Sonntag, 14. Februar 2010

Veganer spinnen

Über Veganer macht man sich gerne lustig, teilweise wird im Internet richtig gegen sie gehetzt. Der Fressack ist z.B. gar nicht gut auf Veganer zu sprechen.
Sicherlich schießen Veganer auch gerne übers Ziel hinaus und verstehen sich als recht engstirnige Missionare in Sachen Ernährung (anscheinend gabs da wohl einige unschöne Mails), man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass sie damit eine gute Sache verbreiten, und Tierleid verhindern wollen. Für Fleisch werden Tiere getötet, für Eier werden sie in enge Käfige gesteckt und für Milch müssen sie in dunklen Ställen auf Spaltböden ihr armseliges Dasein fristen. Das sollte man sich vor Augen führen, wenn man nicht versteht, wieso Veganer nicht nur still ihr Möhrchen knabbern.

Ich habe den Eindruck dass da künstlich ein Feindbild geschaffen wird, ist ja auch schön einfach, die Öko-Fanatiker anzugreifen, die sich der konformen Vorstellung, was auf den Tisch gehört, entgegenstellen. Angriffsfläche gibts genügend. Ob es nun die weltfremd erscheinende Forderung nach Tierrechten ist, die Verweigerung, Lederschuhe zu tragen oder die Verteufelung von Gummibärchen. Auch die seltsam anmutenden Großeinkäufe im Reformhaus verunsichern die Otto-Normalverbraucher und ein "Seitanburger" heißt doch sicher so, weil Satan persönlich ihn kreiert hat.
Das Klischee des weltfremden, blassen und unterernährten Veganers, der wilde ideologische Reden schwingt, während er an einer Ökomöhre kaut, ist genauso dumm wie falsch. Die durch nichts zu beirrende Vorstellung des Veganers als verzerrten Witzfigur dient eher als Vorwand, den gewohnten Status Quo des Durchschnittsbürgers, bei dem das Stückchen Fleisch auf dem Teller einfach selbstverständlich dazugehört, wieder gerade zu rücken und zu sichern. So kann man sich wieder beruhigen. Der Veganer spinnt halt.
Genauso hat man auch Vegetarier noch vor einigen Jahren betrachtet. Als komische Spinner, die in ihrer eigenen Traumwelt leben. Und jetzt sind es 5 Millionen allein in Deutschland! Tendenz steigend.
Man sollte man sich ruhig mal offen anhören, welche Argumente Veganer vorzubringen haben. Nicht nur politisch oder ethisch, sondern auch für die Gesundheit. Der menschliche Körper ist einfach nicht dafür geschaffen, diese Massen an fettigem Fleisch zu verzehren, wie es heute häufig üblich ist. Dies äußert sich im Ansteigen von Zivilisationskrankheiten wie z.B. Diabetes und Herzkreislaufkrankheiten. Warum also nicht die Pizza mit Spinat und Hefeschmelz belegen als mit Salami und Käse oder in die Asiapfanne Tofu schnibbeln anstatt Hühnchen? Inzwischen raten alle Ernährungsstudien zu weniger Fleisch und mehr Obst/Gemüse.
Und ich erwarte ja auch nicht von anderen, dass sie völlig auf Tierprodukte verzichten, ich schreibe ganz sicher niemandem vor was er/sie zu essen hat, erwarte aber die Akzeptanz meiner Lebensweise. Und gelegentlich versuch ich mal nen Stups in Richtung "versuch doch mal die Sojamilch statt der H-Milch". Da kann ich aber eigentlich nix böses dran entdecken.

So, und um die Vorurteile mal mittels eines Videos zu beleuchten, hier ein ganz besonders schwächliches Exemplar der veganen Szene:

Kommentare:

  1. Du wirkst wenigsten nicht militant, das ist schon mal was wert.
    Auch werde ich hier nicht in eine Diskussion einsteigen. Nur soviel: Bei mir z.B. wirst Du keine Aufforderungen zum Genuss von fettigem, ungesunden Essen finden. Nur das Gegenteil.
    Und auf die Pizza gehört nicht Billigsalami und Analogkäse, Formvorderschinken oder Hefeschmelz. Sondern gute Salami, guter Schinken und guter Käse. Und Pizza nur einmal im Monat. Leberwurstbrot - täglich.
    P.S.: Bitte fressack mit nur zwei "s". Ich verweigere mich der sog. neuen Rechtschreibung.

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  2. "Gesundheit" ist allenfalls ein Randaspekt. bei mir stehen die ethischen Aspekte im Vordergrund.

    schade, ich fände eine Diskussion durchaus interessant... wieso es verwerflich ist, dass einige Leute auf Tierprodukte verzichten, um Tierleid zu verhindern.

    vielleicht kann ich ja bei den veganerbashing-posts noch bisi was rauskitzeln *g*

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  3. Ich glaube, man stellt immer jemanden in die "militante" Ecke, wenn er Ansichten vertritt, die mit der allgemeinen Sicht nicht konform laufen und für die meisten Menschen eher nicht akzeptierbar sind. Man macht sich das äusserst einfach: Der ist Militant und einfach nur ein Spinner! Wenn man sich aber mal vor Augen hält, dass große Veränderungen in der Gesellschaft in der Begleiterscheinung oder auch als treibende Kraft sehr oft in ihrer Art massiv waren, ist die Veganer-/Vegetarier-/Umweltbewegung doch ein sehr friedlicher Prozeß. Daher ist "militant" doch oft nur die Wortverdrehung für etwas, was eigentlich die Inanspruchnahme seiner eigenverantwortlichen Teilnahme am gesellschaftlichen Prozeß ist. Wie heißt es doch so schön bei den Philosophen und Staatsrechtlern unserer Breitengrade: Freiheit wogegen. Aber auch: Freiheit wozu?

