12. welche Erfahrungen, die zeigen, dass 90% sich ändern würden, meinst du?
    wenn es so wäre, dann würden wir im Paradies leben.

    AntwortenLöschen
  13. Frage 100 Menschen und dir werden min. 90 zustimmen, dass es notwendig und richtig ist, unnötiges Leid zu vermeiden. Ihre Ablehnung der Konsequenzen beruht auf mangelnder Aufklärung (dass es gesund ist, einfach ist, schmeckt usw.), nicht auf ihrer Meinung gegenüber Tieren.

    AntwortenLöschen
  14. frage diese 90 ob sie auch bereit sind, dementsprechend zu handeln. dir werden nur noch 50 zustimmen.
    und die 40 die auch da ja sagen darfst du die nächsten 7 tage beobachten, ob sie wirklich was ändern.
    wenn mehr als einer übrig bleibt dann kriegst du nen keks von mir.

    Bequemlichkeit liegt in der Natur des Menschen. Ich bin vielleicht in Bezug auf Ernährung nicht so bequem; aber bei Heizung, Auto, Zigaretten und Kaffee bin ich nicht bereit mich einzuschränken, auch wenn es wahrscheinlich besser wäre.

    AntwortenLöschen
  15. "frage diese 90 ob sie auch bereit sind, dementsprechend zu handeln"

    Selbstverständlich, wenn man es ihnen ordentlich erklärt. Änderungen brauchen Zeit, deine Schlussfolgerung, nur weil die Menschen im ersten Moment ablehnend sind (was nicht anders zu erwarten ist), heißt das noch lange nicht, dass es völlig unmöglich wäre, sie zu überzeugen. Die Grundanlage ist bei fast allen da, ihnen fehlt nur das Wissen um die Umsetzung.
    Wenn diese Grundanlage jetzt zerstört wird durch Kommentare, man solle noch "Bio-" oder "Alternativ"-Tierausbeutungsprodukte konsumieren, dann ist die Möglichkeit der wirklichen Änderung verbaut oder massiv behindert.

    AntwortenLöschen
  16. und wenn sie auf dem weg dahin bio statt konventionell kaufen, finde ich das nicht verkehrt. ich zerstöre keine grundlagen, und ich rufe auch nicht explizit zur bio-orgie auf, aber ich sehe es immer noch als kleine verbesserung gegenüber billigware.
    infos über bio werde ich hier weiter bringen, mag sein dass dir das nicht passt; ist halt ne andere strategie als jeden als mörder zu beschimpfen.

    AntwortenLöschen
  17. Mal abgesehen von der Vorgehensweise-Prinzipien-Diskussion hier: die Unterschiede in der Bio-Haltung sind für die Tiere so gering, dass man sich schon überlegen sollte, das als Fortschritt zu sehen.
    Der Platzunterschied ist meistens lächerlich klein. Reine Stallhaltung (Kühe, Schweine) ist gang und gebe, sogar Anbindehaltung (Kühe) ist nicht ausgeschlossen.
    Und Transporte und vor allem Schlachtung laufen auch aufs selbe hinaus.

    AntwortenLöschen
  18. ich find die Diskussion hier auch eher fruchtlos.
    die unterschiede bei bio sind keinesfalls so gering, z.b. müssen Kühe auf die Weide, keine Käfighaltung, medikamenteneinsatz ist unzulässig, das futter ist qualitativ hochwertiger, usw.

    AntwortenLöschen
  19. Sorry aber das stimmt einfach nicht, nochmal: "Bio-Kühe" müssen keineswegs auf die Weide, das ist die Ausnahme. Die Regel ist Stallhaltung mit mehr oder weniger dürftigen, mehr oder weniger regelmäßigen (üblicherweise auch ausschließlich sommers) Ausläufen, und das findet auch ohne Alpenwiesen unter den Hufen statt.
    Lies bitte selbst nach, bzw gibt auch dazu ein paar Videos, leider nicht so viele wie für die konventionelle Haltung und mehr Werbefilmchen. Das ist halt eine Heidenarbeit sich auf den offiziellen Seiten dazu zurechtzufinden und ich hab die x Stellen wo ich damals dazu was gefunden habe nicht alle gebookmarkt. Hier auf die Schnelle was. Auch Anbindehaltung ist noch nicht verschwunden:
    http://www.oekolandbau.de/erzeuger/tierhaltung/rinderhaltung/milchvieh/haltung/milchkuehe-anbindestall/
    Der Bio-Tier-Platzbedarf in Anhang 3, bitte die Körpermaße der Tiere bedenken:
    http://www.bmelv.de/cln_182/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Oekolandbau/EG-Oeko-VerordnungFolgerecht.html

    Ich halte das Wegfallen von Käfigstangen in der Legehennenhaltung für einen vor allem optischen, von uns Menschen emotional leicht überwerteten "Fortschritt", (siehe dazu Martins Artikel), es kommen dort eben andere Stressfaktoren hinzu.
    Und ob es den Tieren subjektiv so viel bringt, keine präventiven (!) Medikamente, oder hochwertigeres Futter zu kriegen, naja ich bezweifle es.
    Ich bestreite nicht, DASS es in der Biohaltung Verbesserungen gibt, ich sage nur: die sind überweigend an Produktqualität (Menschen-Interesse) und Ökologie orientiert und für die Tiere einfach verschwindend klein.
    Was man daraus macht, die Diskussion will ich gar nicht (weiter)führen hier.

    AntwortenLöschen