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  4. Hmm,ich glaube ein bischen liegt es auch daran, dass nicht alle Veganer ihre Ansicht so tolerant vertreten wie du.

    "Mir tut diese Ernährng gut, ich finde sie ethisch vertretbarer als "Normal"kost" bietet eine Diskussiongrundlage.

    "Fleichesser sind Tierfeinde, gar Mörder" und Aussagen wie "ich würde niemals einen Fleischesser küssen, das ist eklig", eher nicht.

    Ich selber war jahrelang Vegetariern und kann mir auch vorstellen, das wieder eine zeitlang zu machen. Eben weil Fleisch aus artgerechter Tierhaltung schwer zu bekomen ist. Wieder hin zum Sonntagsbraten, dann aber wirklch gutes Fleisch, täte uns warschenlich gut.

    Und dann kann man natürlich schon gucken welche Tierprodukte man kauft. Ein paar Cent mehr für ein Ei oder einen Liter Milch, wenn der Landwirt dafür artgerechte Tierhaltung garantiert - ich denke wir Verbraucher haben da schon Einfluß - wir müsen halt weg von unserer billig,billig-Mentalität.

    "Meine erste Veganerin" ;-) lernte ich übrigesn vor 10 Jahren auf einer Radtour durch Masuren kennen - weder militant noch schwächlich, sondern einfach nur eine fitte Frau um die 50 die mit Freude aß, was ihr gut tat (und in Polen auch mal Eier - als Ausnahme).

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  5. Ich finde, Militanz ist nicht immer verkehrt. Gegen den Einzelnen ist Militanz irgendwie eher sowas wie Ignoranz, finde ich... Ist nicht so das, was ich meine...
    Ich will auch mal das mit dem "Billig" aufgreifen. Wenn Fleisch so teuer wird, dass man sich das nur noch selten leisten könnte, würde nicht nur Fresssack empört in die Blogweiten hinein schimpfen. -
    Gibt es eigentlich auch C02-Zertifikate für die Landwirtschaft? Das wäre doch ein vernünftiger Weg, oder nicht?

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  6. wenns aber nunmal leute gibt, die es eklig finden, einen fleischesser zu küssen?
    es gibt auch leute die es eklig finden nen raucher zu küssen. da seh ich jetzt noch keine militanz...

    die lebensmittelpreise sind total verkehrt, fleisch, süßigkeiten und weißmehlprodukte sind superbillig, während vollwertige kost, gemüse und obst sehr teuer sind!
    eigentlich müsste man den ganzen mist besteuern und damit die gesunden produkte subventionieren; so wie man auch alkohol+tabak besteuert

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  7. @auge: Ich rate zur Lektüre meines Posts zum Fasten. Ich kaufe auch bevorzugt bei Produzenten und Metzgern, die ihre Ware noch mit Namen kennen.
    Massenproduktion ist mir zuwider. Ich habe z.B. seit bestimmt 10 jahren nichts mehr von der Pute gegessen, Burgerketten sehen mich nicht als Kunden und bei mir kommen nur die Erbsen, Tomatenmark und Kochtoamten aus der Dose.
    Und ich habe grossen Respekt vor Tieren. Die dürfen mich essen, wenn sie es schaffen, und ich sie.

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  8. Kompliment an die Autorin des obigen Textes ;-)
    Ich bin auch ein ganz "normaler" Mensch,der einfach auf Tierprodukte verzichtet!Ich will keinen von seinen Essgewohnheiten abbringen,bzw. ihn dafür verurteilen,das er/sie Tierische Produkte konsumiert.Die Verantwortung/Entscheidung muss jeder für sich selbst Übernehmen.Wir leben leider in einer Gesellschaft,die auf diesem System der Ausbeutung aufgebaut ist!Das wird sich auch nur schwer und langsam ändern(Beispiel Vegetarier),aber ich bin mir sicher,vegan sein wird in wenigen Jahren,nicht mehr als Exotisch abgestempelt werden ;-)
    Gruss Sascha

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  9. Einige Apologeten der wenigen&glücklichen&Bio-Ausbeutung werden angehört. OK. Aber warum wird ihnen nicht grundsätzlich der ethische Widerspruch entgegengehalten?
    Ich meine, die beliebte "Toleranz" ist ja nett, aber wem nützt sie _wirklich_?
    Zumal wir hier nicht in der Betriebs-Buletten-Kantine sind sondern auf einem veganen Blog? (dachte ich)

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  10. Ich bin eigentleich ein absolut toleranter Mensch. Nur: Den Veganern hat man meiner Meinung nach ins Gehirn geschissen.
    Verstehe nicht, das sie sich selbst keine Gedanken darüber machen, weshalb sie dauernd krank sind und früher sterben als normale Menschen.

